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Jan
30

Abstiegskampf in der Bundesliga – (K)eine klare Sache?!

In der Winterpause dachte man noch, dass 15 Vereine im Grunde schon für die Bundesliga-Saison 2013/14 planen können. Zu groß schien der Abstand von Platz 15 (19 Punkte) auf Hoffenheim (12 Zähler) bzw. Augsburg und Fürth (9 Punkte) zu sein. Doch die ersten beiden Rückrundenspieltage lassen ein paar Zweifel daran aufkommen, dass im Tabellenkeller schon fast alles klar ist.

Greuther Fürth: Platz 18, 9 Punkte, 11:33 Tore

Dass Greuther Fürth selbst im Kampf um den Relegationsplatz schlechte Karten hat, bezweifelt wohl niemand mehr. Der Aufsteiger hat sich in den ersten beiden Rückrundenspielen so erstligauntauglich präsentiert wie über weite Strecken der Hinrunde. Selbst die fünf Winter-Neuzugänge, die den klammen Zweitligameister der Vorsaison rund zwei Millionen Euro gekostet haben, scheinen sich nicht als sofortige Verstärkungen zu erweisen. Wenn die Fürther nicht bald das berühmte Schlüsselspiel haben, das den Verlauf einer ganzen Saison zum Kippen bringt, sind sie bald wieder da angekommen, wo sie zwischen 1997 und 2012 ununterbrochen waren: in der Zweiten Liga.

1899 Hoffenheim: Platz 17, 13 Punkte, 24:43 Tore

Das Phänomen ist tot. Vor vier Jahren gaben sich in der nordbadischen Provinz noch Kamerateams aus der ganzen Welt die Klinke in die Hand, um das „Wunder vom Dorf“ zu bestaunen. Heute taumelt das großangelegte Reißbrett-Projekt dem Abgrund entgegen. Spätestens seit Ralf Rangnick den Verein vor zwei Jahren verlassen hat, geht es mit der TSG unaufhaltsam bergab. Der „Dorfverein“ erhält nun die Rechnung für fehlende Kontinuität auf den entscheidenden Positionen und permanente Kurskorrekturen durch seinen Financier Dietmar Hopp. Die Mannschaft ist nicht homogen, teure Stars wie Tim Wiese und Eren Derdiyok demontieren sich gerade selbst. Sämtliche Personalien, die Manager Andreas Müller und Neu-Trainer Marco Kurz jetzt tätigen, haben den Anstrich der Verzweiflung. Wenn die üblichen Gesetze des Fußballs greifen, kann Hoffenheim froh sein, wenn es sich nach dem 34. Spieltag auf dem Relegationsplatz steht. Nur: Ob eine wankende TSG gegen einen euphorisierten Zweitliga-Dritten überhaupt eine Chance hätte?

FC Augsburg: Platz 16, 13 Punkte, 15:31 Tore

Es ist zwar noch sehr früh in der Rückrunde, doch der FCA hat nach zwei Spielen bereits den Relegationsplatz und damit das in der Winterpause selbst gesteckte Ziel für die zweite Halbserie erreicht. Wie schon in der Vorsaison, scheint die Mannschaft sich in der Rolle des Underdogs, den im Winter fast jeder als sicheren Absteiger einstuft, äußerst wohl zu fühlen. Der FCA spielt keinen schönen Fußball, aber er nimmt den Abstiegskampf mehr an als es viele seiner Konkurrenten. Sinnbildlich für diese Mentalität steht wohl das „Arsch“-Tor von Stürmer Sascha Mölders bei Fortuna Düsseldorf. Auch die Tatsache, dass Augsburg daheim gegen zugegebenermaßen schwache Schalker die bessere Mannschaft war, unterstreicht aus meiner Sicht, dass die Schwaben mindestens um Platz 16 ein Wörtchen mitsprechen. Wenn da nicht sogar mehr geht…

