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Feb
27

10 kuriose Fakten zum DFB-Pokal

Die Fußball-Bundesliga ist – nicht zuletzt wegen ihres 50-jährigen Jubiläums – von TV- und Printmedien genauestens „kartographiert“ und „vermessen“ worden. Das Kramen bis ins hinterste Eckchen geht so weit, dass man viele Fans mit Statistiken und Kuriositäten kaum noch beeindrucken kann. Sehr viel weniger bekannt sind Storys rund um den DFB-Pokal – völlig zu Unrecht.

1. Entstehung

Wie die Autobahnen und der olympische Fackellauf hat auch der DFB-Pokal seinen Ursprung in der dunkelsten Epoche der deutschen Geschichte: dem Dritten Reich. Im Jahr 1935 rief der damalige Reichssportführer Hans von Tschammer den Wettbewerb ins Leben, der bis zum Ende der NS-Diktatur Tschammerpokal hieß. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Wettbewerb, dessen Vorbild der englische FA-Cup war, geschichtsneutral in DFB-Pokal umbenannt.

2. Österreichische Sieger

In die Zeit des Dritten Reichs fallen auch zwei Pokalsiege durch österreichische Mannschaften. Nachdem die Alpenrepublik durch das Hitler-Regime ans Deutsche Reich „angeschlossen“ worden war, gelang dem SK Rapid Wien 1938 der Pokalsieg, 1943 gewann der First Vienna FC den Cup.

3. Amateure im Finale

Die Amateurvereine machen den Pokal zu dem, was er ist. Mal sind sie eine Mini-Hürde, die von den Profiklubs quasi im Vorbeigehen genommen wird. Oft genug sind sie aber auch ein Stolperstein, der im Verlauf eines Spiels mitunter zu einem Felsmassiv anwachsen kann. Gewinnen konnte den DFB-Pokal bislang noch kein Amateurverein, ins Finale schafften es aber immerhin schon drei: die Zweite Mannschaft von Hertha BSC 1993, Energie Cottbus 1997 und Union Berlin 2001. Die „Eisernen“ profitierten damals von dem Umstand, dass der siegreiche Finalgegner Schalke für die Champions League qualifiziert war. Als Zweitliga-Aufsteiger durfte Union damit im UEFA-Cup 2001/02 antreten und schaffte es immerhin in die 2. Runde.

4. Wiederholungsspiel

Pokalspiele können schon mal 120 Minuten dauern, des Öfteren kommt auch noch ein Elfmeterschießen obendrauf. Generell sind die Partien also in weniger als drei Stunden brutto abgefrühstückt. Das war lange Zeit anders: Bis 1977 wurde bei einem Unentschieden nach 120 Minuten ein Wiederholungsspiel angesetzt. Dabei kehrte sich das Heimrecht nach englischem Vorbild um. Erst wenn auch im Wiederholungsspiel nach Verlängerung kein Sieger gefunden war, kam es zum Elfmeterschießen.

Weil man wegen der Neuansetzungen allerdings immer wieder in terminliche Schwulitäten geriet, wurde in der Saison 1991/92 das Elfmeterschieden als „Tie-Breaker“ nach 120 Minuten eingeführt (in Finals bereits ab der Saison 1977/78).

5. Modus-Experimente

Man schätzt den DFB-Pokal nicht zuletzt wegen seines transparenten Modus: 64 Starter, sechs K.O.-Runden. Wer alle sechs Spiele gewinnt, hat den Cup. Doch der DFB hat in der Vergangenheit auch ein paar Experimente beim Modus gewagt, die jedoch schnell wieder begraben wurden. So wurde der Pokal in den Spielzeiten 1971/72 und 1972/73 von der ersten Runde bis zum Halbfinale im Hin- und Rückspiel ausgetragen. Erst das Finale war ein Alles-oder-Nichts-Spiel. Elf Spiele brauchte man damals bis zum Titel. 1999/2000 gab der DFB den Europapokalstartern in der 1. Runde ein Freilos. Die Amateurvereine haben damals ziemlich bedröppelt aus der Wäsche geguckt, weil sich keiner über das Traumlos Bayern München freuen durfte. Als die Bayern dann eingriffen, waren die meisten Kleinen dann schon draußen. Auch hier gab folgerichtig es kein zweites Mal.

6. Endspielort

Berlin gilt längst als das „deutsche Wembley“, ist die Hauptstadt doch der traditionelle Endspielort des Finals. Allerdings war das nicht immer so: Erst seit 1985 findet das Finale alljährlich im Olympiastadion statt. Zuvor wurde ein neutraler Ort gewählt, der in der Regel geographisch ungefähr in der Mitte zwischen den Städten der beiden Finalteilnehmer lag. So kam es zu der Kuriosität, dass der 1. FC Köln das Finale 1983 im heimischen Müngersdorfer Stadion austragen durfte, weil der Gegner Fortuna Köln hieß. Die häufigsten Austragungsorte bis 1985 waren im Übrigen Hannover (achtmal), Berlin (sechsmal) sowie Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart (je fünfmal).

