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Feb
22

Aus vier mach eins! Trotzdem kein Drama

Im Dezember noch wurden die deutschen Europapokalstarter für die erfolgreichste Performance aller Zeiten auf der kontinentalen Bühne gefeiert. Von den vier überwinternden Teams aus der Europa League sind aber bereits drei an der ersten K.O.-Hürde gescheitert. Also stellt sich wieder einmal die Frage: Wo steht der deutsche Fußball?

Ausgerechnet der formschwächste deutsche Europa-League-Starter hat es als einziger in Achtelfinale geschafft: Der VfB Stuttgart, in der Liga mit vier Niederlagen aus fünf Spielen in die Rückrunde gestartet, profitierte vom Losglück und erwischte mit dem belgischen Vertreter KRC Genk ein europäisches Leichtgewicht. Andere, wie Bayer Leverkusen, die es mit Champions-League-Absteiger Benfica Lissabon zu tun bekamen, konnten da weniger von Glück sagen. Auch Borussia Mönchengladbach und Hannover 96 hätten in der Zwischenrunde leichtere Lose ziehen können als Lazio Rom (Vierter der Serie A) bzw. Anschi Machatschkala (Zweiter der russischen Premier League).

Zweimal fehlende Cleverness, einmal übermächtiger Gegner

Letztlich ist es schade, dass das deutsche Quartett so drastisch dezimiert wurde – schließlich wäre vor allem das Leverkusener Aus vermeidbar gewesen. Wieder einmal zeigte sich jedoch, dass spätestens ab der K.O.-Phase Chancen einfach sitzen müssen. Benfica hat das mustergültig vorgemacht, sich mit seiner einzigen echten Chance im Hinspiel einen 1:0-Vorsprung verschafft und diesen im Rückspiel durch taktische Cleverness und Tore zur rechten Zeit sogar noch auf 3:1 ausgebaut.

An der Cleverness fehlte es auch Borussia Mönchengladbach, das erstmals seit der Saison 1996/97 wieder international vertreten war. Gegen ein vor allem im Hinspiel alles andere als unschlagbares Lazio Rom fehlte der Elf vom Niederrhein die Abgeklärtheit, die auf diesem Niveau unabdingbar ist.

Hannover 96 hat sich gegen ein starkes Machatschkala mit Klassekickern wie Samuel Eto’o und Willian wacker geschlagen, mehr war nicht drin. Man sollte sich nicht wundern, wenn der neureiche Klub aus der russischen Teilrepublik Dagestan  in der kommenden Champions-League-Saison zu sehen sein wird.

In der Champions League wird Prestige gewonnen

Alles in allem muss man aber sagen, dass die Bundesliga-Vertreter sich und den deutschen Fußball im Sechzehntelfinale nicht blamiert haben. Mit etwas mehr Los- und Spielglück wären vielleicht zwei oder drei Bundesligisten noch im Rennen, doch dem sollte man nicht nachtrauern. Immerhin ist mittlerweile keine Nation mehr in voller Besetzung im Europacup vertreten. Und man sollte man beim FC Chelsea, Tottenham Hotspur oder Inter Mailand nachfragen, wie viel diesen Klubs am Achtelfinaleinzug liegt. Anders ausgedrückt: Dass mit dem SSC Neapel (gegen Viktoria Pilsen) und Atletico Madrid (gegen Rubin Kasan) der Tabellenzweite der Serie A bzw. der Primera Division mehr oder weniger ohne große Gegenwehr ausgeschieden ist, zeigt einmal mehr, dass das Prestige in Europa in der Champions League gewonnen wird.

Atletico schonte sieben Stammspieler für das Rückspiel in Russland, anstatt in Bestbesetzung zu versuchen, das 0:3 aus dem Hinspiel mit aller Macht umzubiegen. Den Madrilenen ist die Teilnahme an der Champions League in der kommenden Spielzeit einfach sehr viel wichtiger als eine Titelverteidigung.

Ähnliche Gedanken dürfte man auch in Leverkusen haben, wo man sich gewiss nicht über das Aus gegen Benfica gefreut hat. Doch der Donnerstag-Samstag-Rhythmus, der Bayer schon beim 2:1-Sieg gegen Augsburg am vergangenen Wochenende anzumerken war, hätte das „Projekt Champions-League-Qualifikation“ sicherlich nicht begünstigt. Und allein die Teilnahme an der Vorrunde der „Königsklasse“ spült fast so viel Geld in die Vereinskasse wie der Sieg im „kleinen“ Europapokal.

Erstmals seit 1998 drei Deutsche im CL-Viertelfinale?

Viel entscheidender als ein gutes Abschneiden der Bundesligastarter in der Europa League ist ohnehin die Performance in der Champions League. Hier gibt es nicht nur das meiste Geld, sondern auch das meiste Renommee zu verdienen. Nach den Achtelfinal-Hinspielen kann man dem FC Bayern (3:1 beim FC Arsenal) im Grunde schon zum Einzug in die Runde der letzten Acht gratulieren. Auch Borussia Dortmund (2:2 bei Schachtjor Donezk) und Schalke 04 (1:1 bei Galatasaray Istanbul) haben gute Karten für ihre Rückspiele. Gelingt allen drei das Weiterkommen, stünden erstmals seit 1998 (und zum zweiten Mal überhaupt) drei deutsche Teams im Viertelfinale der Champions League!

Nicht auszuschließen, dass Deutschland dann die stärkste Fraktion stellt, Denn die vier spanischen Vertreter gehen allesamt mit der schlechteren Ausgangsposition in ihre Rückspiele. Der FC Valencia muss bei Paris St. Germain ein 1:2 umbiegen, der FC Malaga gegen den FC Porto ein 0:1. Real Madrid braucht nach dem 1:1 gegen Manchester United auf der Insel mindestens zwei Tore zum Weiterkommen. Und der mythenumrankte und dauer-glorifizierte FC Barcelona droht nach dem 0:2 beim AC Milan zum dritten Mal binnen fünf Jahren an einem extrem defensiv eingestellten, aber taktisch top aufgestellten Gegner zu scheitern.

Langer Rede kurzer Sinn: In der Königsklasse werden die großen Meriten gewonnen. Und dort könnte das Szenario eintreten, dass das Viertelfinale ohne Vertreter aus der Premier League oder der Primera Division stattfindet – dafür aber mit drei deutschen Klubs. Und mit einem Mal wären die Ergebnisse der Europa League vergessen…

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