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Jan
07

Brauchen wir eigentlich noch eine Winterpause?

Anfang Januar, trübes Wetter, ständige Dunkelheit – und kein Bundesliga-Fußball. Schlimmer kann es kaum kommen. Wenn man bedenkt, dass in Spanien nur eine zweiwöchige Weihnachtspause eingelegt wird, in Italien ganz normal weitergespielt wird und in England zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag die Schlagzahl traditionell sogar noch erhöht wird, kann man sich schon fragen, wieso wir in Deutschland überhaupt eine Winterpause haben. Ich sage: Weg damit!

Wo laut Kalender Winter sein sollte, herrscht Herbsttristesse bei bis zu 10°C am Tag und Schmuddelwetter. Bei den aktuellen Bedingungen in Deutschland muss niemand in den Süden reisen, um Fußball spielen zu können. Und doch ruht in der Bundesliga und im DFB-Pokal gerade der Ball.

Winterpause: Wettbewerbsvorteil im Frühling und Sommer?

Gerade in WM- und EM-Jahren wurde es der deutschen Nationalmannschaft oft als Vorteil ausgelegt, dass die Liga im Winter komplett ruht und die Spieler zwischen Weihnachten und Neujahr Zeit zur Erholung haben. Doch zum einen ist das nur ein Argument, wenn bei ein und demselben Turnier die Spanier schwächeln (passiert vermutlich nie wieder) oder die Engländer (passiert immer) oder die Italiener (passiert viel zu selten). Insofern ist nicht davon auszugehen, dass der deutsche Fußball aus Wettbewerbsgründen auf die Winterpause angewiesen ist.

Wann wurde die Winterpause überhaupt eingeführt?

Die Bundesliga war schon längst „volljährig“, als der DFB in der Saison 1986/87 die Winterpause einführte. In den ersten 23 Jahren der eingleisigen Eliteliga wurde gnadenlos durchgespielt. Nicht selten fanden zwischen Weihnachten und Neujahr Spiele statt. Auch die deutsche Nationalmannschaft war bis in die Achtziger Jahre hinein regelmäßig an Silvester oder an Neujahr im Einsatz.

Warum wurde die Winterpause eingeführt?

Zugige Stadien mit Laufbahn, in denen bestenfalls Teile der Haupttribüne überdacht waren; schneebedeckte, nicht mal halbvolle Ränge; Rasenflächen ohne Rasenheizung – so sah Erstligafußball im deutschen Winter bis in die späten Achtziger hinein aus. Dass man damals aufgrund diverser witterungsbedingter Spielabsagen in den Monaten Dezember, Januar und Februar eine Winterpause einführte, ist durchaus zu verstehen. Doch heutzutage fällt aufgrund schlechten Wetters kaum noch ein Erstligaspiel aus (das passiert nur noch unterhalb der zweiten Liga, und dort hat man diesem Umstand im Spielplan bereits Rechnung getragen). Letztmals wurde in der Saison 1995/96 die Marke von zehn Spielabsagen in einer Bundesliga-Saison geknackt. Heute MUSS jeder Erstligist eine Rasenheizung besitzen, außerdem sind die weitläufigen Stadien von einst fast ausnahmslos zu kuscheligen Luxus-Arenen geworden.

Ich will meine „Droge“ auch im Winter!

Nüchtern betrachtet gibt es keinen Grund mehr, die Winterpause beizubehalten. Warum machen wir es dann nicht wie die anderen großen Ligen und spielen durch? Es muss ja keine Spiele an Heiligabend, am 1. Weihnachtstag, an Silvester oder Neujahr geben, doch ein Bundesliga-Knaller am 26. Dezember (analog zum „Boxing Day“ in England) würde die zuweilen anstrengenden Weihnachtstage für so manchen Fußballfan kurzweiliger erscheinen lassen. Auch an der Geschenkefront würde ein Ende der Winterpause Erleichterung bringen: Warum nicht ein Ticket für das Spiel am 26. Dezember verschenken? Die Stadien wären bestimmt restlos voll, und auch die Stimmung wäre ohne Zweifel einmalig. Allein die Kirchen und die eine oder andere besorgte Hausfrau dürfte etwas dagegen haben…

Aber ich will ja auch nicht zu viel auf einen Schlag fordern. Wegen mir kann gerne auch der 26.12. spielfrei bleiben. Aber die Samstage zwischen Neujahr und dem Rückrundenauftakt sind Jahr für Jahr eine Katastrophe. Da merkt man als Fußballfan erst, wie schön das Spiel mit dem runden Leder ist. Mit „Zweitverschwendung“ muss mir in Zeiten von „Deutschland sucht den Superstar“, dem „Winterfest der Volksmusik“ oder „Bauer sucht Frau“ jedenfalls keiner mehr kommen. In der Winterpause wird einem nämlich erst klar, dass der Samstag TV-mäßig außer der „Sportschau“ und den anderen Bundesliga-Sendungen im Pay- und Free-TV aber auch mal gar nix zu bieten hat… Außerdem ist es in Zeiten der Rundfunk-Haushaltspauschale wohl nicht zu viel verlangt, wenn man zumindest ein bisschen was Annehmbares für sein Geld erhält!

P.S.: Nur noch ein Wochenende der Schmacht ist zu überstehen, ab dem 18.1. rollt in der 1. Bundesliga der Ball wieder. Besser ist das!

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