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Aug
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Bundesliga-Check 2014/15: Meister Bayern – oder etwa nicht?

Vor zwei Jahren 25 Punkte Vorsprung, letzte Saison 19 – der FC Bayern scheint der Bundesliga-Konkurrenz meilenweit enteilt zu sein. Doch aktuell könnte Vieles besser laufen in München. Die Chance für die Konkurrenz, der Dominanz ein Ende zu machen? Alles zu den Favoriten der Saison 2014/15 in der Aktives-Abseits-Vorschau.

Bayern München (2013/14: Meister und Pokalsieger)

PLUS:

  • Neuzugang Robert Lewandowski stellt im Angriff noch einmal ein Upgrade gegenüber Vorgänger Mario Mandzukic dar. Auch hinter Keeper Manuel Neuer hat Bayern mit Pepe Reina einen bärenstarken Ersatzmann installiert.
  • Der Kader ist noch breiter aufgestellt. Neben Lewandowski oder Juan Bernat kommt auch der Nachwuchs wieder auf (Gaudino, Scholl). Zudem ist in Holger Badstuber ein früherer Klasse-Verteidiger nach 20 Monaten Verletzungspause wieder im Saft.
  • Die Mannschaft sollte die Philosophie von Trainer Pep Guardiola im zweiten Jahr noch besser umsetzen können. Das Spiel dürfte noch variabler werden. Die Umstellung auf Dreierkette ist nur ein Indiz.

MINUS:

  • Müde Weltmeister: Bereits 2006/07 und 2010/11 zahlte der FCB in der Liga die Zeche für die WM. Der Rückstand war schon nach einem Saisondrittel groß, konnte im Verlauf nicht mehr aufgeholt werden.
  • Der Verlust von Toni Kroos: In WM-Form ist der neue Real-Star einer der besten Spielmacher der Welt. Hätte mit einem besseren Angebot (Geld = Wertschätzung) vermutlich gehalten werden können. Er wird als Mann des vorletzten bzw. drittletzten Passes fehlen.
  • Der Kreuzbandriss von Javi Martinez: Ein neuer Verteidiger muss her und wird wohl auch zeitnah kommen (Benatia? Godin?).
  • Auch die Verletzungen von Bastian Schweinsteiger und Thiago wiegen schwer. In der Mittelfeldzentrale fehlen zwei wichtige Köpfe bis auf weiteres. Vor allem die Patellasehnenprobleme von Schweinsteiger sind nicht ohne. Guardiola hat bereits angekündigt, dass man bis zum Winter aufgrund der angespannten Lage nur Ergebnisse zählen.
  • Ist die Mannschaft satt? Viele Spieler im Kader sind bereits Champions-League-Sieger, ein Sextett nun dazu auch Weltmeister. Die Erfolge der letzten Jahre könnten den Hunger etwas gestillt haben.

TIPP: Bayern ist trotz aller Widrigkeiten Meisterschaftsfavorit. Doch das Rennen wird im Interesse der Spannung endlich wieder offener.

Borussia Dortmund (2013/14: Vize-Meister)

PLUS:

  • Der Kader ist so breit aufgestellt wie nie. Adrian Ramos und Ciro Immobile sollen und können – zumindest mit vereinten Kräften – Robert Lewandowski ersetzen. Matthias Ginter schafft Alternativen in der Abwehr, ebenso wie die Wiedergenesung von Neven Subotic. Der von seinem Kreuzbandriss wiedergenesene Kuba Blaszczykowski stellt das starke offensive Mittelfeld auf noch breitere Beine. Kurzum: Auf jeder Position tobt ein Konkurrenzkampf wie nie.
  • Die berühmte zweite Saison: Henrich Mchitarjan und Pierre-Emerick Aubameyang sind im zweiten Jahr unter Trainer Jürgen Klopp. In der Vergangenheit haben viele BVB-Spieler dann erst richtig gezündet (u.a. Lewandowski). Sollte das erneut passieren, besäße die Borussia eine Offensiv-Maschine.
  • Hunger: Nach zwei Jahren ohne Titel soll der Appetit endlich wieder gestellt werden. Die Mannschaft wird in jedem Spiel brennen.
  • Die fünf BVB-Weltmeister dürften frischer sein als die der Bayern, weil außer Mats Hummels kein Akteur in Brasilien Stammspieler war.

MINUS:

  • Das Wechsel-Theater um Marco Reus könnte zur Belastung werden. Der verletzungsbedingt verhinderte Weltmeister wird im Verlauf der Saison eine Entscheidung über seine Zukunft treffen müssen: verlängern oder gehen. Bis dahin werden die Giftpfeile zwischen Dortmund und München fliegen.
  • Die Inkonstanz: In den Meisterjahren 2011 und 2012 war der BVB ein Muster an Beständigkeit. In den vergangenen beiden Spielzeiten gingen aber immer wieder Spiele gegen vermeintlich schwächere Gegner verloren. Wer Meister werden will, darf sich das nicht erlauben.

TIPP: Dortmund ist wieder einmal erster Bayern-Verfolger. Ein Top-Start und ein Punktepolster auf den FCB wäre Gold wert – auch im Wettbieten um Reus.

