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Okt
28

Ballon d’Or: Sechs Weltmeister nominiert – und chancenlos

In Thomas Müller, Philipp Lahm, Manuel Neuer, Mario Götze, Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos dürfen sich gleich sechs deutsche Weltmeister Hoffnungen machen, zum ersten deutschen Weltfußballer seit Lothar Matthäus vor 23 Jahren gewählt zu werden. Zumindest formal. In der Realität dürfte kaum ein Weg an Cristiano Ronaldo vorbeiführen – einer abermals schwachen WM zum Trotz.

„Cristiano Ronaldo ist eine diamantenbehangene 24-Karat-Ikone, ein perfekt gestylter, wohlgeformter Adonis. Müller sieht aus, als sei er gerade aufgewacht.“ Schöner als die renommierte englische Tageszeitung „The Times“ könnte man die Unterschiede zwischen dem portugiesischen Glamour Boy und dem Geißen-Peter des 21. Jahrhunderts mit dem ewigen Spitzbuben-Lächeln nicht auf den Punkt bringen.

Getätigt wurde diese Aussage am 17. Juni. Einen Tag zuvor hatte Deutschland sein erstes Spiel auf dem Weg zum WM-Titel in Brasilien gegen Ronaldos Portugiesen dank drei Müller-Toren mit 4:0 gewonnen. Ronaldo trat in jenem Spiel allein durch einen episch schwachen Freistoß in die Füße der „Ein-Mann-Mauer“ Philipp Lahm und ein wenig hitzeresistentes Haargel in Erscheinung.

Dennoch ist es durchaus wahrscheinlich, dass Ronaldo am 12. Januar 2015 bei der FIFA-Gala in Zürich zum dritten Mal nach 2008 und 2013 als Weltfußballer ausgezeichnet wird. Und nicht Müller oder der weltbeste Torhüter Manuel Neuer, der deutsche Kapitän Philipp Lahm, der Muster-Kämpfer Bastian Schweinsteiger, Taktgeber Toni Kroos oder Final-Torschütze Mario Götze. Denn Ronaldo ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Star. Er leuchtet als Einzelspieler mehr als jeder andere auf der Welt.

Weltstar versus Weltklasse-Mannschaftsspieler

Ronaldo ist ein Individualist, wie er im Buche steht: Perfekter Schuss mit links, perfekter Schuss mit rechts, perfekter Kopfball, mega-athletischer Körper, unglaubliche Technik und Dynamik – im Gesamtpaket ist er den sechs nominierten Deutschen und den 16 weiteren Konkurrenten weit voraus. Als bester Individualist wäre er damit auch der verdiente Sieger einer Individual-Auszeichnung. Denn nichts anderes ist der FIFA Ballon d’Or.

Ronaldos persönlichen Statistiken untermauern dies. Allein in dieser Saison kommt der 29 Jahre alte Angreifer auf sagenhafte 21 Tore in 14 Pflichtspieleinsätzen für seinen Klub Real Madrid. Seit seinem Wechsel zu den Königlichen im Jahr 2009 hat er 273 Tore in 260 Spielen erzielt – eine schlicht unfassbare und nicht einmal von Lionel Messi erreichte Marke.

Dass „CR7“ weiterhin eine perfekt geölte Marketing-Maschinerie im Hintergrund besitzt, ist bei der Weltfußballer-Wahl ebenfalls kein Nachteil. Schließlich stimmt hier keine Fachjury von international renommierten Experten ab, sondern die Nationaltrainer und Mannschaftskapitäne der 209 FIFA-Mitgliedstaaten sowie einige ausgewählte Medienvertreter. Auch wenn sich vor allem Müller, Neuer und Kroos bei der WM einen Namen in allen Winkeln der Welt gemacht haben dürften, ziehen plakative Namen wie die Ronaldos oder Messis in Thailand, auf Samoa oder den Kapverden immer noch mehr als die von Mannschaftsspielern. Und nichts anderes sind die deutschen Spieler. Und sie sollten es mit Stolz sein, denn an einem WM-Titel wird man sich immer eher erinnern als an jede andere Torphäe.

Die Nominierten bei der Wahl zum Weltfußballer des Jahres 2014:

Gareth Bale (Wales/Real Madrid), Karim Benzema (Frankreich/Real Madrid), Diego Costa (Spanien/FC Chelsea), Thibaut Courtois (Belgien/FC Chelsea), Cristiano Ronaldo (Portugal/Real Madrid), Angel Di Maria (Argentinien/Manchester United), Mario Götze (Bayern München), Eden Hazard (Belgien/FC Chelsea), Zlatan Ibrahimovic (Schweden/Paris St. Germain), Andres Iniesta (Spanien/FC Barcelona), Toni Kroos (Real Madrid), Philipp Lahm (Bayern München), Javier Mascherano (Argentinien/FC Barcelona), Lionel Messi (Argentinien/FC Barcelona), Thomas Müller (Bayern München), Manuel Neuer (Bayern München), Neymar (Brasilien/FC Barcelona), Paul Pogba (Frankreich/Juventus Turin), Sergio Ramos (Spanien/Real Madrid), Arjen Robben (Bayern München/Niederlande), James Rodriguez (Kolumbien/Real Madrid), Bastian Schweinsteiger (Bayern München), Yaya Touré (Elfenbeinküste/Manchester City)

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