1.FC Nürnberg: Platz 15, 21 Punkte, 18:26 Tore

Als an Weihnachten der sofortige Wechsel von FCN-Trainer Dieter Hecking zum VfL Wolfsburg bekannt gegeben wurde, war mein erster Gedanke: „Das wird jetzt schwer für den Club.“ Mein zweiter war: „Ach was, die haben ein dickes Polster auf die Abstiegsplätze.“ Doch wer die Franken gegen den BVB hat spielen sehen und mitgekriegt hat, wie sich der zweite Anzug beim 0:5 im Testspiel am vergangenen Sonntag gegen Jahn Regensburg „empfohlen“ hat, muss das Schlimmste für die Rückrunde befürchten. Dass die Verantwortlichen um Neu-Trainer Michael Wiesinger und Sportdirektor Martin Bader in mittlerweile in höchster Alarmbereitschaft sind, kann man allein daran ablesen, dass man sich kurz vor dem Transferschluss entgegen vorheriger Planungen noch einmal nach Verstärkungen umschaut. Scheinbar glauben die Macher beim Club selber nur bedingt daran, dass die Mannschaft in ihrer bisherigen Zusammenstellung den Abstand nach unten nicht zu klein werden lässt. Beim FCN werden die nächsten Spiele gegen Mönchengladbach, Frankfurt und Hannover, in die man jeweils als Außenseiter geht, den Weg weisen. Mein Gefühl sagt, dass der Club in dieser Saison in Anlehnung an ein Günther-Koch-Bonmot wieder einmal zum „Depp“ werden könnte.

Fortuna Düsseldorf: Platz 14, 21 Punkte, 23:27 Tore

Auch die Rheinländer haben mit ihren ersten Vorstellungen im Jahr 2013 Zweifel geschürt. Das Polster auf die Abstiegsränge war zur Saisonhalbzeit mit neun Punkten Vorsprung komfortabel. So komfortabel, dass der eine oder andere Spieler den Abstiegskampf innerlich schon abgehakt hat? Wenn das so sein sollte, wird es schwer für den Aufsteiger, der seit drei der letzten vier Ligaspiele verloren hat und dem in Abwesenheit der etatmäßigen Innenverteidigung Langeneke/Malezas in der Defensive ein Klops nach dem anderen unterläuft. Die Fortuna wäre nicht der erste Klub der Ligageschichte, der zu Rückrundenbeginn trotz komfortablen Polsters in eine Abwärtsspirale gerät. Frankfurt vor zwei Jahren oder Köln in der Vorsaison haben es schon vorgemacht. Anders als in Nürnberg hält man bei der Fortuna bislang zu Recht noch die Füße still. Doch das kann sich schnell ändern.

Geheimtipp: Werder Bremen: Platz 12, 22 Punkte, 30:37 Tore

Der Tabellen-Dreizehnte aus Wolfsburg ist für mich eindeutig auf dem aufsteigenden Ast, doch der auf Rang zwölf liegende SV Werder schickt sich nach den Eindrücken der ersten beiden Rückrundenspiele ebenfalls an, sich und seinen Fans mehr Sorgen als nötig zu bescheren. Acht Gegentore aus diesen beiden Partien sind Liga-Minuswert. Und wenn man sieht, wie vogelwild die Werder-Abwehr gegen den BVB und den HSV phasenweise „verteidigt“ hat, muss man schon ein wenig um den SVW bangen. Hinzu kommen Undiszipliniertheiten, wie die von Marko Arnautovic in Hamburg, welche die Mannschaft unnötig schwächen und auch im Umfeld Unruhe schüren. Auch die Schlüsselspieler der Hinrunde (u.a. Hunt, Junuzovic, de Bruyne, Petersen) laufen bislang ihrer Form hinterher. Der als Top-Star verpflichtete Eljero Elia hat selbige nie erreicht. Hätte Werder nicht so ein dickes Polster, würde ich die Grün-Weißen in großer Abstiegsnot sehen. Ob sie und die Tabellennachbarn aus Düsseldorf und Nürnberg aber noch einmal in selbige geraten, hängt neben der eigenen Performance auch davon ab, ob die drei da unten noch mal Druck machen können. Im Moment scheint dazu allein der FC Augsburg in der Lage zu sein.

2 Kommentare

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  1. Stefan sagt:

    Ich sehe Hoffenheim nach den ersten Eindrücken der Rückrunde als direkten Absteiger, Fürth sowieso. Nürnberg ist ebenfalls gerade in einer gefährlichen Phase, da gebe ich dir recht. Aber ich glaube, dass das bei Augsburg nur ein zarter Auwärtstrend war, und dass die letzten 3 von jetzt auch am Saisonende die letzten 3 sein werden

  2. Heibel sagt:

    Das sehe ich ähnlich, Stefan. Das Punktepolster von Nürnberg, Düsseldorf und Bremen ist immer noch ordentlich. Mit den drei Absteigern Augsburg, Fürth und Hoffenheim könnte ich persönlich außerdem ganz gut leben ;-)

    Nichtsdestotrotz wäre es nicht das erste Mal, dass eine oder mehrere Mannschaften nach solider Hinrunde den Startschuss in die zweite Saisonhälfte verschlafen und dann im März/April den berühmten „Hebel“ nicht mehr umlegen können

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