«

»

Feb
03

32 Millionen für André Schürrle – Kracher oder Eigentor?

Montagnachmittag, 17:30 Uhr: Die 18 Vereine der Fußball-Bundesliga haben zusammen 30,4 Millionen Euro an Ablösesummen für ihre Wintertransfers gezahlt. Montagabend, kurz vor 18 Uhr: Der VfL Wolfsburg kauft André Schürrle für 32 Millionen Euro und verdoppelt diesen Wert einfach mal so. Die „Wölfe“ und Geldgeber Volkswagen stoßen damit in Dimensionen der englischen Premier League vor. Ist das nun angemessen, zeitgemäß oder irre?

André Schürrle ist 24 Jahre jung, Weltmeister, ein pfeilschneller und abschlussstarker Flügelstürmer. Seit Montag ist er auch der fünfteuerste Transfer der Bundesliga-Geschichte und der teuerste Wintereinkauf überhaupt. Spötter rechneten bereits aus, wie viele Karossen Gönner Volkswagen verkaufen muss, um Schürrles Ablöse und sein Gehalt über dreieinhalb Jahre zu refinanzieren (es sind einige tausend). Doch auch bei aller Seriosität muss man festhalten, dass der VfL Wolfsburg sich einen der teuersten Edelreservisten der Welt gegönnt hat.

Bei Chelsea zuletzt bestenfalls noch Joker

Bei der WM bestach Schürrle als Joker, war in dieser Rolle dreifacher Torschütze und zudem Vorbereiter des Siegtreffers im Endspiel. Doch beim FC Chelsea kam der gebürtige Ludwigshafener über diese Rolle nach dem Triumph von Rio ebenfalls nicht hinaus: 14 Einsätze in 23 Premier-League-Spielen, davon keiner über 90 Minuten, sind nicht gerade ein Empfehlungsschreiben.

Wolfsburg hat dennoch für eine Summe zugeschlagen, die satte zehn Millionen Euro über dem Einkaufspreis der Londoner aus dem Sommer 2013 liegt. Und das, obwohl die offensive Mittelfeldreihe des Bundesliga-Zweiten mit Kevin de Bruyne, Ivan Perisic, Vieirinha, Maximilian Arnold oder Daniel Caligiuri beileibe nicht schlecht bestückt ist. Derartige Summen werden sonst nur in der Premier League aufgerufen – und auch tatsächlich gezahlt.

Wolfsburg ist der erste deutsche Verein, der sich deren Diktat im Preiskampf unterworfen hat. Christian Seifert von der Deutschen Fußball Liga (DFL) dürfte dies interessiert beobachtet haben. Immerhin hatte der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung erst vor Wochenfrist seine ehrgeizigen Pläne mit der Liga vorgestellt: Noch höhere Einnahmen in der TV-Vermarktung im Inland und Ausland erzielen, die Lücke zu England und Spanien schließen und auf Jahre einer der drei Top-Wettbewerber in diesem Kampf sein. Handelt der VfL also einfach nur avantgardistisch?

Schürrle-Transfer löst Kritik in der Liga aus

In der Bundesliga kommt der Wolfsburger Einkauf jedenfalls nur bedingt gut an. „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. 32 Millionen für Schürrle – ja wo sind wir denn gelandet! Das Paket kostet bei einem Dreijahresvertrag 50 Millionen Euro. Ich kann das nachvollziehen, aber mir ist das ein bisschen unheimlich“, sagte etwa Eintracht Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen am Sonntag im Fußball-Talk „Sky 90“.

Bruchhagen ist einer der größten Kritiker der werk- und mäzen-unterstützten Klubs im deutschen Fußball. Hierzu gehören Bayer Leverkusen, 1899 Hoffenheim, RB Leipzig und nicht zuletzt der VfL Wolfsburg, der dank der VW-Millionen bereits in der Vorsaison mit Luiz Gustavo (rund 18 Millionen vom FC Bayern) und Kevin de Bruyne (22 Millionen, wie Schürrle kam er vom FC Chelsea) zwei Spieler zu horrenden Summen an Land ziehen konnte.

Für Klaus Allofs ist diese Kritik nicht nachvollziehbar. Der VfL-Manager begründete, man müsse heutzutage derartig große Verträge machen, um Top-Spieler überhaupt mehrere Jahre binden zu können – und im Falle eines Verkaufs eben auch viel Geld einnehmen zu können. Dabei vergisst er freilich, dass Vereine wie Bayern München oder auch Borussia Dortmund zwar ebenfalls Mega-Transfers stemmen, diese aber erst infolge von Einnahmen aus der Champions League tätigen. Dort war der VfL erst ein einziges Mal. Anders ausgedrückt: Ohne VW ginge in der Autostadt nichts.

Schürrle muss sich beweisen – Investition bislang nur in sein Talent

Vielleicht relativiert sich das Bohey um Schürrle bereits bald wieder. Immerhin wartet man bei dem Offensivspieler seit Jahren auf den absoluten Durchbruch. Er hat es bei allen Qualitäten weder geschafft Stammspieler in der Nationalmannschaft noch beim FC Chelsea zu werden. Und bei Bayer Leverkusen wurde allzu oft bemängelt, dass Schürrle zu selten seine Möglichkeiten ausschöpft.

Chelsea hat 2013 eher in Schürrles Talent als in sein derzeitiges Leistungsvermögen investiert. Das Gleiche tut nun Wolfsburg, wenn auch zu einem nicht unerheblichen Aufpreis. Noch höher steigen kann Schürrles Marktwert eigentlich nur, wenn er in Wolfsburg den Sprung zum tragenden Spieler vollzieht. Letztlich entscheidet er mit seinen Füßen, ob die Summe gerechtfertigt war. Doch das Risiko ist groß, dass sie es nicht war.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*