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Aug
07

Bundesliga-Check 2015/16: Bremen, Mainz, Köln

Die 53. Bundesliga-Saison steht vor der Tür. Im dritten Teil der Aktives-Abseits-Saisonvorschau 2015/16 widme ich mich Werder Bremen, dem FSV Mainz 05 und dem 1. FC Köln. Geht diese Saison für diese Klubs mehr als ein Mittelfeldplatz – oder muss der Blick sogar Richtung Abstiegszone wandern?

 

Werder Bremen: Sammeln nach dem Di-Santo-Schock

Eigentlich war in Bremen alles für einen langsamen, aber beständigen Aufschwung angerichtet: Trainer Viktor Skripnik hat seit seiner Inthronisierung im vergangenen Herbst aus einem verunsicherten Abstiegsanwärter ein Team mit leisen Europapokalhoffnungen geformt. 39 Punkte aus 23 Spielen unter dem Ukrainer waren ebenso ein Pfund wie der sechste Platz in der Rückrundentabelle.

Selbst den Verkauf von Nachwuchsstürmer Davie Selke für acht Millionen Euro an den ambitionierten Zweitligisten RB Leipzig konnten die klammen Bremer gut verkraften. Immerhin schien der Rest des Kerns zusammenzubleiben, und in Anthony Ujah vom 1. FC Köln wurde für etwa die Hälfte der Selke-Ablöse ein fertiger Ersatzmann gefunden, der mit seinem körperlichen Spiel wie geschnitzt schien als Sturmpartner des technisch beschlagenen Torjägers Franco di Santo (13 Tore in der Vorsaison). Allein der Argentinier machte den Grün-Weißen einen Strich durch die Rechnung, verabschiedete sich per Ausstiegsklausel kurz vor Saisonstart für sechs Millionen Euro zu Schalke 04.

Aus der Verlegenheit heraus musste Werder seinen wohl wichtigsten Spieler – neben dem österreichischen Regisseur Zlatko Junuzovic – ersetzen. Die Wahl fiel auf den international weitgehend unbekannten US-Amerikaner Aron Johannsson (AZ Alkmaar/5 Millionen Euro Ablöse). Wie schnell sich das neue Sturmduo Ujah/Johannsson findet, dürfte von entscheidender Bedeutung für die Durchschlagskraft der ansonsten stabilen und eingespielten Mannschaft werden. Lediglich in Rückkehrer Felix Wiedwald (Eintracht Frankfurt) dürfte in weiterer Neuer in das Korsett der Vorsaison eindringen und sich einen Stammplatz sichern.

Interessante Spieler: Die Neuzugänge sind die spannendsten Personalien an der Weser. Wiedwald war in Frankfurt ein starker Ersatz für den verletzten Kevin Trapp und dürfte die fast chronischen Torwartprobleme an der Weser lösen. Ujah spielte eine starke Vorbereitung, stößt aber fußballerisch auf Top-Niveau an seine Grenzen. Johannsson, dem in den vergangenen beiden Spielzeiten in der Eredivisie 26 Tore gelangen, ist gleich in doppelter Hinsicht eine Unbekannte: Wie schnell integriert sich der zwölfmalige US-Nationalspieler nach Gold-Cup und kurzer Vorbereitung in das Team? Wie lange benötigt er, um sich an die Bundesliga zu gewöhnen?

Prognose: Die Mechanismen funktionieren – zumindest im Defensivbereich. Werder ist hinten nicht ganz mehr so offen wie in der späten Ära Thomas Schaaf sowie unter Robin Dutt. Die Offensive dürfte durch den Verlust von Di Santo aber zunächst geschwächt sein. Für den Europacup kann es daher nicht reichen. Bremen stabilisiert sich unter Skripnik aber weiter und landet im gesicherten Mittelfeld.

 

Mainz 05: Als Fischschwarm gegen den personellen Aderlass

Shinji Okazaki, der Mainzer Toptorjäger der vergangenen beiden Spielzeiten mit 27 Toren? Für 11 Millionen Euro zu Leicester City! Johannes Geis, der 21 Jahre junge Takt- und Ideengeber? Für 12 Millionen Euro zu Schalke! Kapitän und Abwehrchef Nikolce Noveski? Schluss mit 36! Keine Frage, die Sommerpause war für Mainz 05 finanziell ertragreich, bedeutete aber auch den Verlust von drei Korsettstangen, ja quasi einer Achse.

Für die Mainzer, die noch ein Stadion abzubezahlen haben, ist dieses Geld allerdings Gold wert – ungeachtet des Vermarkter-Deals mit Infront über geschätzte 250 Millionen Euro für zehn Jahre, der am Freitag abgeschlossen wurde. „Bei Anruf aus England gibt es Zuschlag“, beschrieb Manager Christian Heidel lapidar, welchen Mechanismen die kleinen Rheinhessen unterliegen. Auch im Falle von Geis konnte der Klub, dessen Personaletat im Bereich von 20 Millionen liegt, bei einem zweistelligen Ablöseangebot schlicht nicht nein sagen.

Den personellen Verlust versucht Trainer Martin Schmidt, der die 05er nach dem 21. Spieltag vom glücklosen Kasper Hjulmand übernahm, wie sein Vor-Vorgänger Thomas Tuchel mit aggressivem Spiel zu kompensieren. „Wir wollen wie ein Fischschwarm gegen den Ball agieren, uns viel bewegen, aber dabei immer eng beieinander stehen und ruckartig umschalten“, umriss der Schweizer seine taktischen Vorstellungen.

