«

»

Mrz
12

13 Monate Sportdirektor Volker Finke – Eine Bilanz (Teil 1)

Dass es beim 1.FC Köln immer wieder zu Zwistigkeiten rund um die Person von Sportdirektor Volker Finke kam, ist keine Neuigkeit. Seine Entlassung mitten in der heißen Phase der Saison, in der es für den Verein um nicht weniger als den Klassenerhalt geht, kam dennoch überraschend. 13 ereignisreiche Monate war Volker Finke im Amt. Doch wie war er denn nun, der Trainer als Sportdirektor? Eine Bilanz.

Der erste Eindruck

Mit der Verpflichtung von Volker Finke als Sportdirektor hat der 1.FC Köln im Januar 2011 alle überrascht. Anstatt einen „üblichen Verdächtigen“ à la Dietmar Beiersdorfer oder Andreas Müller zu installieren, holte der FC den 62-jährigen „Konzepttrainer“ Volker Finke. Der hatte sich in 16 Jahren als „Alleinherrscher“ in Freiburg einen Namen gemacht als Vordenker, als Mann mit Ideen und einer Philosophie, mit der er – gemessen an den Möglichkeiten im Breisgau – oft das Maximum herausholte. Finke galt allerdings auch als störrischer, schwieriger Charakter. Ein Fakt, der aufgrund des geringen Medienaufkommens beim SCF weitgehend verborgen blieb.

Finkes Transfers

Als Volker Finke seinen Job am 1.2.2011 antrat, waren die personellen Weichen für die Rückrunde bereits gestellt: Die Transfers von Michael Rensing, Slawomir Peszko und Christian Eichner wurden noch vom geschassten Manager Michael Meier eingeleitet und unter dem Kommando von Geschäftsführer Claus Horstmann eingetütet. Einzig Winterzugang Nummer vier, Tomoaki Makino, war ein Finke-Mann. Dass der Japaner letztlich nicht einschlug und mittlerweile zwecks „Werterhaltung“ (häufig verwendeter Finke-Ausdruck) wieder in der Heimat spielt, sollte man dem Japan-Kenner Finke nicht als Flop anlasten: Makino war einer der besten Spieler der J-League und zudem ablösefrei zu bekommen. Hätte sich Finke diesen Mann durch die Lappen gehen lassen, und Makino wäre bei einem anderen Bundesligisten eingeschlagen, hätten ihn die lokalen Medien zerrissen.

Im Sommer erfolgte der große Umbruch im Kader. Für Finke ging es einerseits darum, Altlasten der Ära Meier loszuwerden. Akteure mit geringen Chancen auf Spielanteile wurden zwecks „Werterhaltung“ (da ist es wieder, das Wort) verliehen. Ein Plan, der in vielen Fällen aufging: Reinhold Yabo (Alemannia Aachen), Ben Basala-Mazana (SV Ried) oder Taner Yalcin (Istanbul BB) kamen bzw. kommen bei ihren Clubs regelmäßig zum Einsatz und könnten bei einer Rückkehr im Sommer 2012 bessere Karten haben. Vor allem aber versuchte Finke, Akteure ohne kurz- und mittelfristige Perspektive zu verkaufen. Das klappte allerdings nur in den seltensten Fällen. Meist musste der Sportdirektor die 1B-Lösung eines Leihgeschäfts wahrnehmen, wie in den Fällen von Simon Terodde, Stephan Salger, Jose Pierre Vunguidica, Kostas Giannoulis (mittlerweile griechischer A-Nationalspieler), Christopher Schorch oder Thomas Kessler. Hinzu kamen mehr oder weniger einkalkulierte Verkäufe, unter denen die Trennung von Stammverteidiger Youssef Mohamad hervorstach.

Im Gegenzug sollte die Mannschaft gezielt verstärkt werden. „Königstransfer“ war Sascha Riether, Finkes Zögling aus gemeinsamen Freiburger Zeiten. Der zweimalige Nationalspieler spielt eine solide, wenn auch etwas dezente Runde. Für den Raten-Kauf von Leihspieler Mato Jajalo wurde Finke gefeiert. Der junge Kroate ist aber seit Monaten im Tief, ruft sein unbestritten vorhandenes Talent nicht mehr ab. Das ist jedoch nicht Finkes Schuld. Bei der Leihe von Ammar Jemal hatte der Afrika-Kenner Finke ein gutes Näschen. Der Tunesier wäre unbestritten eine Stütze im Team – wenn er weniger verletzungsanfällig wäre. Auch die Leihe von Henrique Sereno war ein guter Deal. Die größte Überraschung ist aber der junge Albaner Odise Roshi, der mittlerweile zu den ersten 14 Spielern im Kader zählt. Die Schwankungen in seinen Leistungen sind seiner Jugend und Unerfahrenheit geschuldet. Alles in allem hat Finke hier also einen guten Job gemacht.

Die Wintertransferperiode erhitzte jedoch die Gemüter und vertiefte den Graben zwischen Trainer Solbakken und Sportdirektor Finke: Die Leihe von Adam Matuschyk nach Düsseldorf wurde von Unstimmigkeiten begleitet (Solbakken wollte ihn halten, Finke loswerden). Umgekehrt lief das Spiel bei Sebastian Freis, der beim Trainer keinerlei Standing hatte, in Freiburg aber mittlerweile Stammspieler ist. Letztlich hängt sich aber alles an der Verpflichtung von Chong Tese auf. Der Nordkoreaner war alles, nur nicht der vom Trainer geforderte fertige Stürmer, der das Team verstärkt. Finke bekam für diesen Transfer auf die Mütze, musste sich jedoch den Gesetzen des Marktes und dem kleinen Festgeldkonto des Vereins beugen. Dementsprechend ist Tese nicht mehr als ein Kompromiss, mit dem der Trainer nun leben muss. Aber der vom Boulevard immer wieder angekündigte „Kracher“ à la Patrick Helmes war im Winter nicht möglich. Erst mit den zu erwartenden „Podolski-Millionen“ scheint eine Personalie dieser Größenordnung realisierbar. Womit wir beim nächsten großen Thema wären…

Morgen im zweiten Teil:
• Volker Finke und Lukas Podolski
• Volker Finke und Frank Schaefer
• Volker Finke als FC-Trainer

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*