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Nov
21

Ciao, Roberto! Chelsea entlässt „Königsmacher“ Di Matteo

Roberto Di Matteo hat dem FC Chelsea mit Anti-Fußball den größten Triumph der Vereinsgeschichte beschert: Im Mai gewannen die „Blues” unter der Führung des Italieners die UEFA Champions League. Doch Klub-Eigentümer Roman Abramowitsch frohlockte nur kurz über die Krone Europas. Der Oligarch hat seinen „Königsmacher“ heute entlassen.

Knapp sechs Monate nach dem Gewinn der UEFA Champions League ist der FC Chelsea kurz davor, erneut Geschichte zu schreiben: Die Nord-Londoner könnten der erste Titelverteidiger in der 21-jährigen Geschichte der „Königsklasse“ werden, der schon nach der Gruppenphase die Segel streichen muss. Nur ein Sieg gegen Nordsjaelland im letzten Gruppenspiel bei einer gleichzeitigen Niederlage von Juventus Turin beim bereits für das Achtelfinale qualifizierten Schachtjor Donezk würde die „Blues“ in die nächste Runde bringen.

Auf dem Papier richtige Maßnahmen ergriffen

Dabei hat sich der FC Chelsea vor dieser Saison eigentlich sinnvoll verstärkt. Das Kreativvakuum im Mittelfeld wurde durch den Brasilianer Oscar (20, kam für 32 Millionen Euro von Internacional Porto Alegre) und den Belgier Eden Hazard (21, kam für 40 Millionen Euro vom OSC Lille) behoben. Oscar ist ein absoluter Kracher, und auch Hazards Potenzial ist unbestritten. Allerdings gönnt sich der Belgier nach herausragenden Vorstellungen zu Saisonbeginn seit  Wochen eine Auszeit. Spätestens für den Sommer 2013 bahnt sich zudem der Transfer von Super-Stürmer Radamel Falcao (26, Atletico Madrid) für festgeschriebene 60 Millionen Euro an. Der körperlich und fußballerisch starke Kolumbianer dürfte das Team deutlich nach vorne bringen und 58-Millionen-Flop Fernando Torres endgültig zum Reservisten degradieren.*

„Route One“ hat ausgedient

Auf dem Papier hat Chelsea damit viel richtig gemacht bzw. plant zumindest die richtigen Personalien. Eine stabile Defensive hatte man schließlich immer schon. Nur praktizierte man jahrelang, im Grunde seit den Zeiten José Mourinhos, eher unansehnlichen „Route One“-Fußball: Schnell und schnörkellos nach vorne, wo meist Didier Drogba wartete und die Bälle auf die torgefährlichen Mittelfeldspieler weiterleitete oder selbst den Abschluss suchte. Drogba ist seit dem Sommer Geschichte an der Stamford Bridge. Die 34-jährige „Sturmkante“ aus der Elfenbeinküste lässt seine Karriere nun in Shanghai bei fürstlicher Entlohnung ausklingen.

Mit Drogba ging die Seele

Doch Drogba (341 Spiele, 157 Tore, 86 Vorlagen) war über acht Jahre die Seele des Spiels. Genauso wie „Box-to-Box“-Spieler Frank Lampard (34, 185 Tore in 540 Spielen) und Abwehrchef John Terry (31, 520 Spiele für Chelsea, 34 Tore). Letztere gehören zwar noch zum Team, wurden aber – sehr zum Unmut der Fans – von Di Matteo in der bisherigen Saison auf Raten in den Ruhestand geschickt. Beide kamen in der Premier League nur in sieben Partien zum Einsatz, teilweise als Joker für die letzten Minuten. Natürlich spielt auch das Alter bei diesen Personalien eine Rolle, doch das Beispiel Chelsea zeigt einmal mehr eindrucksvoll, dass auch eine erfolgreiche Mannschaft Zeit benötigt, um ihren Stil umzustellen.

Di Matteos und Chelseas Glück war aufgebraucht

Eines muss man feststellen: Di Matteo hat die Champions League mit einer Mischung aus Cleverness und Glück gewonnen. Sowohl gegen den FC Barcelona im Halbfinale als auch gegen den FC Bayern im Finale war man die deutlich schlechtere Mannschaft – und zwar mit voller Absicht. Denn anstatt zu versuchen, mit dem spielerisch überlegenen Gegner mitzuhalten und diesem die Räume zu öffnen, die er so gerne hat, verlegte man sich auf die „Theologen-Taktik“: Hinten dicht, und vorne hilft der liebe Gott. Und wenn der gerade Besseres zu tun hatte, halfen an manchen Tagen eben Didier Drogba und Frank Lampard…

Di Matteo hat im vergangenen Frühjahr auf einen Schlag all das Glück aufgebraucht, das seine Vorgänger Mourinho, Grant, Scolari, Hiddink, Ancelotti und Villas-Boas vor allem auf internationaler Ebene nicht hatten. Seine Ablösung ist letztlich folgerichtig, weil die Mannschaft sich erst neu finden muss (was bekanntermaßen dauert) und weil man weiß, wie dick der Geduldsfaden von Klub-Besitzer Roman Abramowitsch ist.

Chelsea im Umbruch – Kommt Pep?

Der milliardenschwere Russe dürfte nun seine Bemühungen um Pep Guardiola (41) noch einmal intensivieren. Ich würde die eine oder andere Kiste Gerstensaft darauf verwetten, dass der spanische Star-Trainer nach seinem „Sabbatical“ im kommenden Sommer an der Stamford Bridge anheuert. Es spricht alles dafür: Guardiola hat nie einen Hehl aus seiner beruflichen Vorliebe für die Premier League und aus seiner privaten für die Stadt London gemacht. Und Abramowitsch ist seit jeher dafür bekannt, bei Trainern vor allem auf große Namen und einen prall gefüllten Trophäenschrank zu achten – was ebenfalls ein Grund war, warum Di Matteo auf dünnem Eis wandelte.

Eine Liaison Chelsea/Guardiola wäre in vielerlei Hinsicht interessant. Vor allem Guardiola müsste dann seine Karten auf den Tisch legen. Kann der Mann, der fast 30 Jahre beim FC Barcelona verbracht hat, auch außerhalb der funktionierenden Strukturen von La Masia und Nou Camp Erfolg haben? Wie käme„der Philosoph“ mit den oftmals reißerischen englischen Medien zurecht? Und wäre Guardiola bereit, um seines Arbeitsplatzes willen opportunistischen Fußball zu spielen? Bis zum Sommer braucht Abramowitsch auf jeden Fall aber eine „Übergangslösung“, die die Mannschaft mindestens unter die Top Four in England bringt. Who wants to be the next Roberto Di Matteo?

*Die unrühmliche Ausnahme ist der deutsche Ex-Nationalspieler Marko Marin (23), den man scheinbar nur deshalb für acht Millionen Euro von Werder Bremen loseiste, um das Trainingsniveau an der Stamford Bridge hochzuhalten… Marins Einsatzminuten in der Premier League bisher: null.

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  1. Benitez übernimmt FC Chelsea bis Saisonende sagt:

    […] glauben dass sie mit Benitez einen Trainer mit viel Erfahrung auf höchstem Level gefunden Ciao Roberto Chelsea entlässt Königsmacher Di Matteo Aktives Dabei hat sich der FC Chelsea vor dieser Saison eigentlich sinnvoll verstärkt Das Kreativvakuum […]

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