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Apr
03

Abstiegskampf ist die neue Meisterschaft – Wen erwischt es?

Die Meisterschaft ist so früh entschieden wie nie zuvor, das „Gerangel“ um die internationalen Plätze ist so blutleer wie nie. Nach 28 Spieltagen in der Bundesliga-Saison 2013/14 ist der Abstiegskampf mit Abstand am interessantesten. Wen wird es erwischen?

Eintracht Braunschweig (Platz 18, 22 Punkte, 25:50 Tore)

Vor der Saison abgeschrieben, zwischenzeitlich mehr als einmal abgeschrieben, hat Eintracht Braunschweig sechs Spieltage vor dem Saisonende nur zwei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Selbst das rettende Ufer ist nur vier Zähler entfernt und damit immer noch in Reichweite.

Die Niedersachsen sind mittlerweile schwer zu packen, haben nur eins der letzten sechs Spiele verloren (1:3 gegen Schalke am 22. März). Kaum eine Mannschaft im Keller spielt derzeit so konstant. Hinzu kommt der quasi nicht vorhandene Druck, die Klasse zu halten.

Restprogramm: Hannover (H), Freiburg (A), Bayern (H), Hertha (A), Augsburg (H), Hoffenheim (A)

Einordnung: Braunschweig geht mit Rückenwind ins Derby gegen 96, kann den Erzrivalen durch einen Sieg unten reinziehen. Freiburg in der Woche darauf wird ein weiteres Sechs-Punkte-Spiel. Nach der einzukalkulierenden Niederlage gegen Bayern München warten zum Abschluss drei Gegner, für die weder nach oben noch nach unten etwas gehen dürfte.

Prognose: Braunschweig macht es den „Großen“ im Keller noch einmal richtig schwer. Die Relegation ist auf jeden Fall noch drin.

Hamburger SV (Platz 17, 24 Punkte, 43:59 Tore)

Man könnte sämtliche Negativrekorde des HSV aus der laufenden Saison wiederaufrollen oder erneut das Bild des vom Aussterben bedrohten Dino zeichnen – alles schon dagewesen. Nachdem mit Mirko Slomka bereits der dritte Trainer der Saison im Amt ist, zählt nur noch eins: Um jeden Ball kämpfen und gucken, was am Ende herauskommt. Das Positivste ist noch, dass es trotz bereits 16 Niederlagen nur zwei Punkte zu Platz 15 sind.

Hamburgs Problem: Die Hoffnung hängt im Grunde nur an Trainer Slomka, am 20-jährigen Mittelfeldspieler Hakan Calhanoglu und am derzeit mal wieder verletzten 22-jährigen Stürmer Pierre-Michel Lasogga. Das ist wenig für einen Verein, der vor Tradition und Nationalspielern nur so strotzt.

Restprogramm: Leverkusen (H), Hannover (A), Wolfsburg (H), Augsburg (A), Bayern (H), Mainz (A)

Einordnung: Das Restprogramm liest sich happig. Gegen Bayern sollte man keine Punkte einplanen. Leverkusen und Wolfsburg brauchen Siege für die Champions League, wobei Bayer ebenfalls angeschlagen ist – für den HSV die Chance zur Trendwende. Slomkas Rückkehr nach Hannover, wo er jede Schwäche kennt, bietet eine weitere Chance. Mainz könnte am letzten Spieltag noch um die Europa League kämpfen. Um mit Überzeugung in die letzten Spiele zu gehen, braucht der HSV eigentlich mindestens vier Punkte aus den nächsten beiden Partien gegen Bayer und 96.

Prognose: Man sollte einen Verein nie zu früh abschreiben, aber wenn der HSV nicht in den nächsten beiden Spielen den Befreiungsschlag schafft, droht tatsächlich der erste Abstieg. Auch wenn der Spott nach wie vor keine Grenzen kennt: Hamburger Montagsspiele in der kommenden Saison würden wohl nur Pauli-Fans und den TV-Sender „Sport 1“ freuen.

VfB Stuttgart (Platz 16, 24 Punkte, 42:57 Tore)

Es gab mal Zeiten, in denen der VfB Stuttgart verlässlich zu den drei besten Rückrundenmannschaften gehörte. So wurde 2009 nach durchwachsener Hinrunde noch die Champions League erreicht, 2010 und 2012 die Europa League – vorbei. Mit Europapokal-Ambitionen in die Saison gestartet, zählt mittlerweile allein das Überleben. Aus dieser Konstellation heraus sind in der Liga-Historie schon einige Vereine abgestiegen.

