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Aug
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Bundesliga-Check 2015/16: Leverkusen, Augsburg, Schalke

Die 53. Bundesliga-Saison steht vor der Tür. Im fünften Teil der Aktives-Abseits-Saisonvorschau 2015/16 widme ich mich Bayer Leverkusen, dem FC Augsburg und Schalke 04. Dringt Leverkusen in die Phalanx der Top drei ein? Bestätigt der FCA seine Sensationssaison? Und erobert Schalke unter dem neuen Trainer André Breitenreiter die Herzen seiner Fans zurück?

 

Bayer Leverkusen: Der Kleine unter den Großen

Sechsmal in Folge für den Europapokal qualifiziert, davon viermal mindestens den Champions-League-Qualifikationsplatz erreicht – abgesehen von Rekordmeister Bayern München war keine Bundesligamannschaft in den vergangenen Jahren konstanter als Bayer Leverkusen. Und doch findet diese Konstanz unter den Fans kaum Anerkennung.

Es ist das alte Problem des „Pillenklubs“: Trotz guter Ergebnisse und ansehnlichen Fußballs fliegen die Sympathien in der Rheinregion eher den – zumindest in den letzten 20 Jahren erfolgloseren – Traditionsklubs 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach zu. Selbst bei Champions-League-Spielen gegen Top-Gegner wie den FC Chelsea war die 30.000 Zuschauer fassende BayArena nicht immer ausverkauft.

Das einzige Rezept der Leverkusener lautet, die Underdog-Rolle zu akzeptieren und einfach weiter zu machen. Die Aufgabe von Trainer Roger Schmidt ist es, die junge Mannschaft (Altersschnitt: 23,9 Jahre) auf Erfolgskurs zu halten.

Wie hat sich der Kader verändert? Nach Platz vier im Vorjahr hielten sich die Transferbemühungen bislang im Rahmen. Der Transfer des chilenischen Mittelfeldspielers Charles Aranguiz (26/Internacional Porto Alegre) ist immer noch nicht offiziell bestätigt, wird aber in den nächsten Tagen für rund zwölf Millionen Euro wohl vollzogen.

Im Schweizer Nationalspieler Admir Mehmedi (24/SC Freiburg/8 Millionen Euro Ablöse) stößt ein flexibler Stürmer zum Team, der Stefan Kießling entlasten soll. In der Defensive werden die Perspektivverpflichtungen Jonathan Tah (19/Hamburger SV/7,5 Millionen Euro) und André Ramalho (23/Red Bull Saltzburg) sofort wichtig, weil Abwehrchef Ömer Toprak wegen eines Sehnenrisses wohl bis zur Winterpause ausfällt. Last but not least hat sich Bayer mit Weltmeister Christoph Kramer (24) weitere Möglichkeiten im Mittelfeld geschaffen, nachdem Kramer jeweils zwei Jahre an den VfL Bochum und Borussia Mönchengladbach ausgeliehen war.

Auf Kramers Position im zentralen defensiven Mittelfeld ist allerdings auch Handlungsbedarf nötig, weil Kapitän Simon Rolfes (33) nach zehn Jahren bei Bayer seine Karriere beendete und Stefan Reinartz (26/ablösefrei nach Frankfurt) den Klub verließ. Ein herber Verlust ist der Abgang von Allrounder Gonzalo Castro (28/Borussia Dortmund/11 Millionen Euro), der glücklose Angreifer Josip Drmic (22) wurde für zehn Millionen Euro an Borussia Mönchengladbach verkauft.

Alles in allem dürfte der Kader sein Niveau in etwa behalten haben. Hoffnung macht, dass junge Kräfte wie Torhüter Bernd Leno (23), Freistoß-Kunstschütze Hakan Calhanoglu (21), Linksaußen Julian Brandt (19) oder Linksverteidiger Wendell (22) noch lange nicht am Ende ihre Entwicklung angelangt sind.

