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Aug
14

Bundesliga-Check 2015/16: München, Wolfsburg, Mönchengladbach

Die 53. Bundesliga-Saison steht vor der Tür. Im abschließenden sechsten Teil der Aktives-Abseits-Saisonvorschau 2015/16 widme ich mich Bayern München, dem VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach. Holt der FCB den historischen vierten Titel in Folge oder ist Wolfsburg schon bereit für die Wachablösung? Stabilisiert sich Gladbach auf den Champions-League-Rängen?

 

Bayern München: Zum Siegen verdammt

Nie zuvor in der 52-jährigen Bundesliga-Geschichte war eine Mannschaft so dominant wie Bayern München in den vergangenen drei Spielzeiten. Mit einem vierten Titel in Folge würden die Münchner Geschichte schreiben. „Das wäre historisch, natürlich ist das unter Ziel“, sagte Star-Trainer Pep Guardiola wie selbstverständlich.

Dieser eine Titel wäre für den Verein und besonders für den Katalanen aber viel zu wenig. Um als einer der größten Trainer in der Geschichte des FC Bayern zu gelten, muss der 44-Jährige auch die Champions League gewinnen. Die Saison 2015/16 ist seine wohl letzte Chance, eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrags wäre nach heutigem Stand eine große Überraschung, zumal sich der Vorstand um Karl-Heinz Rummenigge und Matthias Sammer zuletzt dahingehend äußerte, dass der Klub auch ohne Guardiola „weiteratmen“ werde.

Für seine große Mission hat Guardiola den wohl besten Bayern-Kader der Geschichte beisammen. Das Gerüst mit den Weltmeistern Manuel Neuer (29), Jerome Boateng (26), Philipp Lahm (31) und Thomas Müller (25) steht. Flankiert wird es von fast einem Dutzend weiterer Weltklassespieler.

Wie hat sich der Kader verändert? Königstransfer Arturo Vidal (28/Juventus Turin/37 Millionen Euro Ablöse) verleiht dem Mittelfeld mit seinem giftigen Spiel und seiner Flexibilität eine neue Qualität. Der Brasilianer Douglas Costa (25/Schachtjor Donezk/30 Millionen Euro) ist ein Wirbelwind auf dem Flügel und der Gewinner der Vorbereitung. Mittelfeldtalent Joshua Kimmich (20/VfB Stuttgart/8,5 Millionen Euro) wird von Guardiola über den grünen Klee gelobt, Torhüter Sven Ulreich (27/Stuttgart/3,5 Millionen Euro) kam als klare Nummer zwei hinter Welttorhüter Manuel Neuer.

Ein echter Einschnitt war der Abgang von Bastian Schweinsteiger. Der 31 Jahre alte Weltmeister war nach 17 Jahren aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit nicht mehr unverzichtbar, der „Fußballgott“ hofft bei Manchester United (Ablöse: 18 Mio. Euro) auf einen goldenen Karriereherbst. Weil der Klub das Idol gehen ließ, begehrten aber viele Fans gegen die Führung und vor allem gegen Guardiola auf. Die Abgänge der Reservisten Pepe Reina (SSC Neapel), Mitchell Weiser (Hertha BSC) und Claudio Pizarro (noch vereinslos) treffen den Verein dagegen nicht allzu schwer.

Interessante Spieler: Vidal soll der Mannschaft den letzten Kick für das Triple geben. Costa wurde als Alternative zu Franck Ribéry geholt, könnten den noch verletzten Franzosen (32) aber sogar in Rente schicken. Die notorischen Pechvögel Holger Badstuber und Xavi Martinez nehmen nach neuerlichen Verletzungspausen Anlauf fürs Comeback. Xabi Alonso (33) war in der vergangenen Rückrunde der Buhmann, der einstige Weltklassespieler muss seinem Alter immer mehr Tribut zollen. WM-Held Mario Götze (23) wird seit seiner Ankunft vor zwei Jahren fast durchgehend kritisiert, die ständigen Wechselgerüchte kann nur er selbst mit guten Leistungen beenden. Vor allem steht aber der Trainer im Fokus: Die Fragen nach Guardiolas Zukunft werden bei jeder Gelegenheit gestellt, der Star-Coach reagiert darauf immer dünnhäutiger. Bis der 44-Jährige sich entscheidet, wird das Umfeld nicht zur Ruhe kommen.

Prognose: Der Rest der Bundesliga lechzt nach einer Wachablösung, doch die Bayern spielen noch ein weiteres Mal ihre große Klasse aus und holen die historische vierte Meisterschaft in Folge.

 

VfL Wolfsburg: Die neue Macht wächst weiter

Lange war der VfL Wolfsburg für seine Wirtschaftskraft dank des Mutterkonzerns Volkswagen gefürchtet, doch abgesehen von der Meistersaison 2008/09 konnten die Niedersachsen diese Gewalt kaum auf dem Rasen umsetzen. Mit der Vizemeisterschaft und dem Pokalsieg in der Vorsaison hat der VfL aber gezeigt, dass er zumindest die zweite Kraft im Land ist – und nach mehr lechzt.

Denn seit Manager Klaus Allofs und Trainer Dieter Hecking in der Saison 2012/13 am Mittellandkanal anheuerten, geht die Entwicklung in Wolfsburg steil bergauf. Mittlerweile hat der VfL eine Mannschaft beisammen, die angeführt vom „Fußballer des Jahres“ Kevin De Bruyne nicht einmal mehr einen herausragenden Tag benötigt, um es mit Bayern München aufzunehmen. Auch in der Champions League muss man Wolfsburg, obwohl bestenfalls in Topf drei gesetzt, einiges zutrauen. Der Kader scheint auch in der Breite gut genug aufgestellt für die Mehrfachbelastung.

