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Nov
27

Das Bayern-Mysterium: Was macht Flick besser als Kovac?

Karl-Heinz Rummenigge ist selig, die Bayern-Profis spielen auf einmal wieder wie aus einem Guss. Was macht Interimstrainer Hansi Flick besser als der geschasste Niko Kovac?

Fußballfans haben einen regelrechten Fetisch für Zahlen und Rekorde. So gesehen, können Pep Guardiola, Jupp Heynckes, Ottmar Hitzfeld oder Udo Lattek im Vergleich zu Hansi Flick einpacken. Vier Siege und 14:0 Tore aus den ersten vier Spielen als Trainer des FC Bayern haben nicht einmal diese Größen geschafft. Dass es unter Flick, im Sommer als weiterer Assistent für Chefcoach Niko Kovac engagiert, scheinbar wie von selbst läuft, lässt sich nicht allein mit dem Neue-Besen-Effekt erklären.

Vorzeitiger Gruppensieg in der Champions League, als erste deutsche Mannschaft ist die perfekte Bilanz von sechs Siegen möglich. Die Rückeroberung der Tabellenführung in der Bundesliga scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Und mit einem Mal wird nicht mehr behauptet, die Mannschaft sei nicht stark genug für die allerhöchsten (eigenen) Ansprüche.

Flick ist kein Übertrainer

Kurzum: Im dunklen November steht den Bayern der Himmel wieder offen. Weil Flick, der einstige Weltmeister-Co-Trainer, gewissermaßen Jogi Löws rechte Hand, so ein genialer Trainer ist? Das wäre eine recht steile These. Der 54-Jährige, bei seiner einzigen Cheftrainer-Station beim damaligen Drittligisten TSG Hoffenheim (2000 bis 2005) unter dem Strich gescheitert, ist kein charismatisches Genie, kein nerdiger Taktikguru und auch kein Weltmann.

Als Nationalmannschafts-Assistenztrainer von 2006 bis zum WM-Triumph 2014 hat Flick aber den Umgang mit Superstars gelernt. Die Ansprache des bis zur Winterpause zum Chef beförderten Ex-Profis stimmt jedenfalls, die Spieler haben wieder sichtlich Freude an ihrer Arbeit und rufen durch die Bank Topleistungen ab, seit sie von Kovac „befreit“ sind.

Der eine kann nichts falsch machen, der andere nichts richtig

„Man kann wenig falsch machen“, erklärte Flick nach der 6:0-Gala der Bayern am fünften Champions-League-Spieltag bei Roter Stern Belgrad auf die Frage, wie schwierig die Aufstellung für das nächste Bundesligaspiel gegen Bayer Leverkusen werde. Vierfach-Torschütze Robert Lewandowski meinte vielsagend: „Wir haben Spaß. Egal wer spielt, wir folgen unserem Plan.“

Einen solchen Plan vermissten die Superstars des Rekordmeisters unter Niko Kovac. Eine alternative Lesart ist diese: Sie wollten dem Plan des Kroaten nicht bedingungslos folgen. Anders sind arrogante und halbherzige, am Ende sogar absolute Nicht-Leistungen wie beim 1:5 bei Eintracht Frankfurt, das Kovac den Kopf kostete, kaum zu erklären.

Flick kann keine Dauerlösung sein

Der von Patriarch Uli Hoeneß stets gestützte Kovac hatte die Kabine gegen sich. Eine Kabine voll von Weltmeistern und Multimillionären, die weiß Gott nicht einfach zu führen sind. Als Dompteur hat Flick aber eine begrenzte Haltbarkeit, auch wenn Rummenigge nach dem zweithöchsten Bayern-Auswärtssieg in der Königsklasse sagte: „Das ist etwas Unglaubliches. Neben den Ergebnissen ist die Spielqualität das Wichtigste. Alle, die hier sind, haben Spaß an dem Spiel unserer Mannschaft.“

Die aktuelle Euphorie wird kaum bis zum Saisonende anhalten, der FC Bayern gewiss nicht mit der Leichtigkeit der letzten drei Wochen zum Triple flanieren können. Titel gewinnt eine Mannschaft nur mit starker Führung. Hierfür benötigt der Klub auch einen starken Trainer. Kovac war dieser nicht, Flick ist ein solcher vermutlich auch nicht.

Der FC Bayern braucht mal wieder eine große Lösung. Diese (siehe Carlo Ancelotti) muss nicht zwingend funktionieren, nur weil sie groß ist – aber ein „kleiner“ Trainer wird in München auf Dauer zermahlen.

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