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Mrz
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Austria Salzburg, FC United of Manchester & Co. – Wie Phönix aus der Asche

2005 übernahm der Energy-Drink-Hersteller Red Bull den österreichischen Traditionsklub Austria Salzburg. Name und Vereinsfarben wurden ausgelöscht, viele Fans wendeten sich ab und gründeten „ihren“ Klub neu. Der steht nun vor der Rückkehr in den Profifußball. Auch in Manchester, Wimbledon und Leipzig gibt es ähnliche Fälle – mit unterschiedlichem Erfolg.

SV Austria Salzburg: Steiler Weg nach oben

Dreimal österreichischer Meister in den 1990er Jahren, dazu 1994 der Einzug ins UEFA-Cup-Finale gegen Inter Mailand – Erfolg konnte man Austria Salzburg beileibe nicht absprechen. Doch am 6. April 2005 kam Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz daher, legte einen Haufen Geld auf den Tisch und stülpte dem Klub eine Corporate Identity über, die man mittlerweile auch in Leipzig, New York, Sao Paulo und Sogakope/Ghana wiederfindet.

Mit Red Bull kam national beständig der Erfolg, seit 2006 wurde Salzburg viermal österreichischer Meister und dreimal Zweiter. Die fünfte Meisterschaft seit der Übernahme durch den Brause-Hersteller ist angesichts von 27 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten aus Grödig bei nur noch neun ausstehenden Partien ebenfalls zu 99,99 Prozent unter Dach und Fach.

Doch so berechenbar der Erfolg mit Red Bull im Rücken war: Viele Fans der Austria wollten den Erfolg nicht. Zumindest nicht auf diesem Weg. Und so wurde am 7. Oktober 2005 der SV Austria Salzburg als Reinkarnation des alten Klubs aus der Taufe gehoben. Anfangs machten die Fans alles selbst: vom Markieren des Platzes, über die Anschaffung von Trikots und Bällen durch Spenden bis hin zum Ticketverkauf.

Von der siebten Liga hat sich das Team mittlerweile bis in die Drittklassigkeit hochgearbeitet. Auch dort scheint man nicht lange zu verweilen, denn nach 17 von 30 Saisonspielen hat Salzburg acht Punkte Vorsprung auf Platz zwei. Im günstigsten Fall könnten schon ab der Saison 2015/16 Duelle mit dem „Ur-Verein“ anstehen. Heiß würde es dort sicher hergehen.

Doch vorher sind erneut die Fans gefordert: Um die Lizenzbedingungen für die zweite österreichische Liga zu erfüllen, wollen sie eigenhändig eine neue Tribüne errichten. Das aktuelle Austria-Stadion ist mit nur 1566 Plätzen selbst für rot-weiß-rote Verhältnisse etwas zu klein.

FC United of Manchester: Langsam, aber stetig

Ende der 1990er Jahre ist der US-amerikanische Medienmogul Rupert Murdoch noch bei dem Versuch gescheitert, den börsennotierten internationalen Spitzenklub Manchester United zu übernehmen. Ein anderer war ein paar Jahre später erfolgreicher. Bereits 2003 begann der US-Milliardär Malcolm Glazer, kontinuierlich Aktien der Red Devils zu kaufen. Bis Mai 2005 kam er langsam aber stetig auf 28 Prozent, ehe er seine Anteile binnen kürzester Zeit auf 75 Prozent erhöhen konnte.

Mit der Dreiviertelmehrheit im Rücken konnte Glazer den Klub von der Börse nehmen. Ende Juni 2005 war er dann bereits im Besitz von 98 Prozent aller Aktien und konnte den Rest durch Zwangsabfindungen einstreichen. Seitdem befindet sich Manchester United de facto im Privatbesitz der Glazer-Familie. Malcolms Söhne Joel, Avram und Bryan wurden in den Vorstand berufen und lenken den Verein heute.

Übrigens: Das zum Kauf des Vereins aufgenommene Darlehen schrieb Glazer clevererweise auf den Klub um, sodass Manchester United und nicht er jährlich 95 Millionen Euro zur Tilgung aufwenden mussten… So wurde aus dem reichsten auf einen Schlag einer der am höchsten verschuldeten Klubs der Welt. Für viele Fans war das zu viel des Schlechten. Mit Transparenten à la „Love United, Hate Glazer“ war es bald nicht mehr getan.

Noch 2005 gründeten sie den FC United of Manchester, einen Klub der im identischen Trikotdesign wie die Red Devils aufläuft und an der Gigg Lane (11.840 Plätze) oft vor vollem Haus spielt. Drei Aufstiege in drei Jahren aus der zehnt- in die siebthöchste Spielklasse verhießen zunächst einiges, doch in der UniBond Northern Premier League hängt der Klub nun schon im sechsten Jahr fest. Immerhin kämpf das Team noch um den Aufstieg. Zehn Spiele vor dem Saisonende befindet sich der FC United nur drei Punkte hinter Platz eins und sollte mindestens die Play-off-Runde für die Teams auf den Rängen zwei bis fünf erreichen.

