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Mai
10

Bye bye, Udo Lattek! Eine Institution geht von Bord

Mit der Bundesliga-Saison 2010/11 endet auch die Ära von Udo Lattek als Experte, wenn nicht gar als Guru, des „Doppelpass“ auf Sport1. Dort sprach der Erfolgstrainer Sonntag für Sonntag zum Fußballvolk. Eine Hommage.

In unserer schnelllebigen Zeit ist Udo Lattek eine echte Konstante. Seit 16 Jahren hält er Sonntag für Sonntag sein Gesicht in die Kamera und lässt den gemeinen Fan vor dem Fernseher an seiner Weisheit teilhaben. Der Trainer-Fuchs Lattek kannte das Geschäft wie kein Zweiter, er hat als Trainer acht Deutsche Meistertitel errungen, alle drei Europapokale gewonnen und Größen wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Diego Maradona oder Jürgen Kohler über den Trainingsplatz gescheucht. Nun verkündete er seinen Rücktritt als TV-Experte. Nur noch drei „Doppelpass“-Sendungen, dann ist Schluss. Was ich vermissen werde, sind vor allem…

…Udos Anekdoten

Udo Lattek hat alles erlebt und findet sichtlich Gefallen daran, die Schar der Fußballfans an seinen Erfahrungen teilhaben zu lassen – gerne auch wiederholt, getreu dem Motto „Eine gute Geschichte bleibt eine gute Geschichte.“ So erzählte Udo Lattek nur zu gerne, wie er 1974 als frischgebackener Europapokalgewinner von Bayern München-Präsident Neudecker vor die Tür gesetzt wurde (UL: „Herr Neudecker, wir müssen etwas ändern.“ „Sie haben Recht. Sie sind gefeuert.“). Fast genauso gerne gibt er zum Besten, wie er sich als Trainer des FC Barcelona mit dem divenhaften Diego Maradona angelegt hatte und damit seine Entlassung provozierte. Einfach herrlich!

…Udos Hobby

Böse Zungen behaupten, dass Udo Lattek seine Freizeit bevorzugt an den Tresen der Republik verbringt. So verbreitete einst das Nachrichtenmagazin „Focus“ die launige Anekdote, dass der gebürtige Ostpreuße bevorzugt Wodka Feige ordere, zu späterer Stunde dem Wirt aber oft die Anweisung gebe, die Feige „aus Platzgründen“ wegzulassen.

Latteks wirkliches Hobby ist jedoch das Bewachen des legendären Phrasenschweins beim „Doppelpass“, in das vom Moderator über die Talkgäste bis hin zum Experten Lattek jeder drei Euro einzahlen muss, der eine Phrase drischt. Niemand achtet dabei so penibel auf die Aussagen der Runde und macht auf deren Phrasenhaftigkeit aufmerksam wie Lattek. Überflüssig zu erwähnen, dass Lattek selbst einen Igel in der Tasche hat, wenn es ausnahmsweise mal an seinen Geldbeutel geht – ein echter Millionär und Ostpreuße eben.

…Udos Prinzipien

Udo Lattek ist nicht unbedingt ein Mann fester Ansichten. Die Tatsache, dass er an manchen Tagen sogar minütlich seine Meinung ändert, belegt dies. Gerne leitet er auch Sätze mit der Formel „Ich kenne ihn nicht“ oder „Ich bin da nicht nah genug dran“ ein, um anschließend eine messerscharfe Analyse mit Nennung sämtlicher Mängel folgen zu lassen. So was darf nur einer (ungestraft), der alles gewonnen hat. In zwei Punkten ist Latteks Meinung aber wie in Stein gemeißelt: 1.) Deutscher Meister wird immer der FC Bayern (auch bei totaler Aussichtslosigkeit) 2.) Ein Trainer verbraucht sich nach spätestens 5 Jahren. In beiden Fällen hat Lattek nicht immer Recht, aber immer wieder.

Er wird mir fehlen, der Meister Yoda des Fußballs*. Ersetzen kann man ihn nicht. Daher sollte man es auch gar nicht erst versuchen. Andererseits: Was macht eigentlich Mario Basler?

*besserer Satzbau als das Original aus „Star Wars“, aber nicht immer kann man seinen Ausführungen folgen. Optische Ähnlichkeiten sind rein zufällig und subjektiv.

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