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Aug
26

Alle Jahre wieder: Expressroute Richtung Krise

Dass Fußball ein Tagesgeschäft ist, gehört zu den unumstößlichen Weisheiten dieses Sports. Selten hat sich der Satz so bewahrheitet wie an den ersten drei Spieltagen der Saison 2013/14. Mit großem Ambitionen gestartet, brennt es auf Schalke und in Hamburg bereits lichterloh. Am größten ist die Krise aber beim VfB Stuttgart. Dabei war dort doch vor ein paar Wochen alles noch gut, oder?

In Stuttgart ist man seit ein paar Wochen dabei, den Klub rundzuerneuern. Erst wurde Präsident Gerd Mäuser auf Betreiben der Fans „ausgesondert“, dann das modernisierte Vereinswappen auf Betreiben der Fans durch das Traditionswappen ersetzt. Als diese „Baustellen“ geschlossen waren, ging es – nicht nur, aber auch – auf Betreiben des Anhangs Trainer Bruno Labbadia an den Kragen. Drei Niederlagen in der Liga und drei sieglose Spiele in der Europa-League-Qualifikation sind gewiss kein guter Arbeitsnachweis für einen Trainer, der mit einer verbesserten Mannschaft endlich wieder in die Top Sechs der Bundesliga vordringen sollte.

15 Tage ist es her, da war die Stimmung noch formidabel. Vor dem Ligastart klopften Fans uns Experten besonders Manager Fredi Bobic für objektiv gleichermaßen intelligente wie günstige Transfers auf die Schulter. Der 41-Jährige hatte es geschafft, die komplette Kaderplanung vor dem Trainingsstart abzuschließen. Das ist keinem anderen Bundesliga-Verein gelungen. Damit war es nun an Trainer Bruno Labbadia, Mo Abdellaoue, Konstantin Rausch, Daniel Schwaab oder Moritz Leitner in die Mannschaft einzufügen.

Labbadia hatte lange Galgenfrist

Es ist dem Coach, der für Stuttgarter Verhältnisse fast sensationelle 33 Monate im Amt war, nicht geglückt. Die Gründe hierfür kann wohl nur beantworten, wer täglich nah an der Mannschaft ist. Auch wenn die Entlassung wie eine spontane Entscheidung wirkt, dürfte Labbadia intern nicht erst seit ein paar Tagen infrage gestellt worden sein.

Schließlich konnte die auf Platz zwölf beendete Vorsaison mit zwischenzeitlicher Abstiegssorgen niemanden in der Schwabenmetropole zufriedenstellen. Dass Labbadia dennoch lange Zeit verhältnismäßig ruhig arbeiten konnte, lag einerseits daran, dass sich Fans und Medien auf den ungeliebten Mäuser eingeschossen hatten. Erst nach dessen Ausscheiden wurde die Spielweise der Mannschaft als dringliches Problem angesehen – und für die ist in erster Linie der Trainer verantwortlich.

Glaube an den Trainer lange aufgebraucht?

Womöglich wäre der sogar schon früher geflogen, hätte der VfB sich nicht dank einer glücklichen Auslosung (Falkensee-Finkenkrug auswärts; St. Pauli, Köln, Bochum, Freiburg zuhause) für das DFB-Pokal-Finale qualifiziert und über den Umweg Berlin noch die Europa-League-Qualifikation erreicht.

Nach den schwachen Spielen und Ergebnissen zuletzt gab es aber nichts mehr zu kaschieren. Anders als auf Schalke, wo sich Sportvorstand Horst Heldt weiterhin mit scheinbarer Nibelungentreue zu Jens Keller bekennt, hat der VfB VOR dem entscheidenden Europapokal-Qualifikationsspiel die Reißleine gezogen. Das lässt darauf schließen, dass Vorstand und sportliche Führung dem Übungsleiter keinen Impuls mehr zugetraut haben.

Eine solche Meinung stellt sich allerdings nicht binnen zwei Wochen ein. Heißt im Klartext: Labbadias Kredit war bereits vor der Saison nur begrenzt, der Start mit dem besonders in der Breite verstärkten Kader die berühmte letzte Patrone. Nur: Wenn der Glaube an den Coach nicht mehr 100-prozentig vorhanden war, hätte man dann nicht schlichtweg bereits in der Sommerpause handeln müssen? Diesen Schuh müssen sich Vorstand und Management beim VfB wohl anziehen.

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