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Mrz
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13 Monate Sportdirektor Volker Finke – Eine Bilanz (Teil 2)

Die Entlassung von Volker Finke als Sportdirektor beim 1.FC Köln ist ein Paukenschlag. Seine Amtszeit war stark geprägt von Auseinandersetzungen. Vor allem zu FC-Ikone Lukas Podolski hatte Finke ein angespanntes Verhältnis. Hier ist Teil 2 der Bilanz der „Ära Finke.“

Volker Finke und Lukas Podolski

Seit 2003 dreht sich beim FC alles um Lukas Podolski. Selbst als das Eigengewächs zwischen 2006 und 2009 für den FC Bayern spielte, ging es eigentlich nur darum, wann der „Prinz“ endlich heimkehrt. Umso stärker war vom ersten Tag an der Fokus auf das Verhältnis des neuen Sportdirektors zur FC-Ikone gerichtet. Schließlich galt Finke in Freiburg als einer, dem jeglicher Starkult zuwider war. Beim SCF stand immer das Team im Vordergrund. Einzelne Akteure waren austauschbar. Wenn einer ging, kam ein anderer, der im Verdacht stand, die technischen und taktischen Voraussetzungen mitzubringen. Zugegeben, diese Haltung war natürlich auch aus der Not heraus geboren. Schließlich hatten die Breisgauer nicht die wirtschaftlichen Möglichkeiten, mit Angeboten aus Bremen (Cardoso, Todt) oder Dortmund (Heinrich, Kehl) zu konkurrieren. Fakt ist jedoch, dass beim SCF das Konzept über dem Einzelspieler stand. Und nicht zuletzt um ein solches Konzept auch beim FC zu realisieren, wurde Volker Finke augenscheinlich von der Clubführung um Wolfgang Overath installiert.

Die Reibungspunkte zwischen Finke und Podolski ließen nicht lange auf sich warten. Finke legte sich zwar anfangs nicht direkt mit dem Starspieler an, dafür aber mit dessen Mentor und Förderer Frank Schaefer, der kurz vor Finkes Einstand das Traineramt übernommen und Podolski mit der Kapitänsbinde ausgestattet hatte. Der blühte unter Schaefer endlich auf und rechtfertigte die Ablöse, die sich der FC seine Rückkehr 2009 hatte kosten lassen. Schaefers Demontage, an welcher der Sportdirektor nicht unbeteiligt war (zu dieser Personalie unten mehr), trieb einen ersten großen Keil zwischen Finke und Podolski. Der FC brachte die Saison schließlich unter dem Interimstrainer Volker Finke zu einem positiven Ende (auch dazu unten mehr).

Doch der Zwist ging offensichtlich weiter. Wie „Spiegel Online“ am vergangenen Sonntag berichtete, soll Lukas Podolski im Mai 2011 bei Volker Finke Verstärkungen eingefordert haben. Hierzu soll er dem Sportdirektor eine Liste mit knapp 20 Spielernamen vorgelegt haben, die dem Verein seines Erachtens weiterhelfen würden. Namen à la Maik Franz, die finanziell realisierbar gewesen wären, sollen auf diesem Zettel gestanden haben. Dass letztlich keiner dieser Akteure geholt wurde, soll Lukas Podolski tief enttäuscht haben. Immerhin hatte man (bzw. die damalige Führung um Overath und Meier) Podolski bei seiner Rückkehr versprochen, eine Mannschaft um ihn herum aufzubauen und den Kader kontinuierlich zu verstärken. In dieser Hinsicht wurde Podolski enttäuscht, was zu seinem wahrscheinlichen Abschied nach der Saison beigetragen haben dürfte. Allerdings muss man auch einräumen, dass der FC chronisch klamm ist, weswegen man nicht jeden Spieler bekommt, den man gerne hätte. Und für die leeren Kassen kann Volker Finke ebenso wenig, wie für die Versprechungen, die Overath und Co. im Jahr 2009 gemacht haben.

Der nächste Konfliktherd war die Absetzung Podolskis als Mannschaftskapitän, welche formal dem im Sommer neu installierten Trainer Stale Solbakken zugeschrieben wird. Doch auch hier hält sich das Gerücht, dass Finke die Position Podolskis als Über-Spieler zugunsten einer besseren Balance in der Mannschaft schwächen wollte. Dass sich Podolski nach seiner Absetzung mit Solbakken mehr als gut arrangiert hat, während er zu Finke zuletzt überhaupt kein Verhältnis mehr hatte, lässt auf weitere tief gehende Dissonanzen zwischen den beiden schließen.

Volker Finke und Frank Schaefer

In der kurzen Phase, in der Frank Schaefer als Trainer des 1.FC Köln firmierte (November 2010 bis April 2011), machte der FC einen Sprung nach vorne: Das Rhein-Energie-Stadion wurde endlich wieder zu einer Festung, unter Schaefer gewann der FC sieben Heimspiele in Serie und zeigte teilweise mitreißenden Fußball. In einer Phase, als die Ergebnisse noch stimmten, übte Sportdirektor Volker Finke jedoch völlig ohne Not öffentliche Kritik am Trainer. Nach dem 1:0-Sieg gegen Nürnberg etwa diktierte er den Journalisten in ihre Blöcke, dass sich die Mannschaft spielerisch zurückentwickle. Bald darauf kamen Diskussionen auf, wie es mit dem Trainer weiterginge. Schaefer hatte seit seinem Amtsantritt gebetsmühlenartig betont, vorerst nur bis zum Saisonende zu planen und über eine Vertragsverlängerung erst nach vollbrachtem Klassenerhalt zu entscheiden.

