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Feb
28

„Der härteste Abstiegskampf aller Zeiten“ – Wen erwischt es?

In der unteren Tabellenhälfte tummeln sich nach dem 24. Spieltag so viele „Große“ wie nie. Abgesehen vom FC St. Pauli ist jeder Abstiegsanwärter mindestens einmal Deutscher Meister gewesen. Doch welchen „Großen“ wird es erwischen?

Mönchengladbach, Stuttgart, Kaiserslautern, Bremen, Frankfurt, Wolfsburg, Köln und Gelsenkirchen – insgesamt 30 Mal ging die Meisterschale bislang in eine dieser Städte. Bei dieser Zahl wird es für’s Erste bleiben, denn alle genannten Mannschaften plus der FC St. Pauli befinden sich gerade mitten im „härtesten Abstiegskampf aller Zeiten“ (Zitat Kölns Trainer Frank Schaefer).

Was macht den aktuellen Abstiegskampf so hart?

Zum einen ist in der laufenden Saison nichts mehr, wie es einmal war. Vermeintliche Abstiegsanwärter spielen oben mit, vermeintliche Europapokalanwärter kämpfen ums Überleben. Allein die (nominelle) Qualität der Kader von Werder Bremen, des VfB Stuttgart oder des VfL Wolfsburg lässt einen nach wie vor im Zweifel, ob diese drei nicht irgendwann ihre Klasse in Ergebnisse ummünzen.

Zweitens ist die Liga in der laufenden Saison nicht nur leistungs-, sondern auch punktemäßig enger zusammengerückt – von Borussia Dortmund einmal abgesehen. Haben in der vergangenen Saison noch 32 Punkte für den direkten Klassenerhalt und 29 für die Relegation gereicht, werden in diesem Jahr wohl 35 plus X Punkte für den direkten Ligaverbleib vonnöten sein. Alle müssen also vermehrt punkten, auf die Schwäche der Konkurrenz kann sich niemand verlassen.

Zwei Vereine wird es direkt erwischen, einer wird sich in der Relegation mit den Bochums, Augsburgs oder Aues dieser Welt auseinandersetzen dürfen. Bemerkenswert: Im letzten Saisondrittel stehen extrem viele „Sechs-Punkte-Spiele“ an. Spitzenreiter ist Wolfsburg, das in den letzten zehn Partien gegen sieben(!) direkte Konkurrenten antritt.

Was spricht für den Abstieg von…

Schalke 04 (30 Punkte, 29:29 Tore)

Eigentlich nichts. Die Mannschaft hat von allen Mannschaften im Keller die beste Ausgangsposition und ist trotz der Magathschen „Masse statt Klasse“-Philosophie eigentlich zu stark besetzt, um noch ernsthaft in Abstiegsgefahr zu geraten. Allenfalls ein überraschend weites Vordringen in der Champions League könnte den Fokus von der Liga nehmen und zu gefährlichen weiteren Punktverlusten führen.

1.FC Köln (29 Punkte, 31:42 Tore)

Derzeit wenig. Die Kölner haben nach zehn Jahren ihre Heimstärke wieder erlangt, befinden sich gerade im Flow. Sogar die Kritik am Vorstand ist aufgrund der letzten Ergebnisse verstummt. Aber: Kein Umfeld ist so extrem wie das in Köln. Nach einem Sieg himmelhoch jauchzend, nach einem schlechten Spiel zu Tode betrübt. Die nächsten Partien in Dortmund, gegen Hannover und in Hamburg sind keine Selbstläufer. Setzt es da zwei oder gar drei Niederlagen, wäre man wieder mittendrin im Schlamassel.

FC St. Pauli (28 Punkte, 27:38 Tore)

Die Qualität des Kaders und die Personalprobleme. Nach dem guten Rückrundenstart, gekrönt durch das 1:0 beim Erzrivalen HSV, hat St. Pauli die letzten beiden Spiele verloren und nähert sich von oben allmählich wieder den Abstiegsplätzen. Am schwerwiegendsten ist aber, dass der qualitativ ohnehin nicht übermäßig gut besetzte Kader mittlerweile auch noch quantitativ ausgedünnt ist.

Eintracht Frankfurt (27 Punkte, 24:34 Tore)

Der Trend. Nach 26 Punkten aus der Hinrunde träumten die Fans der SGE schon zart von der Europa League. Immerhin hatte man zum Hinrundenkehraus noch den designierten Deutschen Meister Borussia Dortmund mit 1:0 bezwungen. Doch seitdem geht nichts mehr: 0 Tore und 1 Punkt aus 7 Rückrundenspielen. Aus dem Holz sind normalerweise Absteiger gemacht. Anzeichen für eine Besserung gibt es nicht, die Mannschaft hat einen absoluten Negativlauf. Die Eintracht steht vor den Wochen der Wahrheit, die nächsten fünf Partien sind so genannte Sechs-Punkte-Spiele (gegen Kaiserslautern, Schalke, St. Pauli, Wolfsburg, Bremen).

