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Mai
03

2013 die Nummer 1 in Europa, 2014 in der Welt?

Der Kern der deutschen Nationalmannschaft besteht aus Spielern von Bayern München und Borussia Dortmund. Nach dem Einzug dieser beiden Mannschaften ins Finale der Champions League muss die folgende Frage erlaubt sein: Ist nach der vermeintlichen Wachablösung auf Vereinsebene in einem Jahr auch der WM-Titel Pflicht?

Spanien. Immer wieder Spanien. Rivale, Schreckgespenst, Lehrmeister. Seit 2008 galten die Iberer als nahezu unbezwingbar. Die Seleccion hat in dieser Zeit alles abgeräumt. Auf Vereinsebene gab der FC Barcelona international den Ton an, auch wenn trotz brillanten Spiels nicht immer der Sieg in der Champions League heraussprang.

Zwölf Deutsche schlagen elf Spanier

Seit den Ereignissen der letzten zwei Wochen muss man attestieren: Zumindest auf Vereinsebene hat sich der Wind gedreht. Bayern München und Borussia Dortmund mit insgesamt zwölf aktuellen deutschen Nationalspielern auf dem Platz warfen den FC Barcelona und Real Madrid mit elf spanischen Auswahlspielern aus dem Halbfinale der Champions League.

Das Ziehen unmittelbarer Schlüsse mag sich verbieten, weil bei allen vier Vereinen auch Ausländer mitmischen (bei Real nebenbei u.a. zwei Deutsche), doch der Trend nach dem Kräftemessen auf Klubebene ist eindeutig: der deutsche Pfeil zeigt nach oben, der spanische nach unten.

Drei Jahre jünger, sehr viel hungriger

Der Altersschnitt der eingesetzten Nationalspieler bestätigt diese Trends: Die Deutschen sind mit 24,7 Jahren noch extrem jung und entwicklungsfähig, die Spanier sind selbst ohne Iker Casillas (31) und Carles Puyol (35) im Schnitt exakt drei Jahre älter. Vor allem aber stehen einige der Barca-Spieler in dem überaus menschlichen Verdacht, nach einer Weltmeisterschaft, zwei Europameisterschaften und drei Champions-League-Siegen endgültig „satt“ zu sein.

Die deutschen Nationalspieler haben im Vergleich dazu in ihrer Karriere noch nichts erreicht. Der erst vor der Saison zum FC Bayern gestoßene Javi Martinez wird der einzige Akteur im Finale von Wembley sein, der schon einmal einen internationalen Titel gewonnen hat – als Reservist wurde der Spanier 2010 Weltmeister (17 Einsatzminuten) und 2012 Europameister (26 Einsatzminuten).

Selbstredend ist es zu früh, von einem Machtwechsel zu sprechen. Ein solches Urteil kann man immer erst rückblickend sprechen, wenn sich Trends über Jahre verfestigen. Dennoch scheint nicht nur die Bundesliga, sondern analog dazu auch die deutsche Nationalmannschaft derzeit im internationalen Vergleich so stark wie seit den 1970er Jahren nicht mehr. Ob diese Stärke nicht nur für den Champions-League-Titel 2013, sondern auch für den WM-Titel 2014 reicht?

Favoritencheck für Brasilien 2014

Nimmt man die Spanier einmal aus, denen man allein schon aufgrund ihrer Erfahrung ein weites Vorstoßen in Brasilien zutrauen muss, gelten insbesondere die Südamerikaner auf dem eigenen Kontinent als heiße Eisen.

Aber: Südamerikameister Uruguay muss um das Ticket an den Zuckerhut zittern, steht fünf Spieltage vor Ende der Qualifikation nicht einmal auf dem Relegationsplatz. Argentinien hat es bei aller individuellen Klasse seiner Spieler seit 1990 nicht mehr in ein WM-Halbfinale geschafft. Gastgeber Brasilien hat seit der WM 2010 zwar 22 Siege in 38 Testspielen eingefahren, die wenigen ernst zu nehmenden Tests jedoch meist verloren, u.a. 2:3 in Deutschland, 0:1 in Frankreich, 1:2 in England sowie 0:1, 1:2 und 3:4 gegen Argentinien.

In Europa zeichnet sich gerade ein Wechsel der Machtverhältnisse ab: Die jungen Belgier und die Bosnier scheinen das Potenzial für eine Überraschung zu haben, allerdings fehlt beiden Nationen die Turniererfahrung. Traditionsnationen wie Portugal, Frankreich oder England tun sich in der Qualifikation bislang schwer, die verjüngten Niederländer werden den Sprung nach Brasilien ebenso schaffen wie die routinierten Italiener. Doch als größter europäischer Favorit muss derzeit Deutschland gelten – wenn Mannschaft und Trainerstab aus den Fehlern der EM 2012 lernen.

Deutsche Stolperfallen für 2014

Letztlich ist eine Welt- oder Europameisterschaft immer eine besondere Situation. Alles muss passen, um den großen Erfolg zu schaffen. 2010 fehlte es nicht an Zusammenhalt, dafür aber an Erfahrung und Kaltschnäuzigkeit im entscheiden Moment. 2012 war die Mannschaft reifer und in der Breite stärker besetzt, allerdings ließ hier der Trainer das richtige Händchen vermissen, und in der Mannschaft konnte sich nicht der Teamspirit der WM von Südafrika entwickeln.

Inwiefern dieser Umstand dem gewachsenen Potenzial der zweiten Reihe geschuldet war, die im Polen und der Ukraine kaum zum Einsatz kam (u.a. Reus, Götze), lässt sich nicht beantworten. Ein Gefahrenherd ist in jedem Fall, dass sich die Rivalität zwischen den Bayern und den Dortmundern nach dem Champions-League-Finale von Wembley weiter zuspitzen und das Klima im Nationalteam beeinträchtigen könnte. Bis 2006 konnten die Spanier davon ein Lied singen. Erst als die Real- und Barca-Stars ihre Animositäten für die Dauer des Turniers auf Eis legten, kam der Erfolg.

Last but not least ein statistisches Warnsignal: 1997 räumte Deutschland auf Klubebene durch den Dortmunder Sieg in der Champions-League und den Schalker Triumph im UEFA-Cup alles ab, bei der Weltmeisterschaft ein Jahr später bot die deutsche Mannschaft aber ihre schlechteste Turnierleistung nach dem Zweiten Weltkrieg und schied bereits im Viertelfinale aus.

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