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Apr
18

Chapeau, Michel – Europa-League-Sieger in die Champions League!

Wer diesen Blog aufmerksam verfolgt, weiß, dass ich von UEFA-Präsident Michel Platini nicht die allerhöchste Meinung habe. Sein jüngster Vorschlag, den Europa-League-Sieger mit einem Startplatz in der Champions League zu belohnen, halte ich allerdings für gut (!). Der „Cup der Verlierer“, wie Franz Beckenbauer den damals noch als UEFA-Cup bekannten Wettbewerb nannte, würde dadurch eine deutliche Aufwertung erhalten.

Lange Jahre war der UEFA-Cup ein hochklassiger Wettbewerb, in dem sich viele europäische Top-Vereine maßen. Mit der Aufwertung der „Königsklasse“ ab der Saison 1997/98 ist der UEFA-Cup, der seit 2009 UEFA Europa League heißt, klar in den Schatten gestellt worden.

Zwar lebt der kleinere der beiden Europapokalwettbewerbe von den vielen Überraschungen und der Ausgeglichenheit der Mannschaften, die immer wieder Außenseiter in die Halbfinals und Finals gespült hat, doch finanziell wie auch vom Prestige her fristet die Europa League ein stiefmütterliches Dasein.

Das zeigt vor allem der Blick auf die (vermeintlichen) Top-Klubs, die es auf Umwegen in diesen Wettbewerb verschlagen hat. Für sie ist es sehr viel erstrebenswerter, sich über die Liga für die Champions League zu qualifizieren, als die Energien auf den Titelgewinn in der Europa League zu konzentrieren – weil man in der „Königsklasse“ allein durch das Erreichen der Gruppenphase fast so viel Geld einnimmt wie durch den Pokalsieg eine Ebene tiefer.

Das Ziel der UEFA muss daher darin liegen, die Europa League aufzuwerten. Ein Weg wäre, die Prämien zu erhöhen und bei der Champions League ein paar Euro abzuknapsen. Doch wer würde diesen Schritt wagen, nachdem man die Champions League in den letzten 22 Jahren zu einer absoluten Top-Marke aufgebaut hat?

Anreize schaffen

Bliebe also noch der sportliche Anreiz. Und der wäre durch den „Aufstieg“ in die Champions League für den Sieger durchaus gegeben. Vereine aus kleineren Ligen muss man ohnehin auf europäischem Parkett nicht motivieren. Das zeigt in dieser Saison vor allem der Schweizer Tabellenführer und Europa-League-Halbfinalist FC Basel, für den der „kleine“ Europacup eine historische Chance bietet.

Der Champions-League-Platz würde allerdings auch die Großklubs wieder ins Boot holen, die entweder in einer Top-Liga wie der Premier League oder der Bundesliga den Sprung in die Champions League verpasst haben oder aber nach der Gruppenphase in die Europa League „abgestiegen“ sind. Sie hätten dann einen Grund mehr, in Bestbesetzung und mit einer erstklassigen Einstellung in die Partien zu gehen.

Es ist zwar traurig, dass man die Leute nicht mehr mit Titeln, sondern nur noch mit der Aussicht auf die „Fleischtöpfe“ locken kann, doch man kann die Uhr des Fußballs nun einmal nicht zurückdrehen. Der Kommerz ist nicht erst seit gestern ein integraler Teil dieses Spiels, und dass alle etwas von diesem Kuchen abhaben wollen, liegt da nun einmal in der Natur der Sache.

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