«

»

Mai
10

Danke, Eintracht! Und viel Glück!

Endlich hatte eine deutsche Mannschaft wieder richtig Lust auf die Europa League! Eintracht Frankfurt hat in diesem Jahr viele Sympathien gewonnen, doch es droht der Fluch der guten Tat: Viele Spieler haben bei anderen Klubs Begehrlichkeiten geweckt, noch dazu scheint dem Team auf den letzten Metern der Saison die Kraft auszugehen. Im schlimmsten Fall bezahlt die Eintracht ihre furiose Europa-Tour mit dem Verpassen des internationalen Wettbewerbs.

Eintracht Frankfurt hatte in den letzem Jahren ein ziemliches Imageproblem. Der Verein stand für uninspirierten und überzogen harten Fußball, auch der Anhang sorgte immer wieder für Negativschlagzeilen. Dazu musste sich Sportvorstand Fredi Bobic den Vorwurf gefallen lassen, eine Legionärstruppe aus aller Herren Länder zu beschäftigen.

Populär wie zu Yeboahs Zeiten

Wie sich die Zeiten geändert haben! Seit einigen Wochen ist Eintracht Frankfurt über den Kreis der SGE-Fans hinaus so populär wie zuletzt vermutlich in der kurzen, aber berauschenden Ära Yeboah-Bein-Okocha-Gaudino in den Jahren zwischen 1992 und 1992. Luka Jovic, Ante Rebic, Sebastien Haller oder Filip Kostic sind die Gesichter des Aufschwungs in den vergangenen zwölf Monaten.

Der Österreicher Adi Hütter, im vergangenen Juli Topfavorit auf die erste Trainerentlassung der Saison, ließ begeisternden und erfolgreichen Fußball spielen und bewies, dass die Fußstapfen von Pokalsieger-Trainer Niko Kovac keineswegs zu groß für ihn waren. Im Gegenteil: Anders als der in erster Linie auf Kompaktheit bedachte heutige Bayern-Coach Kovac bewies Hütter, dass mit dem vorhandenen „Spielermaterial“ sehr wohl auch offensiv gespielt werden kann. Und zwar in der Bundesliga und in der Europa League, wo Frankfurt mit dem Erreichen des Halbfinals für das beste Bundesliga-Abschneiden seit neun (!) Jahren sorgte – und dabei glaubhaft den Eindruck vermittelte, dass der „kleine“ Europacup keine Last sein muss, sondern eine Lust sein kann. Bitte mehr Klubs mit dieser Einstellung, Bundesliga! 

Der Ausverkauf droht

Analog zur Champions-League-Überraschungsmannschaft Ajax Amsterdam, die wie Frankfurt unter höchst dramatischen Umständen mit dem Finale in Sichtweite ausgeschieden ist, droht auch der Eintracht der Abgang zahlreicher Stars im Sommer. Der Marktwert von Stürmer-Entdeckung Luka Jovic (27 Pflichtspieltore in dieser Saison) wird auf 60 Millionen Euro taxiert, der 21-jährige Serbe hat allem Anschein nach das Interesse von Real Madrid, FC Barcelona oder Bayern München geweckt. Auch Vizeweltmeister Rebic ist international umworben. Die Zukunft von Keeper Kevin Trapp und Mittelfeldrackerer Sebastian Rode (beide ausgeliehen) ist noch offen.

Wenn der Exodus der Top-Stars einsetzt, könnte er auch die Spieler aus der zweiten Garde zu einem Wechsel motivieren. Das wäre bitter für die Eintracht, ist aber in der heutigen Zeit das normale Schicksal eines Vereins, der besser als erwartet abgeschnitten hat.

Von Platz vier ins Niemandsland?

Eintracht Frankfurt muss sich nun schnell berappeln. Der Klub hat bereits 47 Pflichtspiele in dieser Saison in den Beinen, aufgrund des weiten Vordringens im Europapokal waren vor allem in den vergangenen Wochen die Erholungsphasen sehr kurz. Aus diesem Grund schmolz das Polster der Hessen, die eigentlich auf Rang vier einzementiert schienen, auf die Konkurrenz erheblich.

Vor den letzten beiden Bundesliga-Spieltagen hat Frankfurt zwar immer noch seine erste Champions-League-Teilnahme in eigenen Händen, doch die Konkurrenz lauert. Die TSG Hoffenheim auf Rang acht, dem ersten Nicht-Europapokal-Platz liegt nur drei Zähler zurück und hat die bessere Tordifferenz.

Das Restprogramm der zunehmend kraftlosen Hessen hat es zudem in sich: Am Sonntag geht es gegen die zwar geretteten Mainzer, doch der Nachbar würde der Eintracht nur zu gerne die Tour vermiesen. Und im Saisonfinale am 18. Mai geht es zum FC Bayern und Ex-Trainer Kovac. Das kann eine gute Nachricht sein für Frankfurt, wenn die Münchner am Samstag bei RB Leipzig  ihre siebte Meisterschaft in Folge perfekt machen. Es kann aber auch eine sehr schlechte Nachricht sein, wenn der FCB bei den Sachsen strauchelt und im Saisonfinale gegen Frankfurt auf jeden Punkt angewiesen ist.

Der Sport ist ja bekanntermaßen nicht gerecht. Doch wenn die Eintracht nach einer solch herausragenden Saison am Ende als Achter mit leeren Händen dasteht, kann das niemanden glücklich machen.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*