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Okt
22

Abschiedsspiel für Novakovic, Ballack durch die Hintertür

Früher war alles ganz einfach: Wer mehr als 75 Länderspiele für die deutsche A-Nationalmannschaft absolviert hat, bekam zum Karriereende vom DFB ein Abschiedsspiel geschenkt. Weil die Länderspieltermine in den letzten 20 Jahren aber immer zahlreicher geworden sind, schenkt sich der DFB mittlerweile die Abschiedsgala. So geht auch Michael Ballack, der sechs Jahre lang die schwarz-rot-goldene Kapitänsbinde trug und 98 Mal für Deutschland auflief, leer aus. Andere waren da deutlich cleverer – und können sich ihr Abschiedsspiel unter Umständen sogar noch versilbern lassen.

In besten Zeiten war Milivoje Novakovic, nach Japan verliehener 33 alter Ex-Torjäger des 1.FC Köln, unglaublich „abgewichst“ vor dem Tor. Auch bei seinen Vertragsverlängerungen war „Nova“ scheinbar ein Schlitzohr. In seinem noch bis 2014 gültigen hochdotierten Arbeitspapier beim FC hat sich der Slowene nämlich ein Abschiedsspiel zusichern lassen.

Novakovic: Am Verhandlungstisch eine Granate

Gemessen an den Kölner Leistungen in den letzten 20 Jahren, in denen keine Europapokal-Qualifikation, dafür aber fünf Abstiege in die 2. Liga zu Buche standen, war Novakovic mit seinen 82 Pflichtspieltreffern zwischen 2006 und 2012 sicherlich einer der verdienteren Spieler. Trotzdem: Das letzte Abschiedsspiel beim FC hatte es 1993 für Pierre Littbarski gegeben. Und der war nun wirklich eine FC-Legende, spielte insgesamt 14 Jahre für die „Geißböcke“, wurde 1990 Weltmeister und war jahrelang die Identifikationsfigur des FC.

Scheinbar erkennt auch die neue sportliche Führung beim 1.FC Köln, dass ein Abschiedsspiel für Novakovic übertrieben wäre. Der war jedoch nicht blöd und hat sich für den Fall, dass der Verein das Abschiedsspiel canceln möchte, eine Zahlung von 350.000 Euro zusichern lassen. So hat der FC die Wahl zwischen einem Spiel, das niemand will und einer Zahlung, die niemand tätigen möchte. Gruß an der Stelle nochmal an das Präsidium Overath und den ehemaligen Manager Michael Meier!

Selbst ist der „Capitano“

Was Michael Ballack angeht, so muss der „Capitano“ sich wohl sein eigenes Abschiedsspiel organisieren. Dabei ist es eigentlich eine Farce, wenn man bedenkt, dass der DFB bei den ehemaligen Spielführern Lothar Matthäus (2000) und Oliver Kahn (2008) ein Auge zugedrückt hat. Auch Birgit Prinz durfte 2012 ihre Karriere in einem offiziellen Abschiedsspiel des DFB beenden.

Die besten Abschiedsspiele

7. November 1978: Abschiedsspiel für Johan Cruyff zwischen Ajax Amsterdam und Bayern München. Die vor dem Spiel von den niederländischen Fans als „Nazi-Schweine“ verunglimpften und bespuckten Bayern-Spieler kannten keine Gnade und walzten Ajax mit 8:0 nieder – irgendwie Abschiedsspiel-unlike…

1. September 2000: Ein besonderes Händchen für einen spektakulären Gegner bewies Toni Polster. Im Abschiedsspiel des österreichischen Top-Stürmers der 80er und 90er spielte die ÖSV-Auswahl nicht etwa gegen Deutschland oder wenigstens gegen die Schweiz, sondern gegen den Iran (!). Immerhin gewann man mit 5:1, auch Toni durfte es nochmal „polstern“ lassen.

7. Oktober 2000: (Inoffizielles) Abschiedsspiel für das alte Wembley-Stadion in London. Deutschland bezwingt England in der WM-Qualifikation mit 1:0 durch einen 35-Meter-Freistoß von Didi Hamann, dem damit das allerletzte Tor in diesem Fußballtempel gelang. Fun Fact: Für eine Brücke, welche die Zuschauer ins 2007 fertiggestellte neue Wembley Stadion führt, suchten die Bauherren lange Zeit vergeblich nach einem treffenden Namen. In einem Internet-Voting entfielen die meisten Stimmen ausgerechnet auf Hamann. Fanden die Engländer nicht gut. Sie krempelten einfach die Regeln um und nannten die Brücke „White Horse Bridge“.

27. März 2009: Abschiedsspiel von Ansgar Brinkmann in der Bielefelder Schüco Arena. Das Spiel zwischen dem „Team Ansgar“ und den „Arminia-Allstars“ endete 6:6. Kurz vor Schluss holte sich Brinkmann noch symbolisch seine letzte Rote Karte ab.

5. Juni 2010: Abschiedsspiel für Kerstin Stegemann im Hexenkessel des Waldparkstadions in Hauenhorst. Das Spiel zwischen den Teams mit den schönen Namen „Stege & Friends“ und „Germania Oldstars“ endete 7:4.

7. Mai 2011: Ein offizielles Abschiedsspiel erhielt der alte „Tivoli“ in Aachen. Das urige Stadion mit drei reinen Stehplatztribünen, welche über Jahrzehnte die – im positivsten Sinne – asozialsten Fans im deutschen Fußball beherbergten, ging mit einem 13:1 der Alemannia-Traditionsmannschaft gegen eine Fan-Auswahl in den Ruhestand.

10. Januar 2012: Nicht meckern über den Gegner durfte die indische Stürmerlegende Baichung Bhutia (43 Tore in 107 Länderspielen): Der ehemalige Knipser von u.a. Mohun Bagan, Perak FA oder United Sikkim durfte mit einem 0:4 gegen den FC Bayern München von der Fußballbühne abtreten.

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