«

»

Mrz
05

Abstiegskampf in der Bundesliga (Teil 1) – Wer verhindert den „Paradigmenwechsel“?

Fast drei Viertel der Saison sind abgelaufen, und nachdem sich Borussia Dortmund an der Tabellenspitze immer mehr absetzt, kapriziert sich die Spannung gerade vor allem auf den Abstiegskampf. Wer hat die besten Chancen auf den Klassenerhalt, und bei wem muss schon ein Wunder geschehen?

Nach dem Ende der Hinrunde nur zwei Punkte vom Relegationsplatz entfernt, hat der 1.FC Nürnberg nach 13 Punkten aus den bisherigen 7 Rückrundenspielen den Klassenerhalt so gut wie gesichert. 31 Zähler haben die Franken nunmehr auf ihrem Konto, die restlichen 5 oder 6 Punkte, um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man in den verbleibenden 10 Spielen auch noch irgendwie reinholen. Das Beispiel der Nürnberger zeigt, wie schnell es in der Bundesliga gehen kann. Eine kurze Serie, und schon hat man ein dickes Polster auf die letzten drei Ränge. Das sollte allen Mannschaften im Süden der Tablle Hoffnung machen, auch dem derzeit hilflos wirkenden Schlusslicht aus Kaiserslautern. Dennoch bleibt die Frage, wie realistisch der Befreiungsschlag bei den Pfälzern ist.

1.FC Kaiserslautern, Platz 18, 19 Punkte, 16:32 Tore

Schmale Kost wird beim FCK geboten, und zwar vorne wie hinten. 32 Gegentore nach 24 Spielen bedeuten einen guten Schnitt, nur fünf Mannschaften haben weniger zugelassen. Das Problem ist aber der Angriff mit gerade einmal erzielten 16 Toren. Wie vor der Saison von vielen befürchtet, fehlt nach dem Abgang von Srdjan Lakic der „Killer“.

Sieben(!) Angreifer hat der FCK in der Sommer- bzw. Wintertransferperiode geholt, doch entweder waren die Neuzugänge erstligaunerfahren (Kouémaha, Schechter, Swiercok, Derstroff) oder haben ihre Erstligatauglichkeit auf ihren bisherigen Stationen nicht nachgewiesen (Wagner, Jörgensen, Sukuta-Pasu) – weswegen sie nebenbei bemerkt überhaupt erst in der Pfalz gelandet sind.

Dabei ist das Spiel der Pfälzer gar nicht einmal unattraktiv anzusehen. Der Sensationsmeister von 1998 zeigt aber das typischste aller Symptome für einen sicheren Absteiger: Es fehlt das Glück vor dem Tor. Während die Bälle bei Spitzenmannschaften aus den unmöglichsten Positionen reingehen, hat man beim FCK derzeit den Eindruck, dass auch ein Elfmeter auf das leere Tor zum Problem werden könnte.

Prognose: Es bleiben zwar noch 10 Spiele, doch in diesen Partien geht es u.a. gegen fünf Teams, die um die Meisterschaft oder Europacup-Qualifikation spielen. Das macht das Unterfangen Klassenerhalt nicht leichter. Hinzu kommt die Hypothek der schlechtesten Ausgangsposition. Vier Siege sollten es mindestens werden, um realistische Chancen auf Platz 15 – oder zumindest auf den Relegationsplatz 16 – zu haben. Das erscheint aktuell unmöglich. Der FCK schafft den direkten Klassenerhalt zu 10 Prozent.

SC Freiburg, Platz 17, 21 Punkte, 30:52 Tore

In der Winterpause sprach noch alles gegen den SC Freiburg: Schlechteste Punkteausbeute aller Bundesligisten, Rausschmiss von vier Spielern, Entlassung von Trainer Markus Sorg, schließlich der Verkauf der vermeintlichen „Lebensversicherung“ Papiss Demba Cisseé. Sorg-Nachfolger Christian Streich hat es jedoch geschafft, mit den geringen Mitteln und einer umgekrempelten Truppe aus Billig-Transfers (Freis, Lumb, Guédé, Santini, Diagné) sowie Kräften aus dem eigenen Nachwuchs (Schmid, Sorg, Höhn, Ginter) respektable 8 Punkte in der Rückrunde einzufahren.

Prognose: Die Mannschaft zerreißt sich und bietet selbst auf dem Papier deutlich überlegenen Gegnern wie Schalke Paroli. Punktet der SCF so weiter, sollte man zumindest bis zum Schluss Chancen auf den Klassenerhalt haben. Noch vier Mal geht es gegen direkte Konkurrenten, von den Großen kommen nur noch Leverkusen, Gladbach und Dortmund. Der BVB steht allerdings erst am letzten Spieltag auf dem Programm. Sollten die Schwarz-Gelben ihren Titel bis dahin verteidigt haben, könnte der SCF auch hier was holen. Freiburg schafft den direkten Klassenerhalt zu 40 Prozent.

FC Augsburg, Platz 16, 22 Punkte, 25:39 Tore

Der Abstiegskandidat Nummer eins hält sich nach wie vor wacker. Der FCA gewinnt zwar nicht viele Spiele (vier Siege, weniger hat nur Kaiserslautern), ist aber unangenehm zu bespielen und schwer zu schlagen. Das Team der Namenlosen hat zwar keinen echten Star zu Tage gefördert, doch gerade diese Geschlossenheit macht die Stärke des FCA aus.

