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Mrz
17

Bayern München nach Uli Hoeneß: Der Härtetest

Als Manager und Vereinspräsident war Uli Hoeneß 35 Jahre lang der Klebstoff, der den FC Bayern München zusammengehalten hat. Mit fußballerischem Know-how, Geschäftssinn und Menschlichkeit hat er den Klub zu einem Top-Wirtschaftsunternehmen mit hohem Wohlfühlfaktor gemacht. Wenn Hoeneß bald seine Haftstrafe antreten muss, wird sich zeigen was der Verein ohne ihn wert ist.

Sportlich wie wirtschaftlich geht es für den FC Bayern München im Moment nicht weiter nach oben. Die Mannschaft könnte bereits am kommenden Wochenende acht Spieltage vor dem Saisonende die 24. Meisterschaft der Klubgeschichte einfahren. Zudem schickt sich die Elf von Pep Guardiola an, auch die Titel im DFB Pokal und – als erste Mannschaft überhaupt – in der Champions League erfolgreich zu verteidigen.

Auch wirtschaftlich floriert es. Die 432,8 Millionen Euro Umsatz aus dem Geschäftsjahr 2013 sind Vereinsrekord. Dazu ist nach dem Einstieg des Versicherungskonzerns Allianz als drittem Groß-Teilhaber an der FC Bayern AG das erst 2005 eingeweihte Stadion quasi abbezahlt. Der ohnehin finanziell potente Verein hat nun noch größere Möglichkeiten. Auch wenn es makaber klingt, aber einen besseren Zeitpunkt zum (unfreiwilligen) Abtreten hätte sich Uli Hoeneß nicht aussuchen können.

Wie viele Bayern braucht man für einen Hoeneß?

Nun ist es an der Vereinsführung um Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sowie an der sportlichen Leitung mit Matthias Sammer an der Spitze, das Erbe des einst übermächtigen Machers fortzuführen. Wo groß Hoeneß‘ Einfluss in allen Bereichen war, wird sich dabei erst in den nächsten Monaten und Jahren zeigen.

Schließlich war Hoeneß niemand, der das Präsidentenamt als Ruhekissen betrachtete. Obwohl er sich bereits 2009 offiziell aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hatte, war er gerade bei den großen Transfers immer noch mittendrin – wenn er nicht gar die treibende Kraft war. So brachte Hoeneß die Verpflichtung von Star-Coach Pep Guardiola unter Dach und Fach und nicht der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge oder der Sportvorstand Matthias Sammer.

Sammer muss als Abteilungsleiter Attacke zulegen

Auch war Hoeneß bis zum Bekanntwerden seiner Steueraffäre im April 2013 immer noch der „Abteilungsleiter Attacke“ des Vereins. Matthias Sammer wettert zwar ebenfalls gerne mit hochrotem Kopf, allerdings gehen ihm die herrliche Hoeneß’sche Undifferenziertheit und dessen Spontaneität ab.

Vor allem aber ist Sammer im Gegensatz zu Hoeneß kein Festredner, der den Verein in der Stunde des Triumphs auch einmal hochleben lassen kann. Stattdessen sucht er akribisch nach weiterem Verbesserungspotenzial. So war er als Spieler (nach dem gewonnenen EM-Finale 1996: „Wir haben noch nichts erreicht“), so ist er als Funktionär.

Im Bereich Finanzen sieht es besser aus. Hier besitzt der FC Bayern mit Jan-Christian Dreesen einen echten Experten, der seit Jahren die Fäden in der Hand hält. Als Vordenker und Außenminister des Vereins ist Karl-Heinz Rummenigge gerade international längst anerkannt.

Menschliche Wärme war Hoeneß‘ Kernressort

Das größte Leck hinterlässt Hoeneß vermutlich im zwischenmenschlichen Bereich. Ehemalige Spieler wie Michael Ballack („Uli Hoeneß ist nicht austauschbar. Er ordnet dem Erfolg alles unter, schafft es aber, die menschliche Komponente nicht zu vergessen“) und aktuelle Profis wie Arjen Robben („Er ist und bleibt für immer der Mister FC Bayern“) schwärmten in den Tagen nach dem Urteil unisono von der Herzlichkeit des 62-Jährigen.

Nach der aktiven Karriere gescheiterte Ex-Bayern wie Jürgen Wegmann wurden von Hoeneß ebenso um- und versorgt wie der sensible Franck Ribéry. Als der im Jahr 2010 wegen Sex mit einer minderjährigen Prostituierten in die Schlagzeilen geriet, nahmen sämtliche europäischen Top-Vereine Abstand vom Franzosen. Hoeneß stützte ihn in dieser Zeit, der Verein verlängerte demonstrativ den Vertrag – und Ribéry zahlt das Vertrauen seit Jahren mit Top-Leistungen zurück.

Im Bereich Menschlichkeit wird Hoeneß dem FC Bayern wohl am meisten fehlen. Das Problem: Diesen „Soft Skill“ kann man kaum erlernen. Entweder man hat dieses Gespür oder man hat es nicht. Das werden nicht zuletzt die Fans bemerken, für die Hoeneß nach insgesamt 44 Jahren im Verein die Identifikationsfigur schlechthin war. Anders kann man die bis zur Blindheit reichende Nibelungentreue einiger Anhänger nicht erklären.

2 Kommentare

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  1. h.chinaski sagt:

    du meinst sicher jürgen wegmann ;-)

    1. Heibel sagt:

      Ups… Neulich noch einen Kollegen darauf hingewiesen, jetzt ist mir das selbst passiert… Der Mann sollte sich einfach in „Kobra“ umbenennen, dann weiß jeder Bescheid ;-)

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