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Jan
16

Being Pep Guardiola – Wie entscheidet sich der begehrteste Trainer der Welt?

Eigentlich legt Pep Guardiola gerade ein Sabbatjahr ein. Eigentlich. Denn kaum ein Tag vergeht, an dem der einstige Star-Trainer des FC Barcelona nicht angeblich kurz vor der Unterschrift bei einem europäischen Spitzenklub steht. Dabei ist der Kreis der realistischen Anwärter auf eine Verpflichtung des Katalanen ziemlich überschaubar.

Nicht ein Spieler, sondern ein Trainer ist derzeit die heißeste Ware im Weltfußball: Pep Guardiola, unter dessen Anleitung der FC Barcelona vier Jahre lang nahe an der Perfektion spielte und in dieser Zeit 14 Titel gewann, wird derzeit fast von einer Aura des Überirdischen umgeben. Die Tatsache, dass der 41-Jährige derzeit ein „Free Agent“ ist, macht ihn noch einmal begehrter – zumal er seinen Status nicht durch schlechte Ergebnisse ruinieren kann.

Philosophie vor Geld

Guardiola weiß natürlich um seinen Wert. Mit Leichtigkeit könnte er zum bestverdienenden Sporttrainer aller Zeiten werden. Dazu müsste er nur einen Vertrag beim FC Chelsea, Manchester City, Paris St. Germain oder Anschi Machatschkala unterzeichnen. Andere Trainer von Weltrang würden in Guardiolas Situation vielleicht so entscheiden. Beim Katalanen ist die Sache aber ein wenig anders gelagert.

Immerhin trägt der frühere Mittelfeldstratege und Lieblingsschüler von Johan Cruyff nicht von ungefähr den Spitznamen „der Philosoph“. Für Guardiola ist Geld nicht das Hauptargument, um bei einem neuen Klub anzuheuern. Vielmehr ist der Mann, der drei Viertel seines Lebens unter dem Dach des FC Barcelona verbracht hat, ein bekennender Freund gewachsener Strukturen. Und die gibt es bei den genannten neureichen Klubs (noch) nicht.

Guardiolas Anforderungskatalog

Die Wünsche Guardiolas sind komplexer. Neben Finanzkraft und einer nachhaltigen Strategie spielt sicherlich auch die Vereinstradition eine Rolle. Das wichtigste Argument dürfte aber ein technisch und taktisch geschulter, eingespielter, international konkurrenzfähiger und trotzdem noch entwicklungsfähiger Kader sein. Klammert man den FC Barcelona aus, zu dem Guardiola gewiss nicht allzu bald zurückkehren wird, muss nach logischem Ermessen der FC Bayern München der realistischste Kandidat für eine Guardiola-Verpflichtung sein.

Es kann eigentlich nur Bayern sein

In München herrscht in der Vereinsführung eine Konstanz vor, wie man sie bei keinem anderen europäischen Spitzenklub findet: Uli Hoeneß lenkt den Verein bereits seit 1979, Karl-Heinz Rummenigge ist 1991 in die Klubspitze vorgedrungen. Der FC Bayern ist ferner der wirtschaftlich gesündeste Fußballverein der Welt. Er besitzt eine Top-Infrastruktur und einen über Jahre gewachsenen Kader, in dem derzeit sieben Spieler stehen, die bereits für die Bayern-Jugend aufgelaufen sind. Unter Sportdirektor Matthias Sammer hat das Bestreben, die Mannschaft Jahr für Jahr mit weiteren jungen Spielern zu ergänzen und zu verstärken, noch einmal zugenommen.

Zwei Champions-League-Finalteilnahmen in den letzten drei Jahren belegen außerdem, dass die Mannschaft bereits zur absoluten Spitze in Europa gehört. Der Altersdurchschnitt (26 Jahre; kein Stammspieler ist älter als 29) legt außerdem nahe, dass einige Spieler ihren Zenit noch nicht erreicht haben. Seit der Ära van Gaal praktiziert der FC Bayern zudem einem Fußballstil, den man als „Barcelona light“ bezeichnen könnte. Viele der gut ausgebildeten Akteure hätten sicherlich das Rüstzeug, den verschärften Stil à la Guardiola zu erlernen.

Zwei Haken: Sprachbarriere + Herausforderung Premier League

Neben seinen Muttersprachen Spanisch und Katalanisch spricht Guardiola bekanntermaßen gut Englisch und – seit seiner Zeit bei Brescia und AS Rom (2001-03) – auch sehr passabel Italienisch. Wie es um seine Deutschkenntnisse steht, ist nicht bekannt. Hat er während seines Sabbatjahrs neben seinen Wirtschaftskursen auch heimlich Deutsch gepaukt? So oder so dürfte Guardiola die Sprache nicht so gut beherrschen, dass die Spieler seine Vorgaben zweifelsfrei verstehen. Und seit dem Experiment mit Giovanni Trapattoni (Bayern-Trainer 1994/95 und 1996-1998) dürften die Bayern-Bosse von der Idee kuriert sein, einen Trainer einzustellen, der permanent auf einen Dolmetscher angewiesen ist. In den US-Sportarten, wie Basketball oder Eishockey ist es zwar mittlerweile auch in der BBL oder DEL gang und gäbe, dass Englisch die erste Sprache im Team ist, doch diese Tradition gibt es im Fußball nicht. Deswegen wäre die Sprachbarriere ein dicker Haken.