Apropos de Bruyne: Keine Personalie ist derzeit auf dem internationalen Transfermarkt so heiß wie der 24 Jahre alte Belgier. 60, 70 oder doch 80 Millionen Ablöse? Dazu weit über 10 Millionen Euro Gehalt. Netto, versteht sich. Die Summen, die Manchester City für den Weltklasse-Mittelfeldspieler angeblich bietet, sind astronomisch. Offen ist nach wie vor, ob de Bruyne bereits in dieser Transferperiode der Wirtschaftskraft von der Insel erliegt oder mindestens noch ein Jahr in Wolfsburg bleibt. Klar ist jedoch, dass er die Schlüsselfigur in VfL-Mannschaft ist, mit der Vieles steht und fällt.

Wie hat sich der Kader verändert? In Nationalspieler Max Kruse (27/Mönchengladbach/12 Millionen Euro Ablöse) hat Wolfsburg einen weiteren Topspieler für die ohnehin schon starke Offensive verpflichtet. Die weiteren Zukäufe Carlos Ascues (1,5 Mio. Euro, FBC Melgar/Peru), Francisco Rodriguez (1,2 Mio. Euro, FC Zürich) und Koen Casteels (Rückkehr nach Ausleihe an Werder Bremen) sind Ergänzungen. Die Abgänge, angeführt vom chinesischen PR-Gag Xizhe Zhang, der in seine Heimat zurückkehrte, verändern das Gesicht des Kaders kaum.

Interessante Spieler: Mit de Bruyne scheint der VfL in der Lage zu sein, den Bayern zumindest Paroli zu bieten, ohne ihn dürfte der Klub den FCB über die Saison aber kaum bekämpfen können. Weltmeister André Schürrle (24) wurde im Winter für die horrende Summe von 30 Millionen Euro vom FC Chelsea losgeeist. Nach einer schwachen ersten Halbserie muss der Außenstürmer liefern, um nicht als einer der teuersten Reservisten der Welt abgestempelt zu werden. „Lord“ Nicklas Bendtner (27) war lange belächelt, doch in der Vorbereitung mauserte sich der exzentrische Däne mit engagierten Leistungen und Toren zu einer echten Alternative zu Mittelstürmer Bas Dost.

Prognose: Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, wird Wolfsburg de Bruyne in dieser Transferperiode nicht mehr gehen lassen. Auch ein Wechsel im Winter ist unwahrscheinlich. Angeführt vom Belgier wird der VfL mit weiteren Klassespielern wie Diego Benaglio, Naldo, Ricardo Rodriguez, Luiz Gustavo oder Kruse den Bayern Konkurrenz machen. Am Ende wird es aber wieder „nur“ zu Platz zwei reichen.

 

Borussia Mönchengladbach: Tiefstapeln leicht gemacht

Eine „Position in der oberen Tabellenhälfte“ peilt Trainer Lucien Favre an, „eine erneute Qualifikation für den Europapokal“ wünscht sich Manager Max Eberl – ein bisschen mehr Euphorie und ein paar markige Worte hätte man schon erwartet, nachdem sich Borussia Mönchengladbach zum ersten Mal seit der Saison 1977/78 für Königsklasse des europäischen Fußballs qualifiziert hat.

Die Gladbacher aber halten an ihrem Kurs der Bescheidenheit und des Ein- und Verkaufens mit Augenmaß fest. Trotz der Millioneneinnahmen aus der Champions League und der Verluste der Stützen Max Kruse (27/VfL Wolfsburg/12 Millionen Euro) und Christoph Kramer (24/Bayer Leverkusen/Ende der Ausleihe) ist die Borussia nicht auf große Einkaufstour gegangen.

Wie hat sich der Kader verändert? Zugegeben, in Angreifer Josip Drmic (23/Bayer Leverkusen/10 Millionen Euro) und Lars Stindl (26/Hannover 96/3 Millionen Euro) hat sich Gladbach nicht unprominent verstärkt, dafür aber relative günstig. Überhaupt will Favre weiterhin lieber Talente entwickeln als fertige Spieler zu kaufen.

„Marvin Schulz und Mahmoud Dahoud, Andreas Christensen und Nico Elvedi, Tsiy-William Ndenge und Djibril Sow, merken Sie sich diese Namen“, sagte der Trainer jüngst im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Tatsächlich scheinen zumindest die drei Erstgenannten bereits jetzt Anwärter auf regelmäßige Einsätze zu sein.

Die Vorbereitung und auch die erste Runde im DFB-Pokal beim FC St. Pauli (4:1) haben angedeutet, dass Mönchengladbach seinen flexiblen Fußball aus der Vorsaison wohl fortsetzten kann. Der hat die Borussia immerhin zur besten Rückrundenmannschaft gemacht. Allerdings wird die Champions League Energie und Lehrgeld kosten, sodass eine weitere Saison auf Konstant hohem Niveau ein Kraftakt wäre.

Interessante Spieler: Stindl war bei Hannover in einer mittelmäßigen Mannschaft herausragend als Anführer und Torgarant. Favre hat dem Mittelfeldspieler eine Schlüsselrolle zugedacht. Besonders die Talente Schulz, Dahoud und Christensen drängen in die Startelf. Dort dürften auch Nationalspieler Patrick Herrmann (24) und Ibrahima Traoré (27) nach überragender Vorbereitung eine herausragende Rolle spielen.

Prognose: Favres Tiefstapeln ist unangebracht. Mönchengladbach gehört zum Kreis der sechs großen Europapokalanwärter. Bayern und Wolfsburg dürften zu stark sein, von Rang drei bis sechs ist für die Elf vom Niederrhein aber alles möglich.

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