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Feb
15

Das Ende ist nah: „Tiger“ Effenberg in Paderborn vor dem Abschuss

Am 14. Oktober 2015 wurde Stefan Effenberg mit großem Brimborium als Trainer des Fußball-Zweitligisten SC Paderborn vorgestellt. Nach nur vier Monaten im Amt rückt das Ende für den „Tiger“ langsam, aber wohl unvermeidlich näher.

Mit einem Sprüche-Feuerwerk, der kessen Zielsetzung vom zeitnahen Bundