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Nov
11

Boring, Boring, Bayern

Quasi im Vorbeigehen hat Bayern München einen weiteren Bundesliga-Rekord aufgestellt: Seit 37 Spielen ist der Triple-Sieger der Vorsaison nun ungeschlagen. Die Routine, mit der die Elf ihre Erfolge erringt, erinnert immer mehr an den FC Barcelona unter Pep Guardiola. Gegner und Spielverläufe werden austauschbar, die große Emotionalität ist abhandengekommen.

Irgendwie ist es typisch für den Sport, dass Spitzenleistungen in Serie zu ihrer Zeit als langweilig und erst rückblickend als großartig angesehen werden. Man frage mal die Formel-1-Fans weltweit, ob sie in der Ära von Michael Schumacher besonders viel Freude hatten oder ob ihnen die aktuelle Dominanz von Sebastian Vettel Spaß bereitet.

Im Fußball ist es nicht anders. Allgemeine Bewunderung schlägt einer Mannschaft nur während ihres Aufstiegs und während ihrer ersten Erfolge entgegen. Sobald Siege und Titel aber selbstverständlich werden und scheinbar mit einem Bruchteil des maximalen Einsatzes errungen werden, geht nur noch eisenharten Anhängern das Herz auf.

Der Preis des Erfolgs

In diesem Kontext muss man vermutlich auch die Darbietungen des FC Bayern München in der laufenden Saison sehen. Die Mannschaft beeindruckt nicht mehr wie im Vorjahr, sie gewinnt aber trotzdem. Das Team hat auch keinen festen Stamm und kein festes System mehr, was während einzelner Spiele immer wieder konfus erscheint, aber letztlich nur die großen fußballerischen und taktischen Möglichkeiten der „Roten“ widerspiegelt. Allein die Münchner sind aktuell in der Lage, immer wieder Korrekturen vorzunehmen – auch teilweise wieder zurückzunehmen – und trotzdem zu siegen.

Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp hat in der Vorwoche englischen Journalisten Antworten auf alle erdenklichen Fragen des Lebens gegeben. Neben verschiedenen Banalitäten philosophierte er auch über die Faszination des Fußballs und sprach wahre Worte: „Wie ist das, wenn du nicht alles geben musst und trotzdem gewinnst? Irgendwie langweilig.“

Abgeklärtheit begeistert nicht

Zwar muss man nicht alles gut finden, was der „Brettbohrer“ vom Borsigplatz von sich gibt, aber in diesem Fall hat er die Lage des FC Bayern perfekt skizziert. Klopp vertiefte im weiteren Verlauf seinen Gedanken, erklärte, dass guter Fußball für den Zuschauer immer mit maximalem Aufwand verbunden sein müsse und führte als Gegenbeispiel die „Abgeklärtheit der Siege des FC Barcelona“ aus den letzten Jahren an.

Der FC Bayern schickt sich an, den gleichen Stempel wie die Blaugrana während ihrer Ära der Dominanz zu erhalten. Den gleichen Trainer haben sie ja bereits. Nun können die Münchner nichts dafür, dass sie auch ihre nicht-perfekten Spiele gewinnen. Aber man würde sich wünschen, dass sie diese häufiger zeigen müssten. In der Champions League wird diese Qualität erst im Frühjahr gefordert sein – in der Bundesliga aber womöglich schon am nächsten Spieltag in Dortmund.

Der BVB ist allerdings aufgrund des Kreuzbandrisses von Neven Subotic langfristig geschwächt. Und anders als die Münchner kann sich die Borussia (noch) keine nicht-perfekten Spiele leisten, um zu gewinnen. Das mag der Grund sein, warum der Großteil der Republik in diesem Duell den Schwarz-Gelben und nicht den Bayern die Daumen drückt. Die müssen sich damit anfreunden, dass es an der Spitze oft ziemlich einsam ist. Die große Bewunderung der Masse kommt erst, wenn Philipp Lahm grau und Bastian Schweinsteiger noch grauer ist.

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