Ähnlich wie beim HSV ist der Effekt des Trainerwechsels vom kommunikativen Thomas Schneider zum autoritären Huub Stevens schon wieder verpufft. Spiele wie das 2:3 gegen Dortmund nach 2:0-Führung widerfahren in der Spätphase einer Saison eigentlich nur einem designierten Absteiger.

Restprogramm: Freiburg (H), Gladbach (A), Schalke (H), Hannover (A), Wolfsburg (H), Bayern (A)

Einordnung: Auch für den VfB gilt, dass man gegen die – mit Ausnahme des Hoffenheim-Spiels – hochkonzentrierten und gefräßigen Bayern besser nichts einplanen sollte. Die Punkte zum Klassenerhalt oder zumindest zur Relegation müssen also vorher geholt werden. Hier hat der nächste Spieltag gegen den Konkurrenten Freiburg Big-Point-Charakter. Anderweitig scheint nur Hannover ein Gegner zu sein, mit dem man auf Augenhöhe ist. Im Klartext muss die schlechteste Rückrundenmannschaft nun über sich hinauswachsen, sonst geht es nach 1975 zum zweiten Mal runter.

Prognose: Beim VfB vermisst man den Funken, um auf einen Schlag eine Explosion auszulösen. Bei „Sport 1“ kann man sich schon mal die Hände reiben. Derbys gegen den KSC und „Derbys“ gegen Heidenheim, Aalen und Sandhausen bringen sicher Quote.

1. FC Nürnberg (Platz 15, 26 Punkte, 34:52 Tore)

Gibt es den Verbeek-Effekt? Und wie sieht der aus? Durch seine Wut-Tirade nach dem Freiburg-Spiel gegen seinen (Nicht-)Kollegen Christian Streich und gegen Schiedsrichter Dr. Jochen Drees gehört dem niederländischen Club-Trainer momentan die volle Aufmerksamkeit.

Sportlich hat Nürnberg den Schwung des Rückrundenstarts verloren, fünf Niederlagen aus den letzten sechs Spielen zeichnen wieder einen deutlich negativen Trend. Aber im Vergleich zu den ambitioniert in die Saison gestarteten Stuttgartern und Hamburgern haben die Franken die geringere Fallhöhe. Noch dazu ist Angreifer Josip Drmic (22/15 Saisontore) in der Form seines zugebenermaßen noch jungen Lebens.

Restprogramm: Gladbach (H), Wolfsburg (A), Leverkusen (H), Mainz (A), Hannover (H), Schalke (A)

Einordnung: Auch einige der letzten sechs Gegner des 1. FC Nürnberg sind auf dem Papier ziemliche Kaliber. Vor allem in den nächsten drei Spielen kann der Glubb nur überraschen. Gelingt das ein- bis zweimal, stünde man vermutlich immer noch über dem Strich. Läuft alles rund, ist Schalke am 34. Spieltag schon sicher in der Champions League. Und gegen Mannschaften, für die es um nichts mehr geht, ist es am Saisonende meist am schönsten.

Prognose: Das Nürnberger Schlussprogramm ist ähnlich hart wie das der Hamburger und Stuttgarter. Allerdings hat der FCN zwei Punkte mehr auf dem Konto, die von der schwächelnden Konkurrenz erst einmal aufgeholt werden müssen. Trotzdem wird es schwer. Club-Fans sollten die Batterien ihrer Herzschrittmacher frühzeitig erneuern.

SC Freiburg (Platz 14, 29 Punkte, 33:50 Tore)

Zehn Punkte hat der SC Freiburg aus den letzten vier Spielen geholt, kein Team in der Liga war in dieser Zeit erfolgreicher. All diese Punkte stammten aus Kellerduellen (Frankfurt, Bremen, HSV, Nürnberg). Damit hat die Streich-Elf ihre Nervenstärke im Abstiegskampf unterstrichen. Der Lohn sind fünf Punkte Vorsprung auf Platz 16, ehe es in die entscheidenden Wochen. Und die Mannschaft macht den Eindruck, als würde sie auf der Zielgeraden immer besser ins Rollen kommen.

Restprogramm: Stuttgart (A), Braunschweig (H), Gladbach (H), Wolfsburg (A), Schalke (H), Hannover (A)

Einordnung: Freiburg hat mit zwei weiteren Duellen gegen Kellerkinder in den nächsten beiden Wochen quasi zwei Matchbälle zum Klassenerhalt. Danach warten drei Klubs mit Europapokal-Ambitionen, ehe es zum Abschluss zu den derzeit punktgleichen, aber formschwächeren Hannoveranern geht.

