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Okt
02

18 Monate, 70 Millionen, 0 Erfolg – Sonderfall Felix Magath

Es ist beileibe nicht der erste Artikel, den ich über Felix Magath verfasse. Der Tenor ist seit Bestehen dieses Blogs im Januar 2011 unverändert: Gemessen am finanziellen Aufwand und seiner Handlungsfreiheit holt Felix Magath aus dem VfL Wolfsburg viel zu wenig heraus. Andere Trainer bzw. Manager mit seiner Bilanz wären schon längst ihren Job los. Wie lange hält Magaths Bonus bei Geldgeber Volkswagen noch?

Seit Jahren hat der VfL Wolfsburg zumindest nominell eine Topmannschaft beisammen. Doch abgesehen vom Gewinn der deutschen Meisterschaft in der Saison 2008/09 hat der VW-Club regelmäßig enttäuscht. In die Saison etwa 2010/11 etwa ging man mit einem Klassekader: Spieler wie Diego, Edin Dzeko, Andrea Barzagli, Arne Friedrich oder Diego Benaglio verhießen einen Top-5-, wenn nicht gar einen Top-3-Platz. Das Trainer-Manager-Gespann Steve McClaren/Dieter Hoeneß scheiterte damals jedoch eklatant an dieser Vorgabe, das Duo führte den Verein in die Abstiegszone und musste im Februar 2011 gehen.

Unter McClarens Nachfolger, seinem ehemaligen Co-Trainer Pierre Littbarski wurde alles noch schlimmer. Im März 2011 zog der Vorstand die Notbremse, und der soeben bei Schalke 04 vor die Tür gesetzte Felix Magath gab sein Comeback in der Autostadt. Der VfL-Meistertrainer der Saison 2008/09, scheinbar immer noch mit der eingebauten Erfolgsgarantie ausgestattet, verhinderte mit drei Siegen und drei Unentschieden aus den letzten acht Spielen der Saison 2010/11 den schon sicher geglaubten Abstieg. Da war er wieder, der Startrainer, unter dem alles schnell besser werden würde. So dachte man damals jedenfalls.

Seit der Rettung 2011 nur wenig Vorzeigbares

Felix Magaths Arbeit in Wolfsburg kann und darf man erst seit dem Beginn der Saison 2011/12 bewerten. In den Wochen davor musste er mit einer Mannschaft arbeiten, die er nicht zusammengestellt hatte. Es ging einzig und allein darum, den Abstieg abzuwenden. Danach konnte er wieder in bekannter Manier an „seiner“ Truppe basteln. Das bedeutet: Viel Geld in die Hand nehmen, viele Neue holen, viele Alte aussortieren und ein Klima von Angst und Schrecken schaffen.

Mittlerweile dauert Felix Magaths zweite Amtszeit in Wolfsburg bereits mehr als 18 Monaten. Der Trainer und Manager in Personalunion hat in dieser Zeit 70 Millionen Euro für 26 Neue ausgeben dürfen. Im gleichen Zeitraum brachte er 25 Akteure dauerhaft oder zumindest temporär für insgesamt 32 Millionen Euro Ablöse bzw. Leihgebühr bei anderen Vereinen unter. So weit, so ok – wenn denn die sportliche Bilanz stimmen würde.

Tut sie aber nicht. Der „Wölfe“-Kader 2012/13 ist mit 35 Spielern fast schon gewohnheitsmäßig der größte der Liga. Bereits aussortierte Akteure, für die sich kein Abnehmer fand, sind mittlerweile wieder Kandidaten für die erste Elf (Simon Kjaer) oder gar Stammspieler (Thomas Kahlenberg). Ihr Comeback haben sie kaum dem Fakt zu verdanken, dass Felix Magath sein Vertrauen in sie wiederentdeckt hat, als vielmehr dem Umstand, dass die meisten Neueinkäufe des einstigen Meistertrainers nicht eingeschlagen haben.

Sportliche Bilanz eines Underdogs

Deutlich wird das beim Blick auf die nackten Zahlen der letzen 18 Monate: Im Pokalwettbewerb 2011/12 setzte es ein Erstrunden-Aus bei Viertligist RB Leipzig, in der Bundesliga sprang zwar am Ende Platz acht heraus, doch die negative Bilanz von 13 Siegen, 5 Unentschieden und 16 Niederlagen lässt schon erahnen, dass der einstellige Tabellenplatz kein Resultat der eigenen Stärke war. Magaths Bilanz wäre ok gewesen für Vereine mit kleinen Etats à la Mainz 05, aber nicht für einen der potentesten Clubs der Liga.

In der Saison 2012/13, vor deren Beginn nicht wenige Experten die „Wölfe“ im oberen Tabellendrittel erwartet haben, läuft es noch schlechter: Dem glücklichen Auftaktsieg in Stuttgart, als man in der Schlussminute den 1:0-Siegtreffer erzielte, nachdem VfB-Spieler Vedad Ibisevic auf der Gegenseite binnen Sekunden zweimal die Chance zum Sieg ausließ, folgten zwei Remis und drei Niederlagen. Gerade einmal zwei Tore (gemeinsam mit Augsburg und Fürth die wenigsten der Liga) glückten dem VfL bislang, der mit Diego und den von Magath geholten Ivica Olic und Bas Dost über eine gleichermaßen namhafte wie teure Offensivabteilung verfügt. Auch die Abwehr um das prominente und erfahrene neue Innenverteidiger-Paar Naldo/Pogatetz brillierte bislang nur selten. Einzig dem wiedererstarkten Keeper Diego Benaglio ist es zu verdanken, dass der VfL bislang “nur“ zehn Treffer hinnehmen musste. Unter dem Strich macht das Platz 16 – ohne Frage viel zu wenig.

Jeder andere sportlich Verantwortliche, der sowohl personell als auch finanziell oder in der Menschenführung freie Hand hat, wäre vermutlich seinen Job schon zweimal losgeworden. Felix Magath nicht. Das Vertrauen des Volkswagen-Konzerns in Person von VfL-Aufsichtsratschef Francisco Garcia Sanz und VW-Vorstand Martin Winterkorn hält wohl auch deswegen immer noch an, weil Magath fast alle sportliche Kompetenz auf sich vereinigt. Die Wirtschaftsmanager haben „Quälix“ ihr Vertrauen ausgesprochen, weil dieser es bereits in seiner ersten Amtszeit von 2007 bis 2009 gerechtfertigt hatte. Dieses Mal scheint er es nicht zurückzahlen zu können. Einen Plan B scheint VW aber nicht in der Schublade zu haben. Auch das wäre kein Ruhmesblatt für den finanzstarken Verein. Es wäre aber wieder einmal ein gelungenes Beispiel dafür, dass Erfolg im Fußball nicht allein eine Frage des Geldes ist.

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