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Mai
21

Bayern verliert das CL-Finale – Pech, Dummheit oder falsche Spielidee?

Nun ist das eingetreten, was unbedingt verhindert werden sollte: Bayern München hat es Bayer Leverkusen gleichgetan und sich – wie die „Werkself“ vor zehn Jahren – das „Vize-Triple“ gesichert. Vor allem der Verlust der Champions League war unnötig. Unerklärlich war er aber nicht.

„Nichts ist scheißer als Platz zwei.“ (Eric Meijer)

Elfmeterschießen ist immer Roulette, keine Frage. Doch deutsche Mannschaften lebten jahrzehntelang von dem Nimbus, im Nervenspiel vom Punkt unschlagbar zu sein. Ebenso, wie Engländer in dieser Situation eigentlich keine Chance hatten. Am Samstag kam es anders. Auch in dieser Hinsicht stand das Champions League-Finale zwischen Bayern München und dem FC Chelsea auf dem Kopf. Doch bereits in den 120 Minuten davor war der FCB die eindeutig Ton angebende Mannschaft. Auch hatte Bayern mehr Torchancen, darunter diverse Hochkaräter wie der Robben-Schuss von halblinks, den Cech ans Lattenkreuz lenkte, den Gomez-„Elfmeter“ kurz vor Pause und den tatsächlichen Elfmeter, den Arjen Robben in der Verlängerung verschoss.

Hätte man dieses Finale zehn Mal gespielt, hätte der FC Bayern vermutlich acht Mal, wenn nicht gar neun Mal den Platz als Sieger verlassen. Chelsea war die schlechteste Mannschaft, die in den letzten zehn Jahren ein Champions League-Finale erreicht hat. Vermutlich wird es nie wieder so „einfach“ sein, den Henkelpott in einem Finale zu gewinnen. Einzig Didier Drogba – dem ich diesen Pokal tatsächlich gönne – und das fehlende letzte Quäntchen bei den Bayern haben den Triumph verhindert.

Woran es Bayern mangelt

ABER: So überlegen, wie es Spieler, Funktionäre und viele Medien nach dem Spiel darstellten, waren die Bayern auch wieder nicht. Allein mit „Pech“ oder „Schicksal“ lässt sich die Niederlage nicht erklären. Bayerns optische Überlegenheit rührte auch daher, dass Chelsea den Ball im Grunde gar nicht haben wollte. Die Londoner beschränkten sich darauf, den Mannschaftsbus vor dem Tor zu parken, und sie fuhren gut damit: In 120 Minuten nur vier, fünf echte Torchancen zuzulassen, ist ein guter Wert. Aber die Bayern haben es Chelsea auch einfach gemacht: Wer bei 20(!) Eckbällen nicht ein einziges Mal Torgefahr erzeugt – Denkanstoß für die Herren Kroos oder Robben: es gibt nicht nur die Variante „Hoch Richtung Fünfmeterraum“ – dem fehlt auch das nötige Quäntchen. Ebenfalls bemerkenswert ist die Langsamkeit, mit der die Bayern den Ball nach vorne trieben, wenn tatsächlich mal Platz da war. Toni Kroos und Bastian Schweinsteiger durchquerten das Mittelfeld mit dem Ball am Fuß wie Feldherren. Kein Wunder, nutzten die „Blues“ die Zeit doch lieber, um sich hinten zu sortieren. Nicht selten wurde so aus einer 3:3-Situation ein 3:8, die zweite Welle brachte dann nichts ein.

Bayerns Problem an Tagen, an denen kein schnelles Tor fällt, ist seit Jahren das gleiche: Die halbe Mannschaft steht, richten müssen es Geniestreiche der Flügelzange oder vielleicht hin und wieder mal ein Doppelpass. Die Bayern mögen den Ballbesitz beherrschen wie ganz wenige Mannschaften in Europa. Aber was sie nicht beherrschen, ist das Umschalten. Zur Verdeutlichung ein Beispiel: Was passiert, wenn der Ball in hohem Tempo bei Ribéry oder Robben landet? Die beiden Außen laufen ein paar schnelle Meter mit der Kugel und bleiben dann stehen, schlagen bevorzugt einen Haken nach innen und laufen entweder weiter (Beschleunigung aus dem Stand), spielen quer zu einem der nachrückenden Sechser oder suchen den hinterlaufenden Außenverteidiger. Bis dahin hat der Gegner aber gleich zwei bis drei Mann in Ballnähe postiert.

Jogi Löw hat nach der WM 2010 erkannt, dass die deutsche Nationalmannschaft mit schnellem Umschalten alleine wohl kaum einen großen Titel gewinnen wird. Also hat er in den letzten beiden Jahren den Schwerpunkt auf das Spiel mit dem Ball gelegt, um die optimale Balance zu schaffen und einen Plan B zu haben, wenn das schnelle Umschalten nichts nützt oder der Gegner einem einfach nicht den nötigen Raum gibt.

Die Bayern haben jedoch nur einen Plan A. Während andere Mannschaften in der Liga Standards und das schnelle Umschalten trainieren, um gegen Teams wie den FCB eine Chance zu haben, kultivieren die Bayern weiter ihre vermeintliche Stärke, den Ballbesitz und das Zirkulieren der Kugel. Dies verheißt immer eine optische Überlegenheit, doch das handballähnliche Spielen um den Strafraum herum mit „Halbgas“ reicht eben nicht immer, um einen gut stehenden Gegner in die Bredouille zu bringen. An Tagen wie dem 19. Mai 2012 wäre es hilfreich, auch einen Plan B in der Schublade zu haben.

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