Interessante Spieler: Leno drängt in die A-Nationalmannschaft und damit in den EM-Kader. Tah ist ein Juwel, das allerdings mit der Bürde seiner hohen Ablöse umgehen muss. Kramer ist nach vier „Wanderjahren“ endlich in Leverkusens Profimannschaft angekommen, muss sich seinen Platz in der A-Elf aber hart erkämpfen. Vorjahres-Durchstarter Karim Bellarabi (25) steht vor der berühmten schweren Saison nach dem Durchbruch. Mehmedi könnte vom Spielertyp her die perfekte Ergänzung zu Strafraumstürmer Kießling sein.

Prognose: Leverkusen will sich peu à peu verbessern. Das hieße in dieser Saison mindestens Platz drei. Der scheint möglich, mehr aber auch nicht. Meister Bayern München und Pokalsieger VfL Wolfsburg sind der Werkself ein gutes Stück voraus.

 

FC Augsburg: Der Ex-Underdog

Der SC Freiburg kann ein Lied davon singen, Hannover 96 auch: Wenn ein kleiner Verein die Qualifikation für die Europa League schafft, bedeutet das im Jahr darauf nicht immer nur Lust. Der Grat ist schmal zwischen dem Genießen der internationalen Bühne und der Konzentration auf den Bundesliga-Alltag. Nicht wenige Vereine hat dieser Spagat in Abstiegsnöte gebracht.

Dieser Gefahr ist man sich in Augsburg bewusst und baut vorsichtshalber schon einmal vor. „Wenn wir die Klasse halten, haben wir eine gute Saison gespielt“, sagte Trainer Markus Weinzierl, der binnen drei Jahren aus dem Abstiegsanwärter Nummer eins ein Top-Team geformt hat.

Die Nobodys aus Augsburg, bei denen anderswo Aussortierte (Halil Altintop, Raul Bobadilla, Daniel Baier) oder vermeintliche Zweitligaspieler (Tobias Werner) zu den Stützen gehören, haben sich aber in der Vorsaison einen Namen gemacht.

Wie hat sich der Kader verändert? Der angeblich vor dem Abschluss stehende 25-Millionen-Transfer von Linksverteidiger Abdul Rahman Baba (21) zum FC Chelsea würde dem FCA über Nacht ein dickes Polster verschaffen. Dass dieses rasch aufgebraucht würde, ist wohl nicht zu erwarten.

Lediglich fünf Millionen Euro gab Augsburg im Sommer aus, davon rund drei Millionen für den designierten Baba-Nachfolger Philipp Max, der vom Karlsruher SC kam. Wie eh und je sind die Neuen Spieler mit Entwicklungspotenzial – und ein Altgedienter: Nach drei meist unglücklichen Jahren beim FC Sevilla unternimmt Ex-Nationalspieler Piotr Trochowski (31) einen neuen Anlauf in der Heimat.

Interessante Spieler: Trochowskis Comeback war für Augsburger Verhältnisse schon ein Mega-Thema. Der EM-Zweite von 2008 und WM-Dritte von 2010 verletzte sich aber in der Vorbereitung schwer, wird nach seinem Meniskusriss frühestens am Ende der Hinrunde auf dem Rasen erwartet.

Prognose: Die Augsburger Macher Weinzierl und Manager Stefan Reuter sind realistisch genug, ein schweres Jahr einzukalkulieren. Typisch Augsburg wäre, wenn der Verein trotzdem einen einstelligen Tabellenplatz belegt. Realistisch betrachtet, wird der FCA aber Europa League Tribut zollen und auf Platz zehn oder ein wenig dahinter einlaufen.

 

Schalke 04: Einfach nochmal arbeiten, bitte

Mit dem seltenen Glück des Untüchtigen schleppte sich Schalke 04 in der vergangenen Saison als Sechster in die Europa League. Unverdient, sagen nicht nur die Fans anderer Klubs. Auch weite Teile des königsblauen Anhangs konnte im Frühjahr nicht mehr viel mit der Mannschaft anfangen. Als charakterlose Söldner wurden die Stars von den eigenen Fans abgewatscht.