AFC Wimbledon: In der Stagnation

Im noblen Londoner Stadtteil Wimbledon findet man gewissermaßen das Vorbild für den FC United of Manchester. Der alte FC Wimbledon wollte eigentlich so gar nicht zu dem Viertel passen, welches die ganze Welt in erster Linie mit dem größten Tennisturnier der Welt und dem bestgepflegten heiligen Rasen des Planeten verbindet.

Den Fußballern des FC Wimbledon war im Gegensatz dazu wenig heilig. Das als „Crazy Gang“ verschriene Team um Vinnie „die Axt“ Jones hielt sich zwischen 1986 und 2000 mit einer Mischung aus Kick and Rush und Grätschen an der Grenze zur Körperverletzung in Englands höchster Spielklasse. 1988 gelang sogar der Gewinn des FA-Cups durch einen 1:0-Erfolg gegen den damaligen englischen Rekordmeister FC Liverpool. Nach dem Jahrtausendwechsel war es aber sportlich wie wirtschaftlich vorbei mit der Herrlichkeit in Wimbledon.

Der Geschäftsmann Pete Winkelman war seinerzeit verstärkt auf der Suche nach Fußballvereinen mit finanziellen Schwierigkeiten. Sein Ziel: Einen Klub kaufen und ihn nach Milton Keynes, einer 180.000-Einwohner-Stadt nördlich von London verlagern. Beim FC Barnet, bei Luton Town und den Queens Park Rangers holte sich Winkelman noch Absagen ab.

Beim sportlich wie wirtschaftlich angeschlagenen FC Wimbledon hatte er 2002 mehr Glück. Am 28. Mai jenes Jahres ging der Deal mit dem Segen der FA trotz heftiger Fan-Proteste über die Bühne. Es folgte eine Phase der Umstrukturierung, die in der Drittklassigkeit endete, ehe der Verein 2004 endgültig umzog und den Namen Milton Keynes Dons annahm.

Bereits 2002 hatten abtrünnige Wimbledon-Fans Gegenmaßnahmen eingeleitet und aus Protest den AFC Wimbledon gegründet. Mit der berühmten englischen Medienmaschinerie im Rücken stellte der AFC schnell eine schlagkräftige Truppe zusammen und mobilisierte eine große Fan-Basis. Zum ersten Spiel kamen mehr als 4500 Zuschauer.

Auch die sportliche Entwicklung war lange beachtlich. Bis 2011 führte der Weg des AFC steil nach oben – bis in die viertklassige League Two. Damit spielt Wimbledon nur eine Klasse tiefer als die ungeliebten Vorgänger von den Milton Keynes Dons. Ein Wiedersehen im Ligabetrieb ist aber bis auf weiteres ausgeschlossen. Die Dons spielen eine solide Saison und werden die Klasse halten, der AFC Wimbledon ist in der 4. Liga dagegen noch nicht aus dem Gröbsten heraus.

1. FC Lokomotive Leipzig: Die Kurve zeigt nach unten

Zu DDR-Zeiten war Lokomotive Leipzig eine Institution und ein Fanmagnet. Der Verein gewann viermal den FDGB-Pokal und erreichte 1987 das Endspiel um den Europapokal der Pokalsieger (0:1 gegen Ajax Amsterdam). Nach der Wende nahm der Klub den traditionsreicheren Namen VfB Leipzig an, unter dem er 1903 erster deutscher Fußballmeister geworden war.

Obwohl 1993 der Aufstieg in die Bundesliga gelang, sollte allerdings unter dem alten neuen Namen keine positive Geschichte geschrieben werden. Dem Abstieg als Tabellenletzter folgte 1998 zunächst der Abstieg in die Drittklassigkeit, 1999 die Insolvenz und 2000 sogar der Abstieg in die viertklassige Oberliga. 2004 dann der endgültige Tiefpunkt: eine zweite Insolvenz bedeutete das endgültige Aus für den Verein – und die Chance zum Neubeginn.

Unter dem alten Namen Lok Leipzig wagte der neugegründete Verein 2004 den Neuanfang in der 11. Liga. Fernsehsender und Fußballmedien waren Feuer und Flamme für das Projekt, zahlreiche Alt-Stars wie Lothar Matthäus gaben Gastspiele im blau-gelben Dress und leiteten einen rasanten Aufstieg ein. Wie alle Klubs, die wie Phönix aus der Asche stiegen, wurde aber auch für das traditionsreiche Lok Leipzig die Luft bald dünn.

Zwischen 2008 und 2012 hing man in der Fünftklassigkeit fest, während der Retortenklub RB Leipzig nicht nur finanziell, sondern auch sportlich vorbeizog und dank der Brause-Millionen früher oder später in der 1. Bundesliga spielen wird. Lok kämpft derzeit gegen den Abstieg in die fünfte Liga. Neun Punkte fehlen in der Regionalliga Nordost derzeit zum rettenden Ufer. Ob der Klub einen Abstieg verkraften würde, steht in den Sternen.

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  1. #Link11: Der Uefa-Typ mit der Glatze | Fokus Fussball sagt:

    […] United & Co. existieren noch andere lokale Teams, die dem Kommerz vollends abschwören. Aktives Abseits hat sich jetzt die Lage der Klubs wie Austria Salzburg oder FC United of Manchester […]

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