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Aug
05

Bundesliga-Check 2015/16: Hannover, Stuttgart, Berlin

Die 53. Bundesliga-Saison steht vor der Tür. Im zweiten Teil der Aktives-Abseits-Saisonvorschau 2015/16 widme ich mich den Fast-Absteigern Hannover 96, VfB Stuttgart und Hertha BSC. Schaffen die früheren Europapokal-Teilnehmer den Turnaround oder wird der Abstiegskampf zum Dauerszenario?

 

Hannover 96: Der Sturm nach der Ruhe

Nach den Last-Minute-Klassenerhalt war die Lage eigentlich ruhig in Hannover: Trainer Michael Frontzeck erhielt einen Vertrag bis 2017, selbst der gefühlt schon entlassene Sportdirektor Dirk Dufner durfte seinen Kontrakt bis 2016 erfüllen.

Doch nicht mit Dufner, der das Vertrauen des allmächtigen Präsidenten offenbar schon lange nicht mehr gespürt hat: Nachdem alle Transferaktivitäten abgeschlossen waren, zog der 47-Jährige die Reißleine und erklärte am Dienstag seinen Abschied zum Ende der Transferperiode am 31. August.

Die Entwicklung des Vereins ist seit dem vierten Platz am Ende der Saison 2010/11 kontinuierlich rückläufig. In diesem Jahr scheinen die Roten trotz des schmerzhaften Verlustes von Kapitän Lars Stindl (per Ausstiegsklausel für drei Millionen Euro nach Mönchengladbach) auf dem Transfermarkt schlau agiert zu haben.

Der zum Rohrkrepierer mutierte Königstransfer Joselu, vor einem Jahr für fünf Millionen Euro geholt, wurde für acht Millionen Euro an Stoke City abgegeben. Dufner verjüngte zuletzt den Kader und verlieh dem Team durch die Transfers der Freiburger Oliver Sorg und Felix Klaus, der beiden Angreifer Mevlüt Erdinc (AS St. Etienne) und Charlison Benshop (Fortuna Düsseldorf) sowie der Talente Uffe Bech (Nordsjaelland/Dänemark) und Allan Saint Maximin (AS St. Etienne) mehr Qualität in der Breite.

Torhüter Ron-Robert Zieler zeigte sich zuletzt optimistisch, in der neuen Spielzeit nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. „Platz acht bis zwölf“ sei ein „realistisches Ziel“ für den Vorjahres-13, sagte der Weltmeister.

Interessante Spieler: Da muss man in Hannover lange suchen. Von Zieler abgesehen, hat Hannover nach Stindls Abgang keinen Spieler mehr, der eine Partie allein entscheiden kann. Anders ausgedrückt: Der Star ist die Mannschaft. Nach dem Zwischenhoch von 2010 bis 2012 unter dem Trainer/Manager-Gespann Mirko Slomka/Jörg Schmadtke ist den Roten jeglicher Glamour abhandengekommen.

Prognose: Die Vorbereitung verlief holprig, besonders in der Offensive hatte 96 noch viel Luft nach oben. Das Gebilde scheint immer noch instabil. Frontzeck gilt nicht zu Unrecht als Favorit auf die erste Trainerentlassung. Kurzum: Hannover spielt erneut gegen den Abstieg.

 

VfB Stuttgart: Auf der Suche nach der neuen Identität

In den vergangenen beiden Spielzeiten kam der VfB wie ein Chaosklub daher. Präsidium und Fans überwarfen sich in Fragen der Klub-DNA, sportlich brachten zahlreiche Trainerwechsel und eine strategielose Transferpolitik den Klub zweimal an den Rand der Zweitklassigkeit. Zweimal musste Huub Stevens als Retter einspringen. Mit Defensivfußball, viel Disziplin und eigenwilligen Menschenführungsmethoden schaffte der „Knurrer von Kerkrade“ die Rettung.

Unter seinem Nachfolger Alex Zorniger soll nun alles besser werden. Obwohl bereits 47 Jahre alt, ist Stuttgart für den gebürtigen Schwaben die erste Station in der ersten Liga. Zorniger eilt dabei aber der Ruf eines Trainers mit „junger“ Philosophie voraus: Der frühere Coach von RB Leipzig will in Stuttgart schnell, aggressiv und offensiv spielen lassen. Mit Vollgasfußball sollen Fans und Selbstvertrauen zurückgewonnen werden.

Auch wenn noch längst nicht alle Automatismen sitzen, ließ sich die Vorbereitung überraschend positiv an. Das harte Training, bei dem fast alle Aktionen mit und ohne Ball im Sprint absolviert werden, zahlte sich nicht zuletzt beim 4:2 am vergangenen Wochenende gegen in Bestbesetzung angetretenen englischen Spitzenklub Manchester City aus. Die Graue-Maus-Zeiten könnten der Vergangenheit angehören.

