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Sep
16

Absolute Kreisklasse – Über das Revival des Amateurfußballs

Irgendwie erscheint es paradox: Jahrzehntelang sehnte sich unsere Gesellschaft nach der großen weiten Welt. Jetzt, wo der Planet dank Flugzeugen oder Internet tatsächlich zum sprichwörtlichen Dorf geworden ist, setzt auf einmal eine Rückbesinnung auf das Lokale ein. Der Fußball ist da keine Ausnahme.

Die „Lokalzeit“ ist die quotenstärkste Sendung im WDR, im Norden der Republik boomt „NDR regional“, in Bayern die „Abendschau“ – allesamt TV-Formate mit extrem regionalem Zuschnitt. Umfragen belegen zudem, dass die meisten Menschen Tageszeitungen wegen des Lokalteils abonnieren. Alles andere bekommt man schließlich auch über die Nachrichtensendungen im Fernsehen oder über das Internet mit. Keine Frage, Lokales liegt wieder im Trend.

Dieser Zeitgeist hat auch den Fußball erfasst, wo Webseiten wie www.fupa.net, www.fanreport.com oder www.rheinfussball.de rasant wachsen. Was sie alle verbindet: Sie widmen sich nicht dem Spitzenfußball, der bereits von den großen TV-Sendern, Tageszeitungen und Fachmedien bis in den letzten Winkel beleuchtet wird. Bei ihnen steht der unterklassige Fußball bis hinunter in die Kreisligen im Fokus. Fanreporter und Pressebeauftragte der Verein versorgen die Betreiber der Seiten mit Infos. So werden Stefan und Thommy von umme Ecke auf einmal zu kleinen Stars – und die Fans sind immer über ihre Local Heroes informiert.

Amateure zu Stars machen

Fanreport.com hat dabei die ambitionierteste Vision. Die Betreiber, die ihr Produkt in Österreich in kürzester Zeit zur Nummer drei im Sport gemacht haben, möchten nun auch im gesamten Bundesgebiet Amateure zu Stars machen. Spielberichte werden ergänzt um Vereinsnews und regelmäßige Interviews sowie Ergebnistipps ausgewählter Trainer und Experten. Im Kleinen wird eben alles so gemacht wie bei den Großen.

Dass die genannten Seiten immer weiter expandieren, lässt auf den Erfolg des Konzepts schließen. Man spricht zwar mit News zu einem Verein oder einer bestimmten Amateurliga immer nur eine sehr begrenzte Klientel an, erreicht diese aber nahezu ohne Streuverluste.

Re-Romantisierung des Spiels?

Zu Zeiten, in denen Fußballprofis für 100 Millionen Euro den Verein wechseln und in der Spitze 20 Millionen Euro im Jahr verdienen, wirkt das wie ein wohltuender, fast romantischer Trend, der das Spiel wieder näher zu seinen Ursprüngen bringt. Allein schon deswegen würde man es den Amateuren wünschen, wenn sie den Profis auf lange Sicht einen Teil der Aufmerksamkeit und auch der Zuschauer entziehen könnten.

Auf der anderen Seite war es nur eine Frage der Zeit, bis auch der Amateurfußball seine Plattform im Weltdorf erhält. Schließlich ist es eine typisch menschliche Reaktion, in die tiefsten Winkel vordringen, nachdem das, was an der Oberfläche liegt, bereits erschlossen ist. In diesem Sinne sollte man sich nicht wundern, wenn ein eigener Twitterkanal bald auch bei C-Ligisten zum Standard wird…

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