FC Schalke 04 (2013/14: Dritter)

PLUS:

  • Die Neuzugänge Eric Maxim Choupo-Moting und Sidney Sam machen den Angriff flexibler.

MINUS:

  • Trotz der besten Rückrunde der Vereinsgeschichte ist die Diskussion um Trainer Jens Keller nach dem Pokal-K.O. in Dresden schon wieder aufgebrandet. Der Coach wird auf Schalke wohl nie wirklich sicher im Sattel sitzen – zumal in Thomas Tuchel ein Schattentrainer bereit stünde.
  • Knatsch und Eitelkeiten: Boateng, Draxler und Meyer wollen auf der Zehn spielen, doch nur einer wird dies dürfen. Das Teamgebilde könnte wackeln – erst recht, wenn der Start misslingt.

TIPP: Erneut keine Chance im Rennen um die Meisterschaft. Es könnte wieder eine turbulente Saison in Gelsenkirchen werden. Die Qualifikation für die Champions League ist mit diesem Kader und gemessen am wirtschaftlichen Einsatz aber Pflicht.

Bayer Leverkusen (2013/14: Vierter/CL-Quali)

PLUS:

  • Unter dem neuen Trainer Roger Schmidt spielt Bayer wieder offensiver. Vorbei das 4-3-2-1-Sicherheitssystem von Sami Hyypiä, Leverkusen setzt nun entweder auf zwei klare Spitzen oder einen Dreiersturm.
  • In Josip Drmic ist nach Jahren wieder ein zweiter starker Mittelstürmer im Kader, der Alleinunterhalter Stefan Kießling entlasten kann. Neuzugang Hakan Calhanoglu ist zwar als Typ streitbar, aber fußballerisch eine Bereicherung. Die Talente Julian Brandt und Levin Öztunali stehen ebenso vor dem Durchbruch wie Rückkehrer Karim Bellarabi.

MINUS:

  • Die Defensive bleibt das große Fragezeichen. Bayer hat in Tin Jedvaj, Kyrgiakos Papadapoulos und Wendell kräftig nachgebessert. Breiter ist die Viererkette nun – aber auch besser?

TIPP: Bayer hat das Zeug, an Schalke vorbeizuziehen und den Abstand auf Bayern und Dortmund zu verkürzen.

VfL Wolfsburg (2013/14: Fünfter/Europa League)

PLUS:

  • Das Projekt „Rückkehr an die nationale Spitze“ nimmt kontinuierlich Formen an. Eineinhalb Jahre strategischer Arbeit unter dem Führungsduo Trainer Dieter Hecking/Sportvorstand Klaus Allofs tragen auch auf dem Platz immer mehr Früchte.
  • Aaron Hunt verstärket das ohnehin überdurchschnittlich besetzte offensive Mittelfeld, Sebastian Jung sollte als neuer Rechtsverteidiger gesetzt sein.

MINUS:

  • Der VfL ist als Spätstarter in die Saison bekannt und musste sich zuletzt oft auf eine starke Rückrunde verlassen. Will man mehr als Platz fünf erreichen, muss das Team aber direkt in die Spielzeit finden.
  • Der angekündigte Sturmkracher fehlt. Kaliber wie Lukaku oder Morata gingen nach Everton und Turin, für den VfL blieb in Nicklas Bendtner nicht mehr als eine „Verlegenheitslösung“ – und das ist höchst euphemistisch ausgedrückt: Vielmehr ist „Lord Bendtner“ eine Skandalnudel mit geringer Torquote. Zudem mit 26 Jahren längst kein Talent mehr. Der Däne hat in Wolfsburg wohl seine (nächste) letzte Chance.

TIPP: Das Potenzial für Platz vier ist da – mindestens. Doch dafür darf die Entwicklung der letzten 18 Monate nicht ins Stocken geraten.

Borussia Mönchengladbach (2013/14: Sechster/EL-Quali)

PLUS:

  • Die von Trainer Lucien Favre so geschätzte Breite im Kader wurde noch einmal verbessert. In André Hahn, Fabian Johnson, Thorgan Hazard und Ibrahima Traoré sind für kleines Geld taktisch gut geschulte, vielseitige Spieler dazu gekommen.
  • Gladbach ist im Kern zusammengeblieben, die Entwicklung der Mannschaft dürfte fußballerisch weiter voranschreiten.

MINUS:

  • Der Abgang von Torhüter Marc-André ter Stegen zum FC Barcelona ist zumindest für den Moment eine Schwächung. Nachfolger Yann Sommer besitzt zwar große Möglichkeiten, zeigte aber in der Vorbereitung mehrfach flatternde Nerven.
  • Die unmittelbare Konkurrenz aus Wolfsburg und Leverkusen hat größere finanzielle Möglichkeiten und könnte im Winter bequem nachlegen. Die mit Bedacht wirtschaftenden Gladbacher sind damit indirekt im Nachteil.

TIPP: Schaut man auf die Tabelle der Vorsaison, dürfte von den Plätzen 7 bis 18 allenfalls Hoffenheim der Borussia kurzfristig gefährlich werden können. Nach oben scheint allerdings ebenso wenig zu gehen. Gladbach sollte sich erneut für die Europa League qualifizieren können.

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