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Jan
16

Aubameyang: Dortmund in der Konsequenz-Falle

Die wachsende Macht der Fußballprofis wird immer wieder beklagt. Selbst ein europäischer Spitzenklub wie Borussia Dortmund ist davor nicht gefeit. Der BVB muss in den nächsten Tagen entscheiden, ob die Tore von Pierre-Emerick Aubameyang die immer dreisteren Egotrips des gabunischen Angreifers noch aufwiegen.

Bei Borussia Dortmund hat man all die Jahre mit Pierre-Emerick Aubameyang viel Geduld bewiesen. Seine Armada an Luxusautos wurde stets ebenso mit einem Augenzwinkern hingenommen wie seine extravaganten Outfits. Selbst spontane Lustreisen des Gabuners, der abseits des Platzes sowieso nicht ohne eine Entourage aus Familienmitgliedern und Freunden vorstellbar war, ließen die Dortmunder Bosse Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc dem „Paradiesvogel“ seit dessen Verpflichtung im Sommer 2013 durchgehen.

141 Tore in viereinhalb Jahren waren lange das beste Argument

Als „tadellosen Profi“ versuchten die BVB-Oberen immer wieder darzustellen, seinen Extravaganzen und den öffentlichen Träumereien von Real Madrid oder dem AC Mailand zum Trotz. Viereinhalb Jahre ging das gut. 141 Tore und damit einhergehende Erfolge machten Klub, Mannschaft und Umfeld auf einem Auge blind.

Doch die Extratouren von Aubameyang haben in der vergangenen Woche eine neue Qualität erreicht. Erst wurde aus der Mannschaft erstmals öffentlich Unmut über seine One-Man-Show laut, dann blieb der Bling-Bling-Stürmer keineswegs zufällig der letzten Teamsitzung vor dem Rückrundenstart fern. Die „Affenzirkus“-Affäre um eine unbedachte Äußerung eines renommierten kicker-Journalisten wurde vom Aubameyang-Clan zu guter Letzt dankend aufgeblasen zu einer „Wir fühlen uns in Deutschland nicht mehr wohl“-Tirade, Hitler-Assoziationen inklusive.

Aubemeyang und BVB müssen abwägen

Man muss nicht allzu intensiv zwischen den Zeilen lesen um zu verstehen, was vor sich geht. Aubameyang hat gut dotierte Angebote aus dem Ausland vorliegen und will ganz gerne weg aus Dortmund. Beim BVB entwickelte er sich aber in einer regelrechten Wohlfühloase von einem talentierten jungen Angreifer in einen Torjäger der Extraklasse. Damit wurde Afrikas Fußballer des Jahres 2015 für die Top-Vereine der Welt interessant.

Aubameyang und der BVB müssen nun jeweils abwägen. Der Spieler muss entscheiden, ob etwa der an ihm interessierte FC Arsenal (derzeit Sechster in England) nicht nur finanziell eine Verbesserung gegenüber der Borussia darstellt. Oder ob er mit 28 Jahren schon seine Karriere gegen eine fürstliche „Entschädigung“ in der sportlichen Bedeutungslosigkeit der chinesischen Liga ausklingen lassen will. Oder ob er sich doch noch einmal wenigstens bis Saisonende in den Dienst seiner BVB-Kollegen stellen möchte.

Durch seinen radikalen Konfrontationskurs hat Aubameyang aber auch beim BVB ein Aufweichen seiner Narrenfreiheit bewirkt. Der Verein scheint nach den jüngsten Aussagen von Watzke und Zorc jedenfalls einen sofortigen Verkauf seiner „Lebensversicherung“ (Vertrag bis 2021) gegen eine Summe jenseits der 60 Millionen Euro in Betracht zu ziehen. Wohl vor allem, um die Chemie im Team zu wahren. Andererseits erscheint das Saisonziel Champions-League-Qualifikation ohne Aubameyang deutlich schwerer zu erreichen als mit ihm – und das würde eine Trennung im Winter aus Vereinssicht nach wie vor zu einem Spiel mit hohem Einsatz machen. Die Frage bleibt dennoch: Wie viel Aubameyang verträgt der BVB noch?

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