Hinzu kommt ein zweiter Faktor: Obwohl die Bundesliga auch im Ausland wieder einen exzellenten Ruf genießt, versprüht die englische Premier League für einen ausländischen Trainer nach wie vor das meiste Flair. Mit Manchester United, Manchester City, dem FC Chelsea, Tottenham, dem FC Arsenal und dem FC Liverpool vereint diese Liga gleich sechs Vereine mit großer Tradition, großem Geldbeutel und großen Ambitionen. Zwar ist vor allem bei Liverpool und Arsenal der Name seit ein paar Jahren größer als die Qualität, und Tottenham ist noch nicht in die absolute Spitze vorgedrungen, doch der Reiz des englischen Fußballs ist unbestritten groß.

Kopf gegen Herz?

Folgt Pep Guardiola seinem Verstand, kann sein nächster logischer Verein eigentlich nur Bayern München heißen – wenn beide Seiten einander denn wollen. Folgt er seinem Fußballherzen, wird es ihn wohl in die Premier League ziehen.

Allerdings kann man sich fragen, welche der sechs genannten Adressen die „richtige“ wäre: Tottenham und Liverpool werden es sicherlich nicht werden. Manchester City und Chelsea würden Guardiola sofort nehmen, doch beide Vereine stehen eigentlich für Dinge, die Guardiola zuwider sein dürften. Hinzu kommt bei beiden Klubs die mangelnde Geduld ihrer Besitzer.

Manchester United und der FC Arsenal sind aus meiner Sicht die Adressen in England, die am ehesten zu Guardiola passen würden. Allerdings besitzen beide Vereine mit Sir Alex Ferguson bzw. Arsène Wenger zwei Trainer, die eigentlich unkündbar sind. Doch das muss nicht unbedingt etwas bedeuten: Ferguson schiebt seinen Ruhestand zwar Jahr für Jahr hinaus, doch wer weiß, wie er reagieren würde, wenn plötzlich der „perfekte“ Nachfolger bereit stünde (wobei nicht wenige glauben, dass der José Mourinho heißt). Und der FC Arsenal ist die englische Mannschaft, die fußballerisch wie auch von der Vereinsausrichtung her am ehesten zu Guardiola passen würde. Hinzu kommt, dass Coach Wenger derzeit so heftig in der Kritik steht wie nie zuvor in seiner fast 17-jährigen Amtszeit.

Keine Chance für Milan, PSG und den Rest der Welt

An ein Guardiola-Engagement in Italien sollte man keinen Gedanken verschwenden: Die Stadien sind marode und bestenfalls halb gefüllt, in der Nachwuchsarbeit hinkt man deutlich hinter Spanien und Deutschland her, selbst die Top-Vereine Juve, Milan und Inter sind finanziell angeschlagen und besitzen auch nicht mehr über die sportliche Substanz.

Paris St. Germain mag viel Geld und große Visionen haben, zu denen der Name Pep Guardiola wie die Faust aufs Auge passen würde. Doch dem Verein fehlt – ähnlich wie Chelsea und ManCity – eine gewachsene Philosophie. Ferner ist die französische Liga reizlos. Das können auch Geld, das Flair der Weltstadt und die wenigen „Feiertage“ in der Champions League nicht aufwiegen. Last but not least: In Paris gibt es bereits einen König, und der heißt Zlatan Ibrahimovic. Der Schwede spielte von 2009 bis 2010 unter Guardiola bei Barcelona und ist vermutlich das größte Argument, warum Paris und Pep nicht zusammenfinden werden. Alle anderen Anwärter, z.B. Anschi Machtschkala, die allein das Geld in den weitesten Kandidatenkreis befördert, haben keine Chance. Und dass ein Guardiola-Engagement bei Real Madrid ausgeschlossen ist, versteht sich wohl von selbst…

1 Kommentar

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  1. zanezd sagt:

    Ich persoenlich halte die Verpflichtung fuer eine grossartige Sache.
    Die Pokalsammlung mit dem FC Barcelona mal Aussen vor gelassen, hat er sich immer als Sportsmann praesentiert – war immer fair und behielt immer die Nerven (was mit Mourinho als stetigem Hetzer durchaus Respekt verdient).

    Chapaeu FC Bayern!

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