Der eigentliche Groll richtete sich aber gegen Trainer Roberto Di Matteo und vor allem gegen Sportvorstand Horst Heldt. Während Di Matteo gehen musste, erhielt Heldt seine wohl allerletzte Chance. Diese ist sehr eng verknüpft mit dem Abschneiden von André Breitenreiter (41).

Der neue Trainer, von Absteiger SC Paderborn gekommen, ist quasi der Gegenentwurf zum Italiener Di Matteo, der in der Arbeiterregion Ruhrpott nie so recht ankam. Breitenreiter steht für eine klare Ansprache und körperlich intensiven Fußball. Seine Philosophie sieht schnelles, aggressives Spiel vor. „Nur so“, erklärte er, „können wir aus meiner Sicht Erfolg haben und auch das Publikum zurückgewinnen“.

Wie hat sich der Kader verändert? Auch personell wurde mit dem eisernen Besen gekehrt – naja, zumindest hatte man das vor. Doch sowohl Felipe Santana (29) als auch die im April wegen fehlender Motivation aussortierten Sidney Sam (27) und Kevin Prince Boateng (28) fielen bei potenziellen neuen Arbeitgebern durch den Medizincheck und stehen weiter auf der Gehaltsliste. Sam ist nach einem langen Gespräch mit Breitenreiter Gnade sogar begnadigt worden und steht wieder im Kader.

Weg ist dagegen Flügelflitzer Jefferson Farfan (30/Al-Jazira/sieben Millionen Euro), der zuletzt aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit keine wirkliche Verstärkung mehr war und in den Vereinigten Arabischen Emiraten noch einmal richtig Kasse machen kann. Ansonsten gaben die Königsblauen nur Spieler ab, die im Klub keine Perspektive mehr hatten (u.a. Christian Fuchs, Kyriakos Papadopulos). Es könnte sich aber noch etwas tun: Wohl bis zum 31. August wird ein möglicher Abschied von Weltmeister Julian Draxler (21) für eine Summe jenseits der 25 Millionen Euro wie ein Damoklesschwert über Gelsenkirchen schweben.

Bei den Neuen hat Schalke auf den Schlüsselpositionen angesetzt: Standardspezialist Johannes Geis (21) kam für stolze zwölf Millionen Euro aus Mainz und ist im zentralen Mittelfeld eine Option für die Gegenwart und erst recht die Zukunft. In Franco di Santo (26) von Werder Bremen verpflichtete Schalke zudem für festgeschriebene sechs Millionen Euro einen spielstarken Sturmpartner für den einstigen Bundesliga-Torschützenkönig Klaas-Jan Huntelaar (31). Auf der Rechtsverteidigerposition hat der neuverpflichtete Brasilianer Junior Caicara (26/Ludogorez Rasgrad/4,5 Millionen Euro) wohl zunächst die Nase vorn gegenüber dem ablösefrei aus Freiburg geholten Ex-Nationalspieler Sascha Riether (32). Fest verpflichtet wurde zudem ManCity-Leihgabe Matija Nastasic (22/9,5 Millionen Euro) für die Innenverteidigung.

Interessante Spieler: Sollte Draxler bleiben, steht er nach seiner schwachen Vorsaison vor einem richtungsweisenden Jahr für seine weitere Karriere. Kredit zurückgewinnen müssen aber fast alle im Team, von Huntelaar bis hin zu den Talenten Max Meyer (19) und Leon Goretzka (20).

Prognose: Breitenreiter schien in der Vorbereitung mit seiner geraden Linie den richtigen Hebel im Umgang mit der als schwierig geltenden Mannschaft gefunden zu haben. Wenn sich der junge Trainer bei seinem ersten Großverein behaupten kann und die Spieler von großen Verletzungen verschont bleiben, spielt Schalke mit Gladbach, Dortmund und Leverkusen um Platz drei.

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