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Dez
19

„Aktives Abseits Awards 2013“: Der HSV räumt ab!

Das Jahr 2013 neigt sich dem Ende entgegen. Im deutschen Fußball war so viel los wie selten. Spektakuläre Spiele, Rekorde und Personalien en masse – das muss gewürdigt werden.

Beste Komödie: Hamburger SV

Die witzigsten Drehbuchautoren hatte eindeutig der Hamburger SV. Der pointierte Einsatz des Running Gags „Die Europa League ist das Ziel“ ist mittlerweile fast schon episch! Schlechtester Saisonstart aller Zeiten? So what! Europa bleibt das Ziel! Recht so!

Stark auch, wie sich „Drittligamanager“ Oliver Kreuzer als Newcomer etablieren konnte und durch seine Aussagen regelmäßig für Unmut in den eigenen Reihen gesorgt hat. Der sympathisch-verrückte Querkopf ist schließlich nicht erst seit Peregrin Tuk aus dem „Herrn der Ringe“ essenziell, um auch in nachdenklichen Momenten eine Prise Humor zu servieren.

Basis der reifen komödiantischen HSV-Darbietung war allerdings der dauerhafte Hang zum Slapstick auf dem Fußballfeld. „Ups! Die Pannenshow“ ließ mehr als grüßen. Ausgereift, wie diese doch recht platte Art von Humor zur Vorlage für die Pointe schlechthin wurde: Die zwei trainingsfreien Tage im August nach der 1:5-Niederlage gegen 1899 Hoffenheim, die Dennis Aogo und Tomas Rincon zu ihren legendären Mallorca-Trips nutzten.

Regisseur Thorsten Fink, dem dieser geniale Moment der Situationskomik entsprang, wurde im September von den Produzenten leider durch den Niederländer Bert van Marwijk ersetzt. Seitdem sind die Pointen weniger geworden. Doch der Blick auf die Tabelle verheißt ein interessantes Jahr 2014. Stichwort: Platz 13, so what!? Die Europa League bleibt das Ziel!

Bestes Drama: Borussia Dortmund

Große Gefühle, gesundheitliche Rückschläge, überraschende Wendungen – und am Ende dann doch das Scheitern vor dem Happy End. In Bezug auf wesentliche Kriterien des Dramas hat Borussia Dortmund in diesem Jahr die meisten Häkchen machen können.

Die irre Vier-Minute-Aufholjagd beim 3:2 gegen den FC Malaga toppte dabei alles. Nicht sehr viel schlechter war allerdings das Europa-Pokal-Halbfinale gegen Real Madrid, als das sensationelle 4:1 aus dem Hinspiel durch ein 0:2 im Rückspiel fast noch verspielt wurde. Dann natürlich das Champions-League-Finale, das ausgerechnet gegen den großen Konkurrenten verloren wurde – und dann auch noch kurz vor dem Abpfiff.

Zum Jahresende wurde es kaum weniger dramatisch: Phasenweise musste Regisseur Jürgen Klopp auf die Hälfte seiner besten Darsteller verzichten. Schnurstracks musste eine Ersatzbesetzung her. Die Performance ließ insgesamt zwar etwas nach, doch am Ende gab es beim 2:1 bei Olympique Marseille noch einmal ein dramatisches Highlight – mit vorläufigem Happy End. Die Fortsetzung kommt 2014 in die Kinos. Ob sie genauso gut wird?

Beste Serie: Bayern München

Normalerweise ist die ständige Wiederholung der Ereignisse der Tod einer jeden Serie – besonders, wenn alles immer glatt läuft. Der FC Bayern hat diesen Leitsatz der Fernsehbranche aber widerlegt. Rekord um Rekord haben die Münchner im Jahr 2013 aufgestellt, u.a. im gesamten Kalenderjahr 2013 in der Bundesliga in 33 Spielen nicht einmal verloren und nur dreimal die Punkte geteilt.

Daneben stehen noch der Gewinn der deutschen Meisterschaft, des DFB-Pokals, der Champions League und des Europäischen Supercups. Am Gewinn der Klub-WM wird ebenfalls gearbeitet. Man darf gespannt sein, wie lange das Publikum sich diese „Happy End“-Serie noch anschauen möchte. Was, wenn den Machern irgendwann der Pep ausgeht? Für den Preis im Jahr 2013 hat es aber verdient gereicht.

Beste Reality-Soap: die Van der Vaarts

Spielerfrau A spannt ihrer ehemals besten Freundin (Spielerfrau B) den Mann aus und ist für ganz Deutschland wochenlang eindeutig die „Bitch“. Dann aber kommt heraus, dass Spielerfrau B ihrerseits bereits zuvor das eine oder andere Auswärtsspiel hatte und ergo selbst nicht die Unschuld vom (Nieder-)Lande ist.

An sich schon ein gutes Konzept, doch als sich dann auch noch die Auswärtsspielpartner von Spielerfrau B der Reihe nach vorstellten, ging die Sache erst richtig ab. Nur einer war in der Serie bloß eine Randfigur: Der Mann, wegen dem sich die Spielerfrauen in die Haare bekamen. Aber der hatte als prominenter Nebendarsteller in der „Besten Komödie“ (s.o.) ja beileibe schon genug am Hals.

Bester Hauptdarsteller: Jürgen Klopp

Facettenreichtum ist ein Merkmal eines großen Darstellers. Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp hat dies spätestens in diesem Jahr gezeigt. Zuvor kannte man ihn in der Rolle des kumpelhaften Sonnyboys. Auch Schwiegermutters etwas vorlauten Liebling hatte er im Repertoire. Nur hier und da zeigte er mal sein Potenzial zum Bad Boy.

2013 hat Klopp seine dunkle Seite aber stärker herausgearbeitet. Im September etwa war sein Mienenspiel so stark, dass er zwei Aufführungen lang aussetzen musste. Und gegen Jahresende holte er vermehrt die verbale Keule raus („Drecksleben“, „Nicht so blöde Fragen, Bela“ und und und). Klopp hat endgültig den Genre-Wechsel zum Charakterdarsteller vollzogen. Til Schweiger sollte sich langsam warm anziehen (hüstel).

Bester Nebendarsteller: Matthias Sammer

Christoph Waltz hat gezeigt, wie man als Nebendarsteller so richtig überzeugt: Der Österreicher wurde für seine glaubhaft-genialen Darbietungen als Fiesling bereits zweimal mit dem Oscar ausgezeichnet. Auch Bayern Münchens Sportvorstand Matthias Sammer hat sich ein Stereotyp herausgesucht, mit dem er sich dauerhafte Präsenz in den Köpfen des Publikums verschafft hat: das des nie zufriedenen, stetig nörgelnden Antreibers und Kritikers.

Gebetsmühlenartig wiederholte er vor jeder Fernsehkamera seine Sätze, bezeichnete Darbietungen trotz deutlicher Siege als „lätschern“, „lethargisch“ und „ohne Emotion“. Von „Dominanz“ wollte er schon mal gar nichts wissen. Zu Recht, denn als amtierender Gewinner aller erdenklichen Titel von der deutschen Meisterschaft bis hin zu Masters of the Universe ist man weiß Gott nicht dominant – man arbeitet einfach härter als alle anderen. Vergelt’s Gott für diese Lektion, Herr Sammer!

Sonderpreis der Jury: Bayer Leverkusen

Den Trophäenraum von Bayer Leverkusen sollen manche Menschen schon durchschritten haben, ohne es bemerkt zu haben. Das sagt einiges aus. Leider gibt es aus Sicht von „Vizekusen“ – wobei dieser Name ja in der Post-Holzhäuser-Ära als „schwachsinnig“ gebrandmarkt wurde – keine Pokale für zweite Plätze oder dritte Plätze.

Da kann die Werkself noch so dolle Leistungen abrufen, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Wenn im Schatten von Bayern München und Borussia Dortmund kein Lichtstrahl mehr übrig ist, dann ist das einfach nur traurig und sollte der gesamten Gesellschaft zu denken geben.

Und wenn die Mannschaft dann tatsächlich mal schlecht spielt, wie etwa vor knapp zwei Jahren beim 1:7 in Barcelona oder jetzt beim 0:5 gegen Manchester United… ja, dann kriegt das natürlich jeder mit. Und das ist dann natürlich nicht schön. Deswegen gibt’s von mir einen gaaaaanz dicken Drücker für die sympathische Mannschaft aus der Farbenstadt. Ihr habt’s echt drauf, die Leute zu fesseln! Drama, Baby!

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