«

»

Okt
24

„Pinto gehört nach Hollywood!“ – Der FC Bayern und sein Umgang mit Niederlagen

Schau an, der FC Bayern ist doch nicht unschlagbar. Um dem Rekordmeister eine Niederlage beizubringen, war noch nicht einmal ein Geniestreich à la Lionel Messi vonnöten. Ein erneut schwaches Spiel von Philipp Lahm, ein Platzverweis für „Professor“ Jerome Boateng sowie die Füße von Mo Abdellaoue und Christian Pander (respektive Luiz Gustavo) haben gereicht. Glaubt man der Bayern-Spitze, ist aber ein ganz anderer verantwortlich für die Pleite von Hannover.

Uli Hoeneß mag so einiges in sich hineinfressen – sein Frust gehört sicherlich nicht dazu. Nach der gestrigen 1:2-Niederlage bei Hannover 96 polterte der Bayern-Präsident wieder wie in besten Zeiten. Vor allem die „theatralische Einlage“ von Hannovers Sergio Pinto in der 27. Minute stieß Hoeneß auf: Pinto war soeben von Bayerns Rafinha direkt vor der 96-Bank mustergültig und gelbwürdig ins Aus getreten worden. Schiedsrichter Manuel Gräfe erkannte jedoch kein Foul und ließ die Partie weiterlaufen. Der Deutsch-Portugiese lag bereits außerhalb des Spielfelds und konnte behandelt werden. Alles ok, sollte man meinen. Glück gehabt, weitermachen. Dennoch regte sich bei den Bayern Unmut über den sich am Boden wälzenden Pinto, dessen Leumund in der Liga irgendwo zwischen dem von Maik Franz und dem von David Jarolim angesiedelt ist. „Drecksack“ hat man solche Spielertypen früher genannt.

Was folgte, war ein in der Bundesliga lange nicht mehr gesehenes Rudel, bei dem sich Bayerns Jerome Boateng und Hannovers Christian Schulz schnell als „Aggressive Leader“ ihrer Teams herauskristallisierten – und dafür bestraft wurden. Dass der Schiedsrichter Boateng für einen nicht übermäßig intelligenten, aber auch nicht übermäßig harten Schubser des Feldes verwies, während Schulz für ein vergleichbares Vergehen mit Gelb davon kam, darüber darf man durchaus diskutieren.

Frustbewältigung à la Bayern – das größte Kompliment

Doch erstaunlicherweise taten die Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß nach der Partie genau dies nicht – zumindest nicht in erster Linie. Stattdessen setzten sie auf eine altbewährte Bayern-Methode der Frustbewältigung: Sie suchten die Wurzel allen Übels auf der Gegenseite. Rummenigge: „Pinto sollte in die Kirche gehen und beichten. Ich weiß nicht, wie der heute Nacht ruhig schlafen kann.“ Hoeneß: „Der Pinto gehört nach Hollywood zur Oscar-Verleihung, aber nicht auf den Fußballplatz!“ Manch einer dürfte bei solchen Worten hellhörig werden. Vor ziemlich genau zehn Jahren polterte Uli Hoeneß nach der legendären Treterei von Dortmund (1:1, zweimal Rot, einmal Gelb-Rot, zwölfmal Gelb) gegen BVB-Spieler Otto Addo in ähnlicher Weise. Damals sagte er, der Ghanaer gehöre „in den Zirkus.“ Auch David Beckham bezeichnete der Bayern-Präses schon einmal als „Zirkuspferd“. Pinto hat er nun sogar eine Karriere im Filmgeschäft nahe gelegt. Wenn das mal nicht eine Steigerung ist…

Wenn Uli Hoeneß eines nicht leiden kann, dann ist es Theatralik. Das ist auch der Grund, warum der FC Bayern niemals einen Spieler wie Rafinha unter Vertrag nehmen würde… Ups… Ok, wenn Uli Hoeneß eines nicht leiden kann, dann ist es, zu verlieren. Und bevorzugt greift er dann zum Stilmittel, seinen Frust extern auszulassen. Meist ist es der Schiedsrichter, gerne aber auch mal der Spieler XY des Gegners. Gerecht ist das nicht. Doch wenn man in Hannover die Hoeneß‘ noch einmal Revue passieren lässt, wird man feststellen, dass 96 gestern das größte Kompliment erhalten hat, was Uli Hoeneß verteilt. Denn merke: Das Bayern-Denkmal poltert nur, wenn er jemanden als ernstzunehmenden Gegner betrachtet.

Persönliche Anmerkung: Das ist nicht mehr mein Fußball, wenn Hannover 96 zum Bayern-Rivalen avanciert…

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*