«

»

Feb
27

Bayern schon wieder raus aus der Krise? Wohl kaum!

Blättert man heute in den Zeitungen, könnte man den Eindruck gewinnen, dass der FC Bayern den Befreiungsschlag geschafft hat. Das Lob für Ribéry & Co. regiert nach dem schwungvollen 2:0 gegen Schalke. Auch Präsident Uli Hoeneß frohlockt schon wieder, dass man nach wie vor um drei Titel kämpfe. Auf dem Papier ist das auch so. Doch sind die Bayern wirklich schon raus aus der Krise?

Im Fußball geht es bekanntermaßen oft ganz schnell. Stimmen die Ergebnisse, fragt niemand danach, wie sie zustande gekommen sind. „Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg“ ist ein Satz, der an dieser Stelle gerne von Trainern, Spielern und Funktionären bemüht wird. Daher müsste man auch dem FC Bayern eigentlich gratulieren: 2:0 gegen Schalke gewonnen, den Abstand auf Tabellenführer Dortmund gehalten und mit den „Königsblauen“ einen direkten Konkurrenten erst einmal distanziert. Doch auf der anderen Seite mussten die Fußball-Fans im Lande acht lange Spiele seit Rückrundenbeginn (6 Spiele in der Liga, je 1 in Pokal und Champions League) warten, um eine ansprechende Leistung der „Roten“ zu sehen. Das ist für jeden Verein zu viel – und erst recht für den FC Bayern.

Bayern oft ideenlos

Unbestritten ist, dass den Bayern wenig einfällt, wenn ein Spiel nicht so läuft. In der Hinrunde gab es noch unzählige Partien, in denen ein frühes Tor den Gegner zum Aufmachen gezwungen hat. In solchen Situationen konnten die Bayern das Bällchen laufen lassen, wie sie es so gerne tun und das eine oder andere Tor nachlegen.

Doch wenn der FCB einmal nicht durchkam, musste allzu oft ein individueller Fehler des Gegners herhalten, um eine Partie noch zu gewinnen (z.B. beim 3:0 gegen Köln am 17. Spieltag). Gerieten die Münchner dagegen in Rückstand, stand am Ende stets eine Pleite (0:1 und 1:3 gegen Gladbach, 1:2 in Hannover, 0:1 gegen Dortmund, 2:3 in Mainz, 0:1 in Basel). War der Gegner zu schwach für ein eigenes Tor, kam man immerhin noch mit einem torlosen Remis davon, wie beispielsweise vor einer Woche in Freiburg.

Das „Problem“ der Münchner ist ihr extrem auf Ballbesitz ausgelegter Stil – ein Erbe der Ära van Gaal. Vor zwei Jahren noch gelobt, vor einem Jahr verflucht, hat sich das Spiel unter van Gaals Nachfolger Jupp Heynckes nicht nennenswert verändert. Tempofußball à la Borussia Dortmund sieht man in München nicht. Und auch der Fußball des FC Barcelona ist ein anderer, obwohl auch die Katalanen oft mehr als 60 Prozent Ballbesitz zu verzeichnen haben. Doch bei Barca geht es häufig von einer Sekunde auf die andere richtig schnell. Gepaart mit der herausragenden Ballsicherheit und Technik der Offensivakteure ist die Mannschaft von Pep Guardiola eine stetige Gefahr, die es jedem Gegner schwer macht. Bei den Bayern ist das viel zu selten der Fall, auch weil immer noch zu viel von individuellen Geistesblitzen von Ribéry und Robben abhängt.

Bayerns Problem: Keine Zeit für einen echten Umbruch

Bereits vor gut einem Jahr habe ich mich dazu ausgelassen, woran es bei Bayern München krankt: Die Führung will Erfolge UND attraktiven Fußball. Das ist keineswegs verwerflich. Vielmehr sollte es das Ziel jedes Vereins sein, schön und erfolgreich zu spielen. Doch auf dem Weg zu einem neuen, mitreißenden Stil duldet man in München keinen Misserfolg. Der Meistertitel wird in jedem Jahr zur Pflicht erklärt, doch immer wenn man einen Umbruch wagt, aber die Ergebnisse nicht gestimmt haben, zogen Rummenigge & Co. erfahrungsgemäß bereits nach wenigen Monaten die Reißleine.

Was folgte, war die „Rückbesinnung“ auf einen konservativeren Stil, den die Spieler kannten. Individuelle Klasse wurde so oft wieder in den Vordergrund gestellt, und in dieser Hinsicht ist man zumindest in Deutschland immer noch die Nummer eins. Doch mit dieser Strategie wird der FC Bayern auf lange Sicht immer wieder in eine Spirale der Unzufriedenheit geraten – und kritisches Außenstehende werden attestieren (müssen), dass das Spiel bzw. die Resultate in einem Missverhältnis zu den Investitionen in die Mannschaft stehen. Denn nimmt man den reinen finanziellen Input/Output als Maßstab, MUSS der FC Bayern eigentlich jedes Jahr Deutscher Meister werden – angesichts des individuell am besten besetzten Kaders und der entsprechend hohen Personalkosten.

Wenn man alle paar Jahre Meister wird, mag das den Verantwortlichen reichen. Doch wenn man wirklich in die internationale Spitze vordringen möchte, sollte man vielleicht wirklich einmal ein „echtes“ Übergangsjahr in Kauf nehmen – natürlich nur, wenn man einen Trainer findet, der den Mut zur Veränderung hat und von dessen Konzept man vollends überzeugt ist. Dann muss man in München „nur“ noch Geduld haben. Nichts schwerer als das…

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*