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Nov
07

„Versprechen wurden nicht eingehalten“ – Was für einen Podolski-Abschied aus Köln spricht

Dass Lukas Podolski sich in Interviews unzufrieden mit der Situation bei seinem Arbeitgeber 1.FC Köln äußert, ist nichts Neues. Dass nach solchen Interviews über einen möglichen Abschied aus der Domstadt spekuliert wird, ebenfalls nicht. Doch anders als in der Vergangenheit, könnte es dieses Mal tatsächlich so weit kommen.

„Ich habe immer wieder betont, dass mir nicht nur in der Kapitänsentscheidung, sondern auch in anderen Dingen der Rückhalt der Verantwortlichen gefehlt hat. Und dazu stehe ich heute noch. Wenn man von Bayern nach Köln kommt und dann von den Verantwortlichen gesagt bekommt, wir haben einen Weg für die nächsten fünf Jahre, wir wollen nach Europa und wir wollen das und das aufbauen, und dass das nach zwei Jahren nicht mehr funktioniert, und dass man dann als Spieler enttäuscht ist, wenn man mit dem Verein, den Fans und der Stadt etwas erreichen will.“ (Lukas Podolski im TV-Interview bei „Sky“ am 5.11.2011)

„Lukas Podolski ist der 1. FC Köln“. Diese Aussage tätigte der FC-Fan und -Investor Franz-Josef Wernze vor kurzem im Interview mit dem „Express“. Darin sagte Wernze auch, dass eine Vertragsverlängerung mit Lukas Podolski allerhöchste Priorität besitze und es an seiner Unterstützung nicht mangeln werde, wenn es um das Gehalt der Kölner Nummer 10 geht. Doch lässt sich Lukas Podolski allein mit Geld zu einer Vertragsverlängerung überzeugen?

Mit Geld und Perspektive kann der FC nicht punkten

Wenn es ihm allein um das Finanzielle geht, könnte Podolski in England, Italien oder Russland mehr rausholen. Auch die sportliche Perspektive ist beim AC Milan oder bei Arsenal London eine andere. Der FC kann also nur über das Herz punkten – so wie schon bei „Poldis“ Rückkehr 2009. Damals gelang es Präsident Wolfgang Overath noch, das kölsche Idol mit Bauchpinseleien und sportlichen Visionen becircen. Tenor: Wir bauen um dich herum eine starke Mannschaft auf, die sich wieder für den Europapokal qualifiziert. Davon sind zweieinhalb Jahre später allenfalls Ansätze zu erkennen.

2009 hatte der FC noch einen weiteren Trumpf in der Hand: Lukas Podolski wollte nach der Negativ-Erfahrung Bayern München unbedingt zurück in die Heimat. Mit besseren Angeboten hat er sich damals gar nicht ernsthaft beschäftigt. Heute ist Lukas Podolski ein gestandener Spieler, der international einen exzellenten Ruf besitzt und mittlerweile als Persönlichkeit so gefestigt wirkt, dass er es auch außerhalb der Domstadt packen könnte. Außerdem – Hand aufs Herz – ist er einfach ein zu guter Spieler, um Jahr für Jahr um Platz 9 bis 12 zu spielen. Wie also soll es weiter gehen?

Geld oder Poldi

Fakt ist, dass sich der FC spätestens im Winter mit Podolski zusammensetzen wird. Einigt man sich nicht auf eine vorzeitige Verlängerung, stehen die Zeichen auf Abschied im Sommer 2012. Denn nur dann erhält man für seine „Lebensversicherung“ noch eine anständige Ablöse. Englische Medien kolportierten in der vergangen Woche, dass Arsenal London bereit sei, für den „Prinzen“ 23 Millionen Euro locker zu machen. Gut möglich, dass sich im nächsten Sommer noch ein höherer Preis erzielen ließe – sofern Podolski seine aktuelle Form konserviert und eine starke Europameisterschaft in Polen und der Ukraine spielt. Dann scheint auch eine Summe jenseits der 30 Millionen Euro vorstellbar, und prompt wäre der 1.FC Köln all seine Altlasten los.

Auf der anderen Seite ist Lukas Podolski das Gesicht des Vereins, der Liebling der Fans und nicht zuletzt der „Matchwinner“ (Zitat Trainer Stale Solbakken) seiner Mannschaft mit bislang 9 Toren und 5 Vorlagen. Natürlich kann niemand sagen, wie die bisherigen Partien ohne den 26-jährigen verlaufen wären. Womöglich hätte sich, ohne den alles überstrahlenden Star vor der Nase, der eine oder andere FC-Akteur in der Vordergrund gespielt. Doch abseits der grauen Theorie ist Podolski in seiner aktuellen Form für die „Geißböcke“ unbezahlbar und unverzichtbar.