Prognose: Die im Sommer neuformierte Freiburger Mannschaft hat sich lange gesucht, mittlerweile hat sie aber eine beachtliche Geschlossenheit und sollte die Klasse sichern.

Hannover 96 (Platz 13, 29 Punkte, 36:51 Tore)

Zur Winterpause war in Hannover irgendwie alles schlecht. Also ist 96 den Mechanismen des Geschäfts gefolgt, hat Mirko Slomka (18 Punkte aus 17 Spielen) entlassen und Tayfun Korkut geholt. Unter dem Neuen war gleich alles super, zwei Siege zum Rückrundenstart gaben allen Beteiligten scheinbar Recht.

Doch trotz toller Stimmung und Zug in der Truppe hat Hannover aus den letzten neun Spielen nur noch fünf Punkte geholt. Damit hat Korkut mit 1,0 Punkten pro Spiel sogar weniger geholt als sein Vorgänger. Die Last-Minute-Niederlage gegen Bremen (1:2) hat die Niedersachsen nun wieder in den Kreis der Gefährdeten befördert. Eine Saison kann durchaus angenehmer verlaufen.

Restprogramm: Braunschweig (A), HSV (H), Frankfurt (A), Stuttgart (H), Nürnberg (A), Freiburg (H)

Einordnung: Hannover bekommt es bis zum Saisonende ausschließlich mit Gegnern zu tun, die nach dem 28. Spieltag in der unteren Tabellenhälfte stehen. Das verheißt zunächst einmal Spiele mindestens auf Augenhöhe. Allerdings ist jedes dieser Spiele im Negativfall auch ein Dolchstoß, der den Verein immer tiefer in den Keller befördern kann. Der Knaller ist dabei sicherlich das Derby am kommenden Sonntag in Braunschweig. Bei einer 96-Niederlage wäre die Eintracht auf läppische vier Punkte dran. Dann würde es im gesamten Tabellenkeller richtig lustig. Und Hannover wäre mittendrin.

Prognose: Eigentlich sollte die Rettung mit zwei Siegen aus den letzten Spielen gesichert sein. In den vergangenen beiden Spielzeiten hätten sogar 32 Punkte zu Platz 15 gereicht. Hannover holt die nötigen Zähler.

Werder Bremen (Platz 12, 32 Punkte, 33:54 Tore)

Wenn Hannover maximal zwei Siege vom sicheren Klassenerhalt entfernt ist, dann bräuchte das drei um Punkte bessere Werder logischerweise nur noch einen weiteren Dreier. Angesichts der Bremer Achterbahn-Saison ist dieser Umstand eigentlich nicht zu fassen.

Zwischen Trainer, Team und Fans passt es scheinbar, Rückschläge gehören offensichtlich zum Standard. Auch wenn man den Grün-Weißen jederzeit auch eine 0:5-Niederlage zutrauen muss, schafft es die Mannschaft immer wieder, sich zu rehabilitieren. Das reicht in diesem Jahr, um mindestens drei Vereine hinter sich zu lassen.

Restprogramm: Schalke (H), Mainz (A), Hoffenheim (H), Bayern (A), Hertha (H), Leverkusen (A)

Einordnung: Das Restprogramm hat es in sich. Umso wichtiger, dass Werder acht Punkte Polster auf den Relegationsplatz hat.

Prognose: Werder bleibt drin. Selbst wenn kein Sieg mehr gelänge, ist es kaum vorstellbar, dass vier oder mehr Vereine noch an den Grün-Weißen vorbeiziehen. Trotzdem ist nicht auszuschließen, dass Bremen bis zum Saisonende noch die Marke von 70 Gegentoren angreift.

Eintracht Frankfurt (Platz 11, 32 Punkte, 35:48 Tore)

17 Punkte hat Frankfurt seit dem Winter geholt, das sind bereits jetzt zwei mehr als in der gesamten Hinrunde. Endlich ist die Mannschaft vom großen Verletzungspech des Herbstes verschont geblieben und konnte ihr Potenzial zeigen. Im Grunde ist die Saison gelaufen für die SGE, hinter den Kulissen darf bereits an der Zukunft ohne den scheidenden Trainer Armin Veh gefeilt werden.

Restprogramm: Mainz (H), Schalke (A), Hannover (H), Hoffenheim (A), Leverkusen (H), Augsburg (A)

Einordnung: Mittelschweres Programm zum Saisonende hin. Für Hoffenheim und Augsburg dürfte es am 32. bzw. 34. Spieltag nur noch um die goldene Ananas gehen – für die Eintracht aber auch.

Prognose: Frankfurt steht in dieser Aufzählung nur noch pro forma. Die Hessen landen zwischen Platz neun und zwölf.

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