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Jan
17

Bundesliga: Die Lehren des 18. Spieltags – Fußball ist kein Konjunktiv

Borussia Dortmund hat die Ruhe behalten und dem ersten Verfolger Bayer Leverkusen eine Lektion erteilt. Da auch die Bayern und die Mainzer gestolpert sind, erübrigt sich die Frage, wer dem BVB den Titel noch streitig machen kann. Doch das ist bei Weitem nicht die einzige Lehre des 18. Spieltags.

Fußball ist kein Konjunktiv

„Wenn Borussia Dortmund das erste Rückrundenspiel in Leverkusen verliert, werden sie nervös und die Meisterschaft ist wieder offen.“ Diese oder ähnliche Stimmen waren während der Winterpause aus München oder Leverkusen zu hören. Was bestenfalls wie eine Durchhalteparole klang, hat sich nun endgültig überlebt. Der Konjunktiv ist nämlich nicht eingetreten, der BVB hat die Partie locker mit 3:1 gewonnen und marschiert weiter in Richtung siebte Deutsche Meisterschaft.

Die Verlierer des 18. Spieltags

Stattdessen hat Bayer Leverkusen eine Niederlage erlitten, die der „Werkself“ in den nächsten Wochen noch schwer in den Kleidern hängen könnte. Vor allem die Einwurfflanke von Lukasz Pisczek (in bester Harald Katemann-Manier) ließ die Bayer-Abwehr alt aussehen.

Gleiches trifft auf die Bayern zu, die bereits auf der ersten Etappe ihrer groß angekündigten „Aufholjagd“ gar nicht Bayern-like Federn gelassen haben. Früher hätte man das 1:0 nach dem kuriosen Tor von Thomas Müller (s.u.) humorlos über die Zeit geschaukelt und sich anschließend für seine Abgeklärtheit auf die Schulter geklopft.

So aber hat sich ausgerechnet Bastian Schweinsteiger in der 86. Minute für die schlechteste aller Lösungen entschieden und durch seinen Fehler den Wolfsburger Ausgleich ermöglicht. In solchen Situationen würde man den Bayern einen Kevin McKenna wünschen. Der weiß selbst mit Schweinegrippe, wo die Tribüne steht. So aber hatte Schweini an diesem Tag selbst die Seuche (s. wikipedia-Eintrag „Schweinigrippe“). In einer Woche, in der es einen Dioxin-Skandal gab und die halbe „Abwehr“ des Liga-Konkurrenten 1.FC Köln an H1N1 erkrankt ist, passt das irgendwie ins Bild.

Weil zusätzlich auch noch die Mainzer in Stuttgart verloren haben, ist der größte Verlierer des Spieltags aber die Spannung im Kampf um die Meisterschaft. Selbst der Sieg von Hannover, das nach dem deutlichen 3:0 in Frankfurt nun tabellarisch der härteteste Verfolger des BVB ist, wird daran nichts ändern. Immerhin hat die Borussia nunmehr 12 Punkte Vorsprung auf Platz zwei. Da können Sky, ARD, Sport1 und Co. in den nächsten Wochen noch so sehr einen „Kampf um den zweiten direkten Champions League-Platz “ proklamieren und „hochsterilisieren“ (Danke, Bruno).

Überhaupt keinen guten Spieltag hatten auch die Elfmeterschützen. Vier Fehlschüsse bei vier Elfmetern – das gab es noch nie in der Bundesliga. Die Herren Cissé, Grafite, Lahm und Pinola haben somit Geschichte geschrieben. Glückwunsch! Dieser historische Moment wurde gesponsort von den Herren Kessler, Kraft, Heimeroth und dem Pfosten des Wolfsburger Tores.

Wer diesen Blog von Anfang an verfolgt, kennt meine Haltung zu Demba B(l)a. Nun ist ein klassischer Fall von „Geschichte wiederholt sich“ eingetreten: 2009 platzte Bas erzwungener Wechsel zum VfB Stuttgart, weil der Senegalese den Medizin-Check nicht bestanden hatte. Nun passierte das Gleiche noch einmal, auch der erzwungene Wechsel nach Stoke fiel ins Wasser. 2009 verlängerte Ba zwecks Frustbewältigung seinen Vertrag in Hoffenheim um zwei weitere Jahre. Mal schauen, was dieses Mal passieren wird.

Die Gewinner des 18. Spieltags

Sieg für Gladbach, Sieg für Stuttgart – die Kellerkinder der Liga punkten dreifach und sorgen für Spannung im Abstiegskampf. Immerhin etwas, wenn die Meisterschaftsfrage schon so langweilig ist.

Dass es an der Spitze so spektakulär zugeht wie bei einem Weltcup-Skispringen im Nebel, liegt auch an den zwei Toren des Dortmunders Kevin Großkreutz gegen Leverkusen. Der Ur-Borusse war gegen Ende der Hinrunde trotz ansprechender Leistungen nur noch selten in der ersten Elf. Weil Shinji Kagawa aber gerade mit Japan um die Asien-Meisterschaft kämpft, bekam Großkreutz wieder seine Chance von Anfang an und nutzte sie. Gut für Großkreutz: Der Mann mit dem nach wie vor zweifelhaften Haarschnitt kann sich jetzt wieder voll auf den Fußball konzentrieren und muss nicht mehr an Simon Gosejohann-Look-alike-Contests teilnehmen. Im Gegenteil: Macht er so weiter, kann Simon Gosejohann bald an Kevin Großkreutz-Look-alike-Contests teilnehmen.

Es soll nach wie vor Menschen geben (und da zähle ich mich dazu), die minütlich mit dem Absturz von Hannover 96 rechnen. Doch die Niedersachsen machen unbeeindruckt weiter wie gehabt und spielen ihre beste Bundesligasaison seit Menschengedenken. Pogatetz, Rausch & Co. sind zwar nicht gerade die besten Einzelspieler der Welt, überzeugen aber als Team. Und das muss man nach 18 Spieltagen auch mal würdigen.

Ein weiterer Gewinner des 18. Spieltags ist jemand, der bereits unter den Verlierern zu finden ist: Der Freiburger Papiss Demba Cissé hat seinen Elfmeter-Fehlschuss nämlich gleich doppelt gutgemacht, indem er beim 2:2 auf St. Pauli beide SCF-Tore erzielte. Einmal kraftvoll, einmal gefühlvoll und mit Übersicht – über ein solches Repertoire verfügt beileibe nicht jeder Bundesliga-Stürmer.

Apropos Repertoire eines Stürmers: Seit diesem Wochenende hat Bayern-Star Thomas Müller sein Tor-Portfolio um einen Treffer erweitert, den auch sein Mentor und Namensvetter Gerd kaum hätte besser machen können: Müller übte in der 7. Minute nach einem Kraft-Abschlag Druck auf den heraus stürmenden Wolfsburger Keeper Diego Benaglio aus. Dieser wollte den Ball in bester Kevin-McKenna-Manier klären, traf allerdings dummerweise nicht die Tribüne, sondern Müller, von dessen Körper die Kugel ins Wolfsburger Tor prallte. Hätte Benaglio die Situation doch bloß spielerisch gelöst! So wie Schweinsteiger in der 86. Minute etwa…

Der nächste Gewinner des Spieltags rettete schon so manche Fußballerkarriere. Paul Breitner und Hans-Peter Briegel verzichteten zeitlebens auf sie, und auch bei Freizeitkicks werden Schienbeinschoner gerne weggelassen. Diese Laisser-faire-Haltung rächt sich spätestens dann, wenn nach Knastregeln gespielt wird oder der Pfosten im Weg steht. Letzteres geschah beim Leverkusener Trauer-Spiel gegen Dortmund, als Stefan Kießling kurz vor Schluss mit einer Rutscheinlage immerhin noch auf 1:3 verkürzen konnte. Blöd nur, dass der Platz so nass war, dass „Kieß“ ebenfalls hinter die Torlinie gerutscht wäre, wenn der Pfosten ihn nicht gebremst hätte. Und hier kommt der Schienbeinschoner ins Spiel. Dank ihm ging die Sache glimpflich ab, ohne wäre Kießling womöglich wieder lange verletzt gewesen (Achtung, Konjunktiv), und seine persönliche Seuchensaison komplett gewesen.

Der Gummi-Gewinner

Eigentlich müsste man auch Bruno Labbadia in die Kategorie „Gewinner des Spieltags“ einsortieren. Schließlich hat der Stuttgarter Trainer mit dem 1:0 gegen Mainz mit dem VfB den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze wieder hergestellt. Doch bei Labbadia muss man immer vorsichtig sein. Schließlich ist der Mann bei all seinen Stationen gut gestartet, hat seine Vereine aber nie lange in der Erfolgsspur gehalten. Wäre Bruno Labbadia ein Marathonläufer, hätte er vermutlich nach 15 Kilometern 5 Kilometer Vorsprung auf die Konkurrenz, würde aber am Ende noch nicht einmal das Ziel erreichen (geschehen beim Darmstadt-, Fürth-, Leverkusen- und Hamburg-Marathon). Aber womöglich ist er ja dieses Mal besser vorbereitet.

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