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Aug
15

Alle Jahre wieder – Der Kölner Fehlstart und die Folgen

2 Spiele, 0 Punkte, 1:8 Tore – der Saisonstart des 1.FC Köln ist mächtig in die Hose gegangen. Der Schuldige wurde sofort ausgemacht: Trainer Stale Solbakken. Doch seine Entlassung wäre die schlechteste aller Lösungen. Die einzig richtige Devise kann nur lauten: Füße stillhalten!

Schlechte Saisonstarts haben beim 1.FC Köln fast schon Tradition. Jahr für Jahr sortiert man sich gleich zu Beginn einer Runde im Tabellenkeller ein. Die Euphorie der Vorbereitung, die wider besseren Wissens immer noch weite Teile des Anhangs erfasst, weicht dann umso größerer Enttäuschung und Unzufriedenheit. Schnell macht sich Unmut breit im leicht zu elektrisierenden Umfeld. Zwischen „Champions League“ und „Tasmania Berlin“ liegen in der Gefühlswelt des Kölner Anhangs manchmal nur wenige Spielminuten. Auch die Medien spielen dieses Spiel nur zu gerne mit.

Die Folge ist, dass nur allzu schnell alles hinterfragt wird. Trainer Stale Solbakken, der sich das Leben durch einige hinlänglich diskutierte Maßnahmen bereits vor dem Saisonstart nicht gerade erleichtert hat, ist bereits nach zwei Pleiten in einer prekären Lage. Doch was soll er tun: Lukas Podolski wieder als Kapitän einsetzen? Das Training mit Ball einstellen und die Medizinbälle auspacken? Die Mannschaft drei Tage vor dem Spieltag einkasernieren? Den Catenaccio einführen und vorne auf den lieben Gott hoffen?

All das wären Maßnahmen, die das Kölner Umfeld für den Moment beruhigen würden. Weil im Misserfolg jede Veränderung zunächst einmal gut ist. Und womöglich würde man dank – oder trotz – dieser Maßnahmen am Samstag den 1.FC Kaiserslautern bezwingen. Plötzlich wäre alles wieder in Ordnung. Doch auch das wäre nur eine Momentaufnahme. Sobald man wieder in halbwegs ruhigem Fahrwasser wäre, würden sogleich Rufe laut nach einer nachhaltigen Veränderung des Spielsystems, nach einer Spielphilosophie, mit der man mittelfristig oben angreifen kann.

Genau diese versucht Stale Solbakken gerade der Mannschaft einzuimpfen. Die Ergebnisse erleichtern dieses Unterfangen nicht. Die ersten 40 Minuten auf Schalke haben jedoch gezeigt, dass die Mannschaft beginnt, Solbakkens Philosophie zu verstehen. Was, wenn man das gegen Kaiserslautern bereits 60 Minuten lang rüberbringt und mit dem nötigen Glück drei Punkte einfährt? Auch dann wäre wieder alles super. Und keiner will den neuen Coach jemals hinterfragt haben.

Fakt ist: Wer einen grundlegenden Wandel und langfristig gute Ergebnisse will, darf nicht erwarten, dass von Anfang an alles glatt läuft. Natürlich darf der 1.FC Köln nicht sehenden Auges in die Zweite Liga gehen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, 96 Punkte sind noch zu vergeben. Gebt dem Trainer und der Mannschaft Zeit, mindestens bis zur Winterpause. Es darf nicht sein, dass man Solbakken in den Wind schießt und sich in ein, zwei Jahren eingestehen muss, dass man ihn besser behalten hätte. Allein die Tatsache, dass er jederzeit einen Job bei einem anderen guten Klub bekommen könnte, sollte Beweis genug sein, dass dieser Coach kein Blinder ist. Man muss ihn nur ein wenig stützen – auch wenn es manchen schwer fällt.

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