Der größte personelle Umbruch vollzog sich im Tor: Die umstrittene Nummer eins Sven Ulreich wechselte zu Bayern München, um sich mit 26 Jahren der Rolle als Nummer zwei zu fügen. Seinen Platz im Tor wird zunächst der Pole Przemislaw Tyton (28/Eindhoven) einnehmen, weil der von Borussia Dortmund verpflichtete Mitch Langerak (26) vorläufig verletzt ausfällt. Der ablösefrei engagierte Argentinier Emiliano Insua (26) könnte sich als echte Verstärkung für die Abwehr erweisen, die weiteren Neuen Lukas Rupp (24/Mittelfeld/Paderborn), der Tscheche Jan Kliment (21/Außenstürmer/Vysocina) und Philip Heise (24/Außenverteidiger/Heidenheim) dürften zunächst nur Ergänzungen sein.

Interessante Spieler: Nach langen Verletzungen waren Mittelfeldspieler Daniel Didavi und Mittelstürmer Daniel Ginczek am Ende der abgelaufenen Saison Garanten für den Klassenerhalt. Auch der schon als Flop abgestempelte Flügelspieler Filip Kostic spielt seit dem Frühjahr auf hohem Niveau. Nationalverteidiger Antonio Rüdiger hat mit dem Klub wohl schon abgeschlossen, will weiter wechseln. Seine Knieverletzung könnte dem 22-Jährigen aber einen Strich durch die Rechnung machen. Wer kauft schon einen verletzten Spieler? In Insua steht ein starker Partner bzw. Nachfolger bereit.

Prognose: Der VfB ist ganz schwer einzuschätzen. Zornigers Fußball kommt bei den Spielern an, auch die Ergebnisse der Vorbereitung machten Mut. Wenn alle Leistungsträger fit bleiben und der intensive Fußball des neuen Trainers nicht zu viel körperlichen Tribut fordert, könnte Stuttgart zu einer positiven Überraschung avancieren.

 

Hertha BSC: Dardai plant die sanfte Revolution

In der pulsierenden Hauptstadt Berlin war es in der Sommerpause ruhig, beinahe langweilig. Anders als so oft in der Vergangenheit setzte Hertha BSC auf eine Politik der ruhigen Hand. Beinahe unbemerkt legte Trainer Pal Dardai seinen „Zweitjob“ als Nationaltrainer Ungarns nieder, um sich nach der geglückten Bundesliga-Rettung ganz auf die Hertha zu konzentrieren. Seine bisherige Handschrift ist zumindest eine stabile Defensive: In 15 Spielen unter seiner Ägide kassierte das Team lediglich 14 Gegentore, fuhr mit dieser Taktik allerdings lediglich vier Siege ein.

Was Dardai nun plant, ist ein sanfter Umschwung hin zu mehr offensivem Risiko. Dafür sorgen sollen die beiden Neuen: Mittelfeld-Talent Mitchell Weiser (21/ablösefrei) brennt nach drei Jahren als Reservist bei Bayern München darauf, in der Bundesliga mehr als nur gute Ansätze zu zeigen. Der Berliner Königstransfer ist Mittelfeld-Stratege Vladimir Darida (24), der für 3,8 Millionen Euro von Absteiger SC Freiburg geholt wurde. Der laufstarke, zweikampfstarke und zugleich spielstarke Tscheche soll dem Spiel Dardais die nötige Balance verleihen.

Interessante Spieler: Neben den beiden Neuzugängen steht Spielmacher Alexander Baumjohann (28) im Fokus, der nach einer regelrechten Kreuzbandriss-Seuche seit 16 Monaten kein Bundesligaspiel mehr bestritten hat. Zudem lohnt es sich, ein Auge auf Angreifer Salomon Kalou zu werfen. Der Star-Einkauf des vergangenen Sommers enttäuschte mit nur sechs Toren und vielen pomadigen Vorstellungen – der Ivorer gelobte aber Besserung und stützte sich darauf, nun seine erste vollständige Vorbereitung in Berlin zu haben.

Prognose: Nach Platz 15 kann es für Berlin eigentlich nur aufwärts gehen. Der von Investor KKR subventionierte Verein hat sich bislang auf dem Transfermarkt zurückgehalten, könnte noch einmal nachlegen. Dennoch sind nur kleine Schritte nach vorn realistisch: Berlin landet im unteren Mittelfeld und sollte dabei immer ein Auge auf die Abstiegszone haben.

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