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Jan
23

„Beschissen, bemüht und dann wieder beschissen“ – Gedanken zum 18. Bundesliga-Spieltag

Es war schon ein hartes Brot für den Fußball-Fan: 32 Tage lang ruhte in der Fußball-Bundesliga der Ball. Das Weihnachtsfest, Silvester und die eine oder andere Wiederholung von „The Voice of Germany“ zur eigentlich angestammten Bundesliga-Zeit haben die Pause halbwegs erträglich gestaltet. Zum Glück rollt die Kugel aber endlich wieder. Und der erste Spieltag nach der Pause hat gleich einiges Interessantes zu Tage gefördert.

Von wegen Triple

In der Winterpause konnte man den Eindruck gewinnen, dass der FC Bayern die Meisterschaft schon zur Halbzeitpause eingetütet hat. Zwar haben die Protagonisten an der Säbener Straße das so nicht gesagt, doch wenn Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Thomas Müller befragt wurden, wurde stets der Gewinn des Triples als Ziel für die Rückrunde ausgegeben – und das Triple impliziert nun einmal auch die Meisterschaft.

Wer den FC Bayern aber am Freitag in Mönchengladbach spielen (und verlieren) gesehen hat, der kann zumindest für den Moment seine Zweifel bekommen an den hehren Zielen des Rekordmeisters. Ich möchte die Bayern zwar nach einem einzigen Spiel nicht abschreiben, doch die Art und Weise, wie die Sensationsmannschaft aus Mönchengladbach die Münchner teilweise deklassiert hat, dürfte in Europa nicht gerade Angst und Schrecken vor der „Rot-Weißen Lawine“ (The Sun im September 2011) ausgelöst haben. Der große FCB (Barcelona) dürfte ohnehin nicht in Ehrfurcht erstarren vor den Bayern, doch in der gezeigten Verfassung müssen die Münchner auch höllisch auf den kleinen FCB (Basel) aufpassen.

Andererseits: Eine berauschende Vorstellung gegen den nächsten Gegner, und alles wäre wieder vergessen. Dieser Gegner ist am kommenden Samstag übrigens der VfL Wolfsburg – selten dürfte der FC Bayern bei einem Bundesligaspiel so viele Sympathien haben…

Ironie des Schicksals

Es ist irgendwie bezeichnend: Da kauft der VfL Wolfsburg für rund 30 Millionen Euro neue Spieler, und das Siegtor gegen den 1.FC Köln erzielt ausgerechnet einer, der aus der eigenen U23 stammt. „Holter die Polter“ oder „Poltergeist“ lauteten die unvermeidlichen Wortspiele, mit denen die Journaille das 1:0 von Stürmer Sebastian Polter (der mit der 80er Popper-Haartolle) feierte. Man muss aber der Fairness halber auch sagen, dass der Sieg für die uneingespielte VfL-Truppe nur möglich war, weil der Gegner 1. FC Köln hieß. Und der ist nun wahrlich nicht dafür bekannt, auf dem Silbertablett servierte Geschenke anzunehmen. Milivoje Novakovic hat jedenfalls eine vortreffliche Bewerbung für den Friedensnobelpreis abgegeben.

Nur der BVB

Beachtliche sieben Bundesligaspiele lang ist der Hamburger SV unter Thorsten Fink ungeschlagen geblieben. Der HSV hat in dieser Zeit zwar auch „nur“ zwei Spiele gewonnen (bei fünf Unentschieden laut Adam Riese), doch der Bundesliga-„Dino“ hat sich zumindest wieder den Ruf erarbeitet, schwer zu schlagen zu sein.

Gestern wurden die Hamburger jedoch vom Deutschen Meister Borussia Dortmund nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen. Das Ergebnis war nach Abpfiff noch das beste aus Hamburger Sicht, während die Dortmunder – trotz der 3:1-Siege von Gladbach und Schalke – ihren Ruf als Bayern-Widersacher Nummer eins zementiert haben. Zumal mit Mario Götze beim BVB der vermeintlich beste Einzelspieler der Mannschaft fehlte.

Freiburg: Back in Business?

Im ersten Spiel unter Neu-Trainer Christian Streich (den Namen musste ich auch erst mal „ergooglen“) gleich ein Sieg für den SC Freiburg. Trotz des Verlustes von Top-Torjäger Papiss Cissé verlässt der SC den letzten Tabellenplatz. Hat man die Breisgauer etwa zu früh abgeschrieben? Ich denke nicht, denn immerhin handelte es sich beim Gegner um den FC Augsburg. Die Partie war so etwas wie das Spitzenspiel von unten. Würde man montags abends Sport1 einschalten und dieses Spiel sehen, könnte man ja noch denken „Cool, Top-Spiel der 2. Liga“, doch wenn man ehrlich ist, dann hat dieser eine Sieg des SCF keine Aussagekraft für den Verlauf der Rückrunde. Ich glaube vielmehr, dass es nur ein Strohfeuer war. Denn wenn man daheim nicht gegen die vermeintlich schwächste Mannschaft der Liga gewinnt, gegen wen dann?! Für mich jedenfalls wäre alles andere als der Abstieg von Freiburg und Augsburg eine dicke Überraschung.

Spruch des Wochenendes

Trotz des vor allem von Reinhold Beckmann in der „Sportschau“ bis zum Erbrechen gezeigten Thomas Müller-Bonmots („Wir sind extrem beschissen gestartet, zwischendrin war’s okay, dann war’s wieder beschissen, dann war’s wieder bemüht, und dann war’s nochmal beschissen“) stammt der Ausspruch des Wochenendes aus meiner Sicht ganz klar von Felix Magath: „Junge deutsche Spieler sind begehrt und teuer. Wir haben nicht die Möglichkeiten, solche Spieler zu verpflichten. Deswegen suchen wir vor allem im Ausland nach preiswerten Alternativen.“

1 Kommentar

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  1. Der Jensemann sagt:

    Marco, da hättest du mich mal fragen müssen: Mit der A-Jugend den größten Erfolg in der Geschichte der Jugendmannschaften des SC.
    Top-Mann der Streich. Ich hatte bei dem Fußball. Super sympathisch, absolut fußballverrückt. Und macht selbst dem lahmsten Studi im Grundstudium noch Beine als ging es um die Meisterschaft. Und übt Taktik, Taktik, Taktik sogar mit Nichtfußballern. Hat selbst auch aktiv gespielt. Meine Lieblingsgeschichte von ihm: „Es gab zwei Torhüter bei denen hast du als Spieler gedacht es wird Nacht im Strafraum. Die hat man im Rücken gespürt auch wenn sie nicht da waren: Oli Kahn und Peter Schmeichel

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