Reicht ein leichter Aufwärtstrend?

Und genau an dieser Stelle muss sich die Vereinsführung entscheiden. Seit nunmehr 20 Jahren versucht der FC vergeblich, sich wieder im oberen Drittel der Liga einzugliedern. In der laufenden Saison geht der Trend zumindesst zart in die richtige Richtung. Nicht ausgeschlossen, dass man im nächsten Jahr einen weiteren Schritt nach vorne tut. Immerhin scheint die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft zu stimmen. Die Verbesserungen sind zwar klein, aber sichtbar. Das dürfte auch Lukas Podolski nicht entgangen sein.

Damit es wieder mit Europa klappt, braucht Köln einen Spieler wie Lukas Podolski. Um – und das ist die Ironie – mit dem dort erwirtschafteten Geld von einem Spieler wie Lukas Podolski unabhängiger zu werden. Volker Finke, Claus Horstmann und Stale Solbakken würden sich also für den Fall, dass eine vorzeitige Vertragsverlängerung scheitert, mit der Frage auseinander setzen müssen, ob ihnen ein Lukas Podolski auf dem Platz nicht mehr wert ist als eine volle Kriegskasse. Kurzfristig gesehen natürlich nicht, denn Podolski würde dem FC im Sommer 2013 keinen Cent mehr bescheren – was sich für „LP10“ dank höherer Handgelder finanziell im Übrigen durchaus lohnen würde. Und wer weiß, vielleicht wäre die Entwicklung ja 2012/13 so, dass Podolski doch noch verlängern würde.

Lukas Podolski entscheidet über die Zukunft des FC

Doch möchte Lukas Podolski überhaupt so lange in Köln bleiben? Offiziell soll er seine Worte im „Sky“-Interview so drastisch gewählt haben, um Mannschaft und Verein aufzurütteln. Doch klar ist auch, dass Mittelmaß nicht der Anspruch eines Spielers von der Klasse Podolskis sein kann.

Außerdem ist der FC von heute nicht mehr der FC, zu dem „Poldi“ 2009 zurückgekehrt ist. Zwar ist einiges professioneller geworden, doch im Rahmen dieser Neuausrichtung sind auch viele Poldi-Vertraute gegangen worden, wie Zeugwart Hartjens. Weiterhin ist Sportdirektor Volker Finke nicht gerade ein Busenfreund der kölschen Ikone. Und auch der Verlust der Kapitänsbinde schmerzt entgegen anders lautender Meldungen immer noch, wie Podolski gegenüber „Sky“ anmerkte.

Einzig der zarte sportliche Aufwärtstrend und das offenkundig gute Verhältnis zu Trainer Solbakken erscheinen aktuell für einen Verbleib Podolskis zu sprechen. Der fordert seit Jahren gebetsmühlenartig die versprochenen qualitativen Verbesserungen im Kader ein – diese sind jedoch vermutlich nur dann zu realisieren, wenn der Verein an viel Geld kommt. Und das ließe sich am einfachsten mit einem Verkauf des Nationalspielers beschaffen. So scheint klar zu sein, dass es einen in der Breite stark besetzten FC nur ohne Lukas Podolski geben kann – sofern es dem Verein gelänge, das Geld in die richtigen Spieler zu investieren und nicht einen zweiten „Fall Häßler*“ zu kreieren…

Welchen Weg der Verein geht, entscheidet am Ende niemand anderes als Lukas Podolski: Will er in seiner Karriere noch Titel gewinnen und sich mit den Besten der Besten in der Champions League messen, muss er im Sommer seine Zelte in Köln abbrechen. Bei einer Verlängerung würde er dagegen zum „ewigen“ Kölner. Das würde ihm den ewigen Heldenstatus bei den FC-Fans sichern, das Kopfschütteln vieler Experten und die Wahrscheinlichkeit, nicht mehr als ein „Entwicklungshelfer“ zu sein. Kaum vorstellbar jedenfalls, dass Lukas Podolski mit dem 1.FC Köln einmal gegen den FC Arsenal oder Real Madrid spielen wird. Abgesehen von Freunschaftsspielen natürlich.

* 1990 reinvestierte der FC die für damalige Zeiten exorbitante Ablösesumme von 15 Millionen Mark in Durchschnittsspieler á la Rico Steinmann oder Henri Fuchs und leitete damit den schleichenden Absturz ein, der dem Verein bis heute vier Abstiege beschert hat

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