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Apr
15

Bankrotterklärung

Der Hamburger SV hat in dieser Saison schon viele schlechte Entscheidungen getroffen. Die Installation des einst vom Hof gejagten Bruno Labbadia als Nachfolger des chancenlosen Interimstrainers Peter Knäbel setzt der strategischen Planungslosigkeit aber die Krone auf. Ein Gescheiterter soll das Scheitern abwenden. Die Führung um Dietmar Beiersdorfer hat scheinbar jegliche Kontrolle verloren. Alles andere als der Abstieg verstieße gegen jede Logik.

Man mag es kaum glauben, aber der Hamburger SV hat mit seinen vier Trainern in der laufenden Saison keinen (!) neuen Bundesliga-Rekord aufgestellt. Hertha BSC „vertraute“ in der Spielzeit 2012/13 sogar auf fünf Cheftrainer  – doch weder Markus Babbel noch Rainer Widmayer, Michael Skibbe, René Tretschok oder Otto Rehhagel konnten den Abstieg abwenden. Dass dem HSV dies mit dem „erst“ vierten Übungsleiter des Spieljahres gelingt, ist allerdings auch nicht zu erwarten.

Planlosigkeit, Verzweiflung, ja blankes Chaos herrschen beim Bundesliga-Dino, der im geplanten Jahr des Neustarts viel zu viele Fehler begangen hat. Mit dem angezählten Mirko Slomka in die Saison zu gehen, war falsch. Eine Trennung war weit vor seiner Entlassung im September absehbar – da hatte Slomka allerdings schon millionenschwer eingekauft.

In sportlicher Schieflage die kleine Lösung Joe Zinnbauer zu installieren, war zumindest rückblickend keine gute Entscheidung. Unbestreitbar ein Fehler der Führung um Beiersdorfer war, auch dann noch wochenlang an ihm festzuhalten, als ein neuerlicher Negativtrend längst nicht mehr zu übersehen war. Das Prinzip Hoffnung bringt im Fußball eben selten Erfolge.

Sportdirektor Peter Knäbel ins (Interims-)Traineramt zu drängen und ihm damit vermutlich jegliche Reputation in seinem Kernressort zu nehmen – in das er nun wieder zurückkehrt – war grundfalsch. Nach zwei Niederlagen in Serie gegen die Champions-League-Aspiranten Leverkusen und Wolfsburg nun erneut auf der Trainerposition einen Wechsel vorzunehmen, obwohl noch am Sonntag eine solche Maßnahme von Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer kategorisch ausgeschlossen wurde, ist gar eine Farce.

Ein Jahr der Fehler findet seinen Höhepunkt

Die Pointe folgt aber noch: Nicht Thomas Tuchel, der in Hamburg Narrenfreiheit besessen hätte und dem man angesichts der prekären sportlichen Lage auch einen Abstieg verzeihen würde, wird neuer Trainer – man konnte sich nicht einigen. Stattdessen kehrt Bruno Labbadia zurück, den man vor ziemlich genau fünf Jahren in Hamburg wegen Disharmonien mit Führungsspielern, des Vorwurfs der Arroganz, vermeintlichen Defiziten in taktischen Fragen und in letzter Konsequenz schlichtweg schlechten Ergebnissen entließ.

Eben dieser Labbadia, der an Stammtischen bei der Besetzung von vakanten Trainerposten mittlerweile fast mit dem gleichen ironischen Beiklang wie Lothar Matthäus genannt wird, soll in der Hansestadt den viel zitierten Bock umstoßen und das Schlusslicht irgendwie in der Liga halten – eine hochbezahlte Truppe, die auf dem Platz immer wieder in ihre Einzelteile zerfällt und dies neuerdings auch in der Kabine tut.

Die Mega-Pointe ist, dass Labbadia den HSV nicht nur bis zum Saisonende betreuen, sondern auch in der kommenden Spielzeit führen soll. Wetten, dass dies dann in der 2. Bundesliga ist? Und wetten, dass der Trainer beim Saisonauftakt in diesem Fall nicht Bruno Labbadia heißen wird?

P.S.: Heute ist nicht der 1. April.

2 Kommentare

1 Ping

  1. Dominic sagt:

    Thomas Tuchel wird ja nun dann wohl für Jürgen Klopp bei Dortmund Trainer werden.

  2. Heibel sagt:

    Echt seltsame Entwicklungen heute! Und Klopp beerbt dann Pellegrini in Manchester oder – je nach Saisonausgang – Ancelotti in Madrid…

  1. #Link11: Auf dem Trainerkarussell fahren alle gleich schnell | Fokus Fussball sagt:

    […] Labbadia deswegen besonders kurz und knackig vor – dabei klingt er durchaus hoffnungsfroh. Beim Aktiven Abseits ist dagegen von einer »Bankrotterklärung« die Rede – nicht viel weniger kurz oder knackig […]

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