Schaefers Zögern stiftete jedoch plötzlich Unruhe. Just zu dieser Zeit gab Volker Finke ein Interview, in dem er sich „naiv“ (hüstel) äußerte. Darin deutete er an, dass möglicherweise Schaefers christlicher Glaube für sein Zweifeln und Zögern verantwortlich sei. Zitat Finke: „Dorther kommt ja offensichtlich sein Problem, den Job als Profifußball-Trainer mit seiner privaten Lebenssituation verbinden zu können.“ In der Folge nahm der mediale Druck auf den Trainer massiv zu, dessen Abgang zum Saisonende nun unumgänglich erschien. Beinahe folgerichtig erklärte Frank Schaefer am 19. April 2011 seinen Rückzug nach dem 34. Spieltag. Es folgte eine Pleite mit Ansage in Wolfsburg, nach der Schaefer mit sofortiger Wirkung seinen Hut nahm. Volker Finke, der seit seinem Amtsantritt immer wieder als „Schattentrainer“ gehandelt wurde, übernahm das Traineramt für die letzten drei Spiele. Der FC schwebte zu diesem Zeitpunkt zwar wieder in Abstiegsgefahr, stand aber noch 3 Punkte über dem Strich.

In der Personalie Frank Schaefer muss sich Volker Finke den Vorwurf gefallen lassen, kräftig am Stuhl des durchaus erfolgreichen Trainers gesägt zu haben. Wenn Finke vorhatte, an Stelle von Schaefer einen neuen Übungsleiter zu installieren, mit dem er auf einer Wellenlänge liegt, dann ist ihm das rückblickend misslungen (zum Thema „Volker Finke und Stale Solbakken“ morgen mehr).

In der Personalie Frank Schaefer muss man aber auch der lokalen Presse Doppelmoral vorwerfen. Die hat einerseits die Schlagzeilen um den gläubigen Trainer dankbar angenommen – auch und gerade die, die Finke ihnen geliefert hat. Danach verwendete sie aber genau dieses Verhalten Finkes konsequent gegen ihn und war so mitbeteiligt am Negativimage des Sportdirektors in der Öffentlichkeit.

Volker Finke als FC-Trainer

Nachdem Frank Schaefer weg war, tat Volker Finke etwas, was er bei seinem Amtsantritt noch vehement ausgeschlossen hatte: Er kehrte noch einmal auf eine Trainerbank zurück. Seine Erfolgsbilanz als „Feuerwehrmann“ gab ihm dabei Recht: 3 Spiele, 3 Siege, 6:1 Tore. Auf dem Papier ist Volker Finke mit einem Schnitt von 3,0 Punkten pro Spiel statistisch gesehen sogar der erfolgreichste Trainer der Vereinsgeschichte ;-). Doch die Ergebnisse kamen nur mit einer gehörigen Portion Dusel zu Stande. In Finkes erstem Spiel gegen Leverkusen machte Bayer das Spiel, Michael Ballack beispielsweise hatte einen 100-Prozenter auf dem Kopf, den Michael Rensing mit einer Weltklasse-Parade vereitelte. Wäre hier das 0:1 gefallen, hätte der FC den Platz mit großer Wahrscheinlichkeit als Verlierer verlassen. So aber erzielte Milivoje Novakovic bald darauf einen Doppelpack (mit gütiger Mithilfe von Bayer-Keeper René Adler). Dadurch fuhr man mit einem dicken Punktepolster zum „Abstiegsgipfel“ nach Frankfurt, wo man die Tore zum 2:0-Sieg ebenfalls zum genau richtigen Zeitpunkt erzielte – und den Klassenerhalt sicherstellte. Das 2:1 gegen Schalke am 34. Spieltag war dann nur noch Sommerfußball. Die Partie, in der es für beide Mannschaften um nichts mehr ging, hätte genauso gut andersherum ausgehen können. So aber kam der FC nach einer turbulenten Saison zumindest auf dem Papier zu einem guten Ergebnis: 44 Punkte und Platz 10 bedeuteten die beste Ausbeute seit zehn Jahren.

Volker Finke hat den FC damals gerettet, das muss man attestieren. Doch er war auch zu einem guten Teil daran beteiligt, dass man die Saison nicht mit Frank Schaefer zu Ende bringen konnte, der – so weit lehne ich mich aus dem Fenster – den Klassenerhalt ebenfalls geschafft hätte, wenn einige im Umfeld des Vereins die Füße still gehalten hätten. So hat Volker Finke jedoch ohne Not eine Baustelle (mit)geschaffen. Ein gutes Krisenmanagement sieht anders aus…

Im dritten und letzten Teil:
• Volker Finkes Konzept – was hat er bewirkt?
• Volker Finke und Stale Solbakken
• Was nun, FC?

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