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Mrz
14

13 Monate Sportdirektor Volker Finke – Eine Bilanz (Teil 3)

Die Entlassung von Volker Finke als Sportdirektor beim 1.FC Köln war ein Paukenschlag. Seine Amtszeit war geprägt von Auseinandersetzungen. Dass er gehen musste, war wohl auch seinem schlechten Image bei der Clubführung und in der Öffentlichkeit geschuldet. Den Sympathiewettbewerb gegen Trainer Stale Solbakken hat er jedenfalls haushoch verloren.

Sportdirektor Volker Finke – Was hat er bewirkt?

Die damalige FC-Führung um Wolfgang Overath und den immer noch im Amt befindlichen Geschäftsführer Claus Horstmann (seit 1999) hat Finke vor allem deswegen geholt, weil er ein komplett Außenstehender war. Finke hatte null FC-Vergangenheit, außerdem musste er die Bedeutung des Wortes „Klüngel“ vermutlich erst einmal im Wörterbuch nachschlagen. Er sollte dem FC neue Impulse geben, weg von einem von Emotionen geleiteten (Karnevals-)Verein hin zu einem professionellen „Unternehmen“ mit einer klaren, einheitlichen Philosophie.

So ging Finke denn auch vor. Gemeinsam mit Claus Horstmann, der im Zuge der „Neuausrichtung“ nicht wenige langjährige Mitarbeiter, von der Putzfrau über den Zeugwart bis hin zum Scout vor die Tür setzte, krempelte Finke allerlei um. Seine größte Baustelle war der Abbau der Altlasten, die Ex-Manager Michael Meier hinterlassen hatte: Der gebürtige Niedersachse fand bei seinem Amtsantritt einen auf 35 Mann aufgeblähten Kader mit teils hoch bezahlten Reservisten vor. Binnen eines Jahres ist es ihm gelungen, die Mannschaft zumindest quantitativ gesund zu schrumpfen – wenngleich der eine oder andere Leihspieler am 1.7. wieder auf der Matte stehen wird. Doch zumindest hat er seinem Trainer für die laufende Spielzeit einen Kader von guter Arbeitsgröße geschaffen.

Was Finke nicht gelang, war für einen Qualitätssprung der Mannschaft zu sorgen. Leistungsträger sind wenige hinzugekommen in den letzten 13 Monaten. Auch die eingesparten Gehälter der verkauften oder verliehenen Spieler schafften scheinbar nicht genug finanziellen Spielraum, um eine oder zwei echte Verstärkungen zu holen. Ein Sascha Riether alleine reicht halt nicht.

Stattdessen wird mit Lukas Podolski der mit Abstand beste Spieler den Verein aller Voraussicht nach im Sommer verlassen. Hier kann man Finke freilich kaum einen Vorwurf machen, die Diskrepanz zwischen der Klasse des Spielers und der Klasse sowie Perspektive des FC ist einfach zu groß. Anlasten kann man Finke allenfalls, dass Podolski vermutlich etwas billiger über den Ladentisch gehen wird, als es der Markt für den Spieler seiner Klasse hergibt. Für die kolportierten 13 Millionen Euro Ablöse, die sein Wechsel zu Arsenal London bringen soll (von denen nach Auszahlung der Investoren dem Verein nur rund 8 Millionen Euro bleiben), wechseln in der Premier League Jahr für Jahr unzählige Durchschnittsspieler den Arbeitgeber.

Und dann war da noch eine große Baustelle, die Finke zu bewältigen hatte. Doch die hat einen eigenen Unterpunkt verdient…

Volker Finke und Stale Solbakken

Bei der Wahl des neuen Trainers, der ab dem 1.7.2011 eine neue, ruhigere und vor allem erfolgreichere Ära beim 1.FC Köln einleiten sollte, hatte Volker Finke freie Hand. Es sollte ein Mann werden, der von außen kommt, der seine Philosophie teilt, eine natürliche Autorität besitzt und eine Mannschaft formen kann. Diesen Mann glaubte Volker Finke in Stale Solbakken gefunden zu haben. Der Norweger hatte mit dem FC Kopenhagen den dänischen Fußball fast nach Belieben dominiert und mit dem Team sogar in der Champions League gute Ergebnisse erzielt. Finke war schnell Feuer und Flamme für den Glatzkopf. Auch der Verein vertraute Finkes Gespür und kaufte Solbakken für 300.000 Euro Ablöse aus dessen Vertrag als norwegischer Nationaltrainer heraus.

Doch relativ schnell kühlte das Verhältnis des Sportdirektors zu seinem engsten Mitarbeiter ab. Herrschte in der Kapitänsfrage noch Einigkeit (Geromel statt Podolski), gingen Finke und Solbakken schon nach wenigen Monaten auf Distanz zueinander. Beide hatten ihre Gründe: Solbakken war unzufrieden mit der Kaderzusammenstellung und äußerte das auch mehrfach.