Diese mit Leben füllen soll unter anderem der Schweizer Nationalspieler Fabian Frei (FC Basel/3,6 Millionen Euro), der für den Geis-Part vorgesehen ist. Für die Okazaki-Rolle wurden in dessen japanischem Landsmann Yoshinori Muto (FC Tokyo/2,8 Millionen Euro) und Florian Niederlechner (1. FC Heidenheim/2 Millionen Euro) gleich zwei Spieler verpflichtet. Der beim Hamburger SV nach seiner schweren Knieverletzung aussortierte Rechtsaußen Maximilian Beister (24) könnte zum Glückgriff werden.

Interessante Spieler: Torhüter Loris Karius (22) hat eine bärenstarke Saison hinter sich und dürfte bei Wiederholung im kommenden Sommer endgültig ein Kandidat für einen Topverein sein. Neuzugang Frei ist als Relaisstation im Mittelfeld gleich in seinem ersten Jahr in der Verantwortung. Beister hat das Zeug, zum Rückkehrer der Saison zu avancieren, sofern er gesund bleibt und wieder zu alter Form findet.

Prognose: Mit der bekannten Besonnenheit von Präsident Harald Strutz und Manager Heidel wird man in Mainz auch bei einer eventuellen Negativserie nicht in Panik verfallen. Die Qualität des Kaders reicht im bereits siebten Erstligajahr in Folge sicher zum Klassenerhalt. Das Wiederholen des elften Platzes der Vorsaison wäre allerdings ein Erfolg.

 

1. FC Köln: Der nächste Schritt steht an

In der Hinrunde bärenstark in der Fremde, in der Rückrunde zuhause ungeschlagen. Dazu defensiv sehr stabil mit 13 zu-Null-Spielen bei insgesamt lediglich 40 Gegentoren. Die Vorjahresbilanz des 1. FC Köln liest sich beinahe wie die Performance eines Europapokalteilnehmers – davon war der erste Bundesliga-Meister nach dem fünften Aufstieg in die erste Liga allerdings weit entfernt: Weil Trainer Peter Stöger den Schwerpunkt auf die defensive Balance legte und zudem die Offensivspieler des Öfteren ideenlos agierten, sprangen lediglich 34 eigene Treffer heraus. Das soll im zweiten Jahr besser werden.

„Wir wollen schrittweise unser Spiel in der Offensive entwickeln, dürfen dabei aber die Kompaktheit nicht verlieren“, umriss Stöger seine Ideen für die neue Spielzeit. Zwar verlor der FC in Kevin Wimmer (Tottenham Hotspur/7 Millionen Euro) und Anthony Ujah (Werder Bremen/4,5 Millionen Euro) seinen Abwehrstabilisator und seinen gefährlichsten Angreifer, doch auf dem Transfermarkt reinvestierte Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke die Einnahme clever in junge Spieler mit großem Talent und hohem Wiederverkaufspotenzial.

Mit der Verpflichtung von Flügelflitzer Leonardo Bittencourt (Hannover 96/2,5 Millionen Euro) hatten die Kölner ihre Kaderplanung bereits Mitte Juli abgeschlossen. Zuvor wurden bereits Angreifer Anthony Modeste (1899 Hoffenheim/4,5 Millionen Euro), Mittelfeldspieler Milos Jojic (Borussia Dortmund/2,5 Millionen Euro) sowie die Innenverteidiger Dominique Heintz (1. FC Kaiserslautern/1,5 Millionen Euro) und Frederik Sörensen (Juventus Turin/2 Millionen Euro) verpflichtet. Allesamt Transfers, für die Köln auch aus der Branche einige Komplimente erhielt.

Hinzu kam die Leihe des österreichischen Angreifers Philipp Hosiner (Stade Rennes), der bereits im Winter kommen sollte. Damals wurde wurde beim Medizincheck allerdings ein Nierentumor entdeckt. Schlägt der frühere Torschützenkönig der österreichischen Liga – bei Austria Wien unter dem Trainer Stöger – ein, „wäre das fast schon zu viel Hollywood“, sagte Schmadtke.

Der Kader ist mittlerweile auch in der Breite so gut besetzt, dass auch der Verlust von Kapitän Miso Brecko, der zuletzt meist Reservist war, den Verantwortlichen keine Bauchschmerzen bereitete: Nach sieben Jahren wurde der 31-jährige Slowene für kleines Geld zum 1. FC Nürnberg abgegeben. Sorgen bereitet zunächst allein, dass Stöger nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Dominic Maroh und Mergim Mavraj in den Neuen Sörensen und Heintz zum Start lediglich zwei Innenverteidiger zur Verfügung hat.

Interessante Spieler: Horn ist auf dem Weg zu einem Klassekeeper. Linksverteidiger Jonas Hector ist binnen eines Jahres vom Zweitligaakteur zum Nationalspieler gereift. Die Neuen sind allesamt „Aktien“, deren Kurs noch steigen kann. Dazu haben die japanischen „Spätzünder“ Kazuki Nagasawa und Yuya Osako am Ende der abgelaufenen Saison Appetit auf mehr gemacht. Hosiner kann nur gewinnen.

Prognose: Der FC hat in den vergangenen beiden Spielzeiten in der Konstellation Stöger/Schmadtke plus Finanz-Geschäftsführer Alexander Wehrle sehr viel richtig gemacht. Im dritten Jahr der Zusammenarbeit soll ein weiterer kleiner Schritt nach vorn gemacht werden. Weil am Geißbockheim Unruhe nur noch ein Mythos vergangener Tage zu sein scheint und der Kader mehr spielerische Optionen bietet als in der Vorsaison, wird der FC erneut die Klasse souverän halten – und dabei gewiss mehr als 34 Tore erzielen.

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