7. „Seriensieger“

Der Begriff Seriensieger ist eigentlich übertrieben, denn häufiger als zweimal in Folge konnte bislang kein Verein den DFB-Pokal gewinnen. Dieser Umstand trägt aber zumindest dazu bei, dass es viele „Seriensieger“ gibt. Es sind: Dresdner SC (1940, 41), Karlsruher SC (1955, 56), Bayern München (1966, 67 sowie 2005, 06), Eintracht Frankfurt (1974, 75), 1. FC Köln (1977,78), Fortuna Düsseldorf (1979, 80), Schalke 04 (2001, 02).

8. „Freilose“

Viele Profivereine haben gewissen Respekt vor einem Amateurlos. Schließlich kann man in solchen Spielen richtig dumm aussehen. Ausnahme: Man bekommt die eigene Zweite Mannschaft zugelost. Lange Zeit nahm man diesen Umstand beim Verband in Kauf, führte Fortuna doch allzu selten die Erste und die Zweite eines Klubs zusammen. Bis zum Jahr 2001: Damals bekam die Reserve des VfB Stuttgart die eigenen Profis zugelost – und verlor völlig „überraschend“ und ohne jegliche Gegenwehr mit 0:3. Daraufhin untersagte der DFB für die Zukunft Duelle der Erst- und Zweitvertretung eines Vereins vor dem Finale. Mit Einführung der 3. Liga 2008/09 hat sich dieses Problem aber ohnehin in Luft aufgelöst: Seitdem sind die Reservemannschaften der Profi-Klubs von der Teilnahme an der DFB-Pokal-Hauptrunde generell ausgeschlossen.

9. Der Pokal

Der DFB-Pokal in seinem heutigen Erscheinungsbild wurde erstmals im Jahr 1965 an den Sieger überreicht. Die 52 Zentimeter hohe und 5,7 kg schwere Trophäe aus vergoldetem Sterlingsilber hat ein Fassungsvermögen von amtlichen acht Litern. Ob die enorme Füllmenge auch der Grund dafür ist, dass der Pokal bereits einmal generalüberholt werden musste, lässt sich allenfalls mutmaßen. Im Jahr 2002 jedenfalls feierte Schalke-Manager Rudi Assauer den Pokalsieg der Knappen so ausschweifend, dass der Pott eine massive Delle davon trug und gewisse Ähnlichkeiten mit dem Schiefen Turm von Pisa aufwies. Wochenlang wurde der ramponierte Cup seinerzeit im Schalker Vereinsmuseum ausgestellt, ehe Assauer ihn für 32.000 Euro reparieren ließ. Der materielle Wert des Pokals soll übrigens im sechsstelligen Bereich liegen.

10. Gefräßig

Dass Gerd Müller die meisten Tore in der Geschichte des DFB-Pokals erzielt hat, dürfte niemanden verwundern: 78-mal schlug der „Bomber“ zu, 32-mal häufiger als der Zweitplatzierte Dieter Müller. Die meisten Tore in einem Spiel gelangen aber einem anderen: Carsten Jancker (!), seines Zeichens trotz null Saisontoren 2001/02 als Stürmer in den deutschen WM-Kader für Japan/Südkorea berufen, traf 2004 im Dress des 1. FC Kaiserslautern beim 15:0 gegen den mecklenburgischen Amateurklub FC Schönerg 95 fünfmal ins Schwarze.

Den Rekordspieler des DFB-Pokals dürften nur die Älteren kennen: Willi Neuberger (Eintracht Frankfurt, SV Werder Bremen, Borussia Dortmund, Wuppertaler SV) lief 67-mal im Pokal auf. Er teilt sich den Rekord mit der HSV-Legende Manni Kaltz.

Rekordpokalsieger als Spieler ist – wie sollte es anders sein – der „gefräßige“ Oliver Kahn, der den Cup mit dem FC Bayern sechsmal gewann. Kahn ist mit acht deutschen Meisterschaften übrigens auch der fleißigste Schalensammler im Land. Seine Verfolger sind ebenfalls Bayern-Spieler: Mehmet Scholl, Bixente Lizarazu und Bastian Schweinsteiger gewannen den Pokal insgesamt fünfmal. Der noch aktive Schweinsteiger könnte bereits in diesem Jahr theoretisch gleichziehen.

Stand: 27.2.2013

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