Prognose: 7 Punkte aus 7 Rückrundenspielen sind ok, ein bisschen mehr als ein Punkt pro Spiel sollten die Schwaben aber schon holen, um sicher drin zu bleiben. Das Restprogramm hat es durchaus in sich: Der FCA hat noch die Top 6 der Liga vor der Brust. Für den Klassenerhalt braucht es also Überraschungen. Deswegen räume ich dem FCA nur eine Chance von 30 Prozent auf den direkten Klassenerhalt ein.

Hertha BSC Berlin, Platz 15, 23 Punkte, 26:40 Tore

Nach dem Fehlstart beim FC Augsburg (0:3 am 23. Spieltag), hat Trainer-Guru Otto Rehhagel in seinem zweiten Spiel als Hertha-Coach das geschafft, was zu befürchten war: Er hat seine Mannschaft zu einem unspektakulären 1:0-Sieg gegen Bremen geführt. So ist der selbstgefällige ehemalige „König von Bremen und Griechenland“ halt: humorlos ergebnisorientiert, und in dieser Beziehung schonungslos effektiv. Läuft alles normal, wird er mit den Berlinern in den verbleibenden zehn Partien die nötigen 10 bis 12 Punkte für den direkten Klassenerhalt holen – vermutlich mit einem Torverhältnis von 5:5…

Prognose: Fünf „Sechs-Punkte-Spiele“ erwarten die Hauptstädter bis Saisonende. Das sind genau die Duelle, die Otto Rehhagel liebt. Champagner-Fußball wird man dort kaum bestaunen können, aber vermutlich den einen oder anderen Zähler für die Hertha. Das sollte reichen für ein weiteres Jahr in Liga eins. Hertha schafft den direkten Klassenerhalt zu 80 Prozent.

Im zweiten Teil: 1.FC Köln, Hamburger SV, FSV Mainz 05, VfL Wolfsburg

8 Kommentare

Derzeit kein Ping

  1. Lancelot Maloisel sagt:

    Ich habe Grundfach Fußball unter Christian Streich gehabt. So wie der uns Beine gemacht hat in einem völlig unbedeutenden Nachmittagskurs… Pure Fußballleidenschaft. Das Beste was Freiburg hätte passieren können. Und dann holt er die Jungs mit denen er deutscher A-Jugendmeister (mit Freiburg!) und A-Jugendpokalsieger geworden ist. Fantastisch. Und die geben alles für ihn, wie die Jahre vorher auch.

    Ich hätte nur nicht gedacht, dass er sich so unter Kontrolle haben kann. Ich dachte der würde alle zwei Spiele auf die Tribüne müssen. Besonders schön wie er sich vor den Spielen immer mit den Spielern aufwärmt. Er weiß, dass er sich ohne Aufwärmen bei seinem Temperament eine Zerrung holen würde… Und schön auch der stiere Blick, wenn er am liebsten gleich explodieren möchte…und dann: dazu sag i jetzt nix…

    Zur Winterpause habe ich noch gejubelt: Hertha holt Skibbe. -> Freiburg wird 15. vor Lautern, Hertha, Augsburg. Zwischendurch hatte ich auch noch auf den 1. FC Köln gehofft. Aber der Prinz ist zu gut. (Freu ich mich auf dieses Arsenal-Trikot…)
    Meine Prognose: Freiburg wird 16. und steigt leider in der Relegation ab.

  2. Lancelot Maloisel sagt:

    oder auch schön beschrieben: http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,821837,00.html

  3. Lancelot Maloisel sagt:

    Er wohnt 950 Meter vom Stadion entfernt. Es ist tatsächlich die schnellste Möglichkeit dorthin zu kommen…
    http://a8.sphotos.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-ash4/432214_325149000868845_171700106213736_1010131_150475812_n.jpg

  4. Heibel sagt:

    Mit dem Fahrrad zur Arbeit… Der Herr Streich passt wirklich nach Freiburg ;-)

  5. Jens Hoffmann sagt:

    Shalalalalalalala
    Lautern, HSV, Bayern, Schalke, Leverkusen -> 13 Punkte
    Alter ist das geil….
    Ob’s reicht, weiß man noch nicht, aber geil ist es

  6. Heibel sagt:

    Hab irgendwie geahnt, dass von dir ein Kommentar kommt… Mein Verein geht den Rhein runter, und die Abstiegskandidaten aus Freiburg und Augsburg verblüffen alle und retten sich womöglich. Der Trend spricht auf jeden Fall für beide. Lautern ist jetzt wohl weg, beim FC würde ich im Moment die Relegation nehmen. Abwarten, was Hertha noch macht… Aber nach wie vor stecken alle ab Platz 10 im Abstiegskampf! Und vorne wirds auch wieder eng… Den 11.4. schon mal vormerken: BVB – FCB

  7. Lancelot Maloisel sagt:

    WIr haben noch: Nürnberg, Hertha und Köln.
    Aus den Spielen noch 5 Punkte. Am besten gegen Hertha 3. Dann wären es mit dem besseren Torverhältnis 9 Punkte auf Hertha und 4 auf Köln. Das könnte klappen. Am Ende wird in Dortmund (34) und Hannover (32) jedenfalls nichts zu holen sein. Wobei wir hatten schon positive Ausrutscher gegen Hoffenheim. Noch ändere ich meine Prognose 16. nicht, aber vielleicht schon nächste Woche.
    Mit dem FC, puh… da kann man nicht erkennen, wer es reißen soll. Aber falls sie in die Relegation gehen, holt der Lukas die da wieder raus. Das glaube ich schon.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*