Finke auf der Gegenseite missfiel, dass Solbakken letztlich einen ganz anderen Fußball spielen ließ, als er selbst es stets getan hat. Von Kurzpassspiel und Offensivfußball konnte in der Tat auch keine Rede sein. Verurteilten die vorzeigbaren Ergebnisse in der Hinrunde den Sportdirektor aber noch zum Schweigen, holte dieser nach den ersten Pleiten der Rückrunde gleich zum Rundumschlag aus. Im Speziellen machte Finke seine Kritik an der hohen Zahl der zugelassenen Flanken fest. Ferner legte er gegenüber Journalisten stets großen Wert darauf, nicht mit der defensiven, manchmal sogar destruktiven Ausrichtung der Mannschaft in Verbindung gebracht zu werden.

Schnell zeigte sich also, dass Sportdirektor und Trainer in vielerlei Hinsicht nicht auf einer Wellenlänge waren. Der Spalt ging so tief, dass sich nicht nur im Kader, sondern auch im Verwaltungsrat und in der Geschäftsführung zwei Parteien bildeten. Mit Verwaltungsratschef Dr. Werner Wolf, Geschäftsführer Claus Horstmann und Idol Lukas Podolski brachte der Trainer die einflussreicheren Persönlichkeiten hinter sich – und sicherte so seinen Job, als es allen klar wurde, dass es nur noch ein „Entweder-Finke-Oder-Solbakken“ geben konnte.

Solbakken ist sicher nicht frei von Fehlern (gewesen). Und auch wenn ich persönlich den Norweger sehr schätze, so bietet er doch auch einige Angriffspunkte (die taktische Ausrichtung in manchen Spielen; wenig Vertrauen in Talente oder Spieler aus der zweiten Reihe), doch ihm gelang es, neben den Mächtigen im Club auch die Presse und die Fans für sich zu vereinnahmen. Im Gegensatz zu Finke, der nie Wert darauf gelegt hat, geliebt zu werden – weswegen man ihn nebenbei auch geholt hat, sollte er doch frei von Seilschaften und Emotionen Dinge verändern. Doch heute muss man bilanzieren, dass Finkes mangelndes Standing sicherlich einer seiner Fallstricke war.

Was nun, FC?

Der 1.FC Köln hat sich entschieden, dem Trainer zu folgen, der nun bis auf Weiteres die Geschicke des Vereins (mit)bestimmt. Es besteht kein Zweifel, dass Stale Solbakken der neue starke Mann am Geißbockheim ist. Im günstigen Fall führt der Wegfall unnötiger Reibungen nach dem Finke-Aus dazu, dass der FC einen Sprung nach vorn macht. Solbakken dürfte nun nicht nur bei Transferentscheidungen mehr Einfluss haben.

Ferner ist zu vermuten, dass Horstmann und Wolf einen Sportdirektor suchen werden, der zum Trainer passt. Ob das der richtige Weg ist – eigentlich sollte es umgekehrt sein – wird sich zeigen. Ein weiteres Risiko besteht: Was wird geschehen, wenn die Kölner die nächsten Spiele vergeigen und Rang 16 wieder in bedrohliche Nähe rückt? Der Trainer ist nur so stark, wie seine letzten Ergebnisse. Solbakken ist nun also auch in der Pflicht. Will er seine Vorstellungen durchbringen und seine aktuell starke Position wahren, dann muss der das Vertrauen der Geschäftsführung und des Verwaltungsrats durch gute Resultate rechtfertigen.

Guter Zeitpunkt für Trennung

Was Finkes Entlassung angeht, kann man durchaus von einem guten Zeitpunkt sprechen. Große Transfers kann der Verein in der aktuellen Phase kaum vollziehen – denn wer kann schon sagen, ob die Fans im Rhein-Energie-Stadion in der nächsten Saison Spiele gegen Bayern München oder gegen Union Berlin zu sehen bekommen?! Bis in dieser Frage Klarheit herrscht, hat der FC hoffentlich die Ämter des Präsidenten und des Sportdirektors wieder besetzt.

Welches Zeugnis kann man Volker Finke nun ausstellen? Wenn man alles abwägt, muss man seine Leistung differenziert betrachten: Volker Finke hat vieles richtig gemacht, seine Impulse waren nötig und hilfreich. Doch in einigen Situationen hat er auch unglücklich agiert. Die Schaefer-Demontage hat ihn gleich zum Start vor allem bei den Fans viel Kredit gekostet – und ohne die Fans im Rücken haben es wenige lange ausgehalten beim FC. Ich würde sagen: Gut, dass er da war. Aber ebenso gut, dass er nicht mehr da ist. Das hört sich blöd an, aber Dankbarkeit gibt es im Fußball nicht. Das weiß mit Sicherheit auch Volker Finke…

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