VfL Wolfsburg (26 Punkte, 29:34 Tore)

Dieter Hoeneß. Schon vor dem Rückrundenstart habe ich die „Wölfe“ zu den Mannschaften gezählt, die noch so richtig Probleme bekommen könnten. Ob der knappe Sieg gegen Schlusslicht Mönchengladbach der Befreiungsschlag war, bleibt abzuwarten. McClaren-Nachfolger (und Ex-Co-Trainer) Pierre Littbarski ist nicht mehr als ein Notnagel, dem allem Anschein nach das Standing in der Mannschaft fehlt. Verantwortlich für die Besetzung der Schlüsselpositionen im Kader und auf der Bank ist aber Dieter Hoeneß. Und der wirkt so, als würde er einfach nur darauf vertrauen, dass sich die Dinge irgendwie zum Guten wenden. Zwischen dem 27. und dem 33. Spieltag können die „Wölfe“ zeigen, was in ihnen steckt. In den „Existenzkampf-Wochen“ treffen sie in Serie auf Stuttgart, Frankfurt, Schalke, St. Pauli, Köln, Bremen und Kaiserslautern.

Werder Bremen (25 Punkte, 30:50 Tore)

Der Trend und die Unerfahrenheit im Abstiegskampf. Der Abo-Champions League-Starter aus Bremen hat in der Vergangenheit immer wieder wichtige Abgänge auffangen können. Der von Mesut Özil scheint einer zu viel gewesen zu sein. Doch das allein kann nicht der Grund für den Niedergang in allen Wettbewerben sein. Bremen kommt daher wie ein vermeintlicher Top-Klub, der gar nicht so recht weiß, wie er da unten rein gerutscht ist und der trotz öffentlicher Beteuerungen den Abstiegskampf nicht (richtig) annimmt. Es gilt, von der Einstellung her schnellstmöglich das gesunde Mittelding aus Tim Wiese und Marko Marin zu finden. Das Comeback gegen Leverkusen nach 0:2 könnte ein erster Schritt gewesen sein. Möglicher Vorteil: Bis auf Dortmund hat Bremen schon gegen die Top-Teams der Saison gespielt.

1.FC Kaiserslautern (24 Punkte, 33:42 Tore)

Der Trend. In der Hinrunde in fast allen Spielen vom Auftreten überzeugend, ist der FCK 2011 nicht mehr wiederzuerkennen. Kein Sieg, nur drei Punkte – so verspielte Lautern seine gute Ausgangsposition im Abstiegskampf. Exemplarisch für diese Entwicklung steht Top-Torjäger Srdjan Lakic (11 Hinrundentore, null Rückrundentore), der seit der Bekanntgabe seines Wechsels zu (Absteiger?) Wolfsburg im Sommer völlig neben sich steht. Auch der FCK bekommt es in den nächsten Spielen mit direkten Konkurrenten zu tun. Highlight: Der „Gipfel“ der schlechtesten Rückrunden-Mannschaften in Frankfurt am nächsten Spieltag.

VfB Stuttgart (22 Punkte, 42:47 Tore)

Die Inkonstanz und die Unerfahrenheit im Abstiegskampf. Der VfB stellt den viertbesten Angriff der Liga. Doch das ist das Einzige, was zufriedenstellen kann. Die Schwaben spielten sich hin und wieder in einen Rausch (7:0 gegen Gladbach, 6:0 gegen Bremen), präsentierten sich aber viel zu häufig behäbig und wie ein Absteiger. Dem VfB gelangen in dieser Saison noch keine zwei Siege in Folge. Die nächsten sechs Partien sind gegen direkte Konkurrenten (Schalke, St. Pauli, Wolfsburg, Bremen, Lautern, Köln). Im Basketball würde man wohl von „Crunch Time“ sprechen.

Borussia Mönchengladbach (19 Punkte, 35:59 Tore)

Das Punktekonto, die Inkonstanz und das Restprogramm. Was für Stuttgart gilt, trifft in gewisser Weise auch auf die Elf vom Niederrhein zu. Die wenigen guten Ergebnisse verpuffen, weil die Borussia keine Konstanz in ihre Leistungen bekommt. Gladbachs längste „Serie“ in dieser Saison besteht aus zwei Spielen ohne Niederlage (Sieg und Unentschieden). An den Spieltagen 30 bis 34 geht es ausschließlich gegen Europacup-Anwärter. Sechs-Punkte-Spiele gibt es kaum noch. Die Borussia muss also nicht nur selbst siegen, sondern auch auf die schwächelnde Konkurrenz hoffen.

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