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Okt
07

27 Schuss, ein Tor, die Bayern! – Über die Lage der Bundesliga

Die vier deutschen Siege unter der Woche in der Champions League waren Wasser auf die Mühlen derjenigen, die in der Bundesliga die ausgeglichenste Liga der Welt sehen. Diese Einschätzung scheint sich durch das 1:1 zwischen Leverkusen und Bayern sowie das 2:0 zwischen Gladbach und Dortmund bestätigt zu haben. Tatsächlich ist in dieser Liga aber gar nichts ausgeglichen.

Der 8. Bundesliga-Spieltag wird als ein überaus paradoxer Spieltag in die Annalen der Liga eingehen. Da spielten die deutschen Aushängeschilder Bayern München und Borussia Dortmund ihre als gutklassig eingestuften Gegner Bayer Leverkusen bzw. Borussia Mönchengladbach über weite Strecken an die Wand, standen am Ende aber beide mit einem unbefriedigenden Ergebnis da.

Klare Unterlegenheit der „dritten Kraft“

Das Verhältnis von 27:5 Torschüssen zugunsten des FC Bayern bei der als dritte deutsche Kraft geltenden Mannschaft von Bayer Leverkusen hat trotz des 1:1-Endstands vor allem eines gezeigt: Die Bundesliga ist keineswegs ausgeglichen. Auch wenn Leverkusen am Ende einen Punkt mitgenommen hat und in der Tabelle nur einen Zähler hinter den Münchnern rangiert, war die Guardiola-Elf um mindestens eine Klasse besser als die Elf von Sami Hyypiä.

Im Basketball oder Handball hätte ein solcher Leistungsunterschied unweigerlich zu einem deutlichen Sieg geführt. Allein das nicht zu erklärende Abschlusspech, eine herausragende Torhüterleistung beim Gegner sowie der nie zu unterschätzende Faktor des Timings haben Leverkusen den Zähler gerettet. Wer weiß, wie das Spiel ausgegangen wäre, hätte Sidney Sam die Führung der Bayern nach einer halben Stunde nicht postwendend ausgeglichen? Glaubt man Thomas Müller, der selbst Anteil an der Punkteteilung hatte, weil er einen Kopfball aus fünf Metern über das leere Tor setzte, hätte es dann wohl „ein 4:1, 5:1 oder 6:1“ gegeben.

Auch Leverkusens Trainer Sami Hyypiä räumte nach dem Spiel bei „Sky“ ohne Umschweife ein, dass gegen diesem Gegner mit sehr viel Glück das Maximum erreicht wurde: „Wir haben das Spiel der Bayern in Manchester gesehen und uns gedacht, dass wir nur was holen können, wenn wir gut verteidigen. Uns war klar, dass wir nicht so viele offensive Aktionen haben. So wie Bayern gespielt hat, hätte das Ergebnis auch anders ausgehen können.“

Dortmund erlebt das Worst-Case-Szenario

Noch etwas krasser verlief die Partie von Borussia Dortmund bei der heimstarken und von vielen Experten als klarer Europacup-Kandidat eingestuften Borussia aus Mönchengladbach. Auch der BVB dominierte über weite Strecken nach Belieben, hatte am Ende mit 27:6 Torschüssen eine nur unwesentlich schlechtere Bilanz als der Konkurrent von der Isar – stand nach dem 0:2 durch die späten Tore von Max Kruse per Foulelfmeter und Raffael aber sogar mit gänzlich leeren Händen da.

Dem siegreichen Trainer Lucien Favre war dieser Erfolg nach der Partie fast peinlich: „Wenn du 2:0 zu Hause gegen Dortmund gewinnst, dann ist das schon etwas. Aber nach der ersten Halbzeit ist es fast ein Wunder. Es war schlecht von uns. Wir haben geschlafen, keinen Fußball gespielt, Dortmund hat top gepresst. Man hat unsere Schwäche gesehen.“

„Deutsche Verhältnisse“: Zwei und lange nichts

Die beiden Spiele waren zwar ein Beleg dafür, dass in der Bundesliga auch dem Top-Duo an einem einzigen Tag der Zahn gezogen werden kann. Doch diese Tage dürften in der Zukunft immer seltener werden. Bilanziert man nüchtern, verliert die Bundesliga nämlich schrittweise ihre Ausgeglichenheit. Der 8. Spieltag dürfte nur eine seltene Ausnahme gewesen sein.

Diese Bayern und diese Dortmunder werden am Ende der Saison auf den Plätzen eins und zwei einlaufen, wobei der genaue Zieleinlauf trotz der sich immer besser einspielenden Münchner noch offen scheint. Denn eines ist klar: Wer so viel fußballerisches Potenzial besitzt wie die Roten und die Schwarz-Gelben, der ist in Deutschland nicht zu stoppen. (Irgendwie ist man immer versucht, an dieser Stelle „auf Jahre hinaus unschlagbar“ zu sagen. Aber damit ist ja selbst Franz Beckenbauer schlecht gefahren).

Fußball ist zwar ein Ergebnissport, bei dem am Ende nur die Tore das Alleinseligmachende sind, doch die werden bei beiden Teams zwangsläufig wieder fallen. Und dann werden die Diskussionen um die spanischen Verhältnisse wieder losgehen. Wobei man sagen muss: In der Primera Division scheint sich mit Atletico Madrid eine dritte Mannschaft ernsthaft im Kampf um die nationale Krone eingeklinkt zu haben. Davon sind wir in Deutschland weit entfernt. Auch die Tabelle wird dies bald abbilden.

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