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Jul
03

Bye bye Ballbesitz! Zahlen und Fakten zur Fußball-WM 2018

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 befindet sich zwar noch in der heißen Phase. Doch weil bereits mehr als drei Viertel der Partien gespielt sind, gibt es schon vor Turnierschluss eine ganze Menge interessanter Zahlen, Fakten und Erkenntnisse.

These 1: Ballbesitzfußball hat ausgedient

3120 Pässe spielten sich Spaniens Tiki-Taka-Künstler in ihren vier Turnierspielen zu. Im Achtelfinale gegen Gastgeber Russland, an dessen Ende das Aus des Weltmeisters von 2010 stand, zirkulierte der Ball gar wahnwitzige 1031-mal in den Reihen der Furia Roja. Gebracht hat auch Titelverteidiger Deutschland der Ballbesitzanteil von 70 Prozent im dritten Gruppenspiel gegen Südkorea nichts – der Weltmeister verlor 0:2 und war raus. Auch Argentinien war im Achtelfinale gegen Frankreich deutlich öfter am Ball (59:41 Prozent). Letztlich gewann aber die Equipe tricolore mit ihrem „TGV“ Kylian Mbappé, der die aufgerückten Gauchos ein ums andere Mal schlicht überlief. Plakativ könnte man sagen: Wer den Ball hat, verliert. Besonders dann, wenn der Ballbesitz zum Selbstzweck wird und den Aktionen jegliche Zielstrebigkeit fehlt.

These 2: Eine große Vergangenheit macht bequem

Nun also auch Deutschland! Vier der letzten fünf Titelverteidiger bei Weltmeisterschaften scheiterten bereits in der Gruppenphase (Frankreich 2002, Italien 2010, Spanien 2014 und Deutschland 2018) – nur Brasilien erreichte 2006 die K.o.-Phase, scheiterte aber ebenfalls überraschend früh im Viertelfinale. Was all diese Teams vereint: Der Kern des Weltmeisterteams sollte es vier Jahre später erneut richten, eine (oft notwendige) Verjüngung blieb aus, auch das Spielsystem wurde aus Arroganz, Bequemlichkeit oder Ratlosigkeit kaum weiterentwickelt. Die Konkurrenz dagegen hatte lange genug Zeit, um die Schwächen der vermeintlich überlegenen Mannschaften zu sezieren.

These 3: Die Außerirdischen sind menschlich

Cristiano Ronaldo und Lionel Messi wirken allzu oft übermenschlich. Alle vier Jahre im Juni und Juli wandelt sich aber verlässlich das Bild: Immer wenn WM ist, sind die größten Torjäger oft nur Schatten ihrer selbst. Der 33-jährige Ronaldo und der 31-jährige Messi haben in Russland jeweils ihre vierte und vermutlich letzte Chance vertan, ihren zahllosen Titeln mit ihren Vereinen und ihren irrwitzig vielen individuellen Auszeichnungen die größte aller Trophäen hinzuzufügen. Anders als Pelé, Maradona oder Beckenbauer werden sie ohne WM-Titel abtreten. Die häufig gestellt Frage, ob sie die größten zwei Fußballer der Geschichte sind, erübrigt sich damit eigentlich. Bezeichnend ist diese Statistik: Der Argentinier Messi und der Portugiese Ronaldo absolvierten zusammen insgesamt 1090 Spielminuten in K.o.-Rundenspielen bei Weltmeisterschaften – und blieben dabei ohne Torerfolg.

Crazy Stats: Zahlen zur WM 2018 (Quelle: Opta)

1 -Spaniens Torwart David de Gea wehrte bei der WM nur einen Schuss ab. Er kassierte sechs Gegentore (exkl. Elfmeterschießen).

3 – Deutschland erzielte bei der WM 2018 trotz 72 Torschüssen nur 2 Tore. Das entspricht einer Erfolgsquote von 3 Prozent.

3 – Der Kroate Danijel Subasic ist erst der zweite Torhüter, der im Elfmeterschießen eines WM-Spiels drei Schüsse abwehren konnte (nach Portugals Ricardo 2006 gegen England).

7 – Mexiko scheiterte bei jeder seiner letzten 7 WM-Teilnahmen im Achtelfinale. „El Tri“ erreichte jeweils nur im eigenen Land die Runde der besten Acht (1970, 1986).

15 – Mexikos Jesus Gallardo sah im Vorrundenspiel gegen Schweden die schnellste Gelbe Karte der WM-Geschichte (15 Sekunden).

18,6 – Der Belgier Jan Vertonghen erzielte sein Kopfballtor im Achtelfinale gegen Japan (3:2 nach 0:2) aus 18,6 Metern Torentfernung. Das ist die größte Distanz für ein Kopfballtor bei einer WM seit detaillierter Datenerfassung (1966).

31 – Deutschlands Joshua Kimmich schlug in der Gruppenphase 31 Flanken aus dem Spiel heraus, kein anderer Spieler kam auf mehr als 15. Nun die wesentliche Statistik: Von Kimmichs Flanken führte allerdings keine zu einem Tor.

32 – Alle 32 teilnehmenden Nationen erzielten bei dieser WM mindestens zwei Tore.

38 – Cristiano Ronaldo zieht mit Bastian Schweinsteiger gleich als Spieler mit den meisten Einsätzen bei Welt- und Europameisterschaften (je 38). Zugleich traf Ronaldo auch bei seinem achten großen Turnier. Das ist alleiniger Rekord.

43 – 43 Prozent der Tore in der Gruppenphase fielen nach Standardsituationen, das ist neuer Höchstwert für eine Gruppenphase seit der Datenerfassung (1966).

45 – Ägyptens Torwart Essam El-Hadary ist der älteste Spieler (45 Jahre, 5 Monate), der jemals bei einer WM-Endrunde zum Einsatz kam.

72 – Nur Spanien hatte in der Gruppenphase der WM 2018 mehr Ballbesitz (73 Prozent) als das DFB-Team.

2500 – Der Treffer von Fakhreddine Ben Youssef für Tunesien gegen Panama war das 2500. Tor bei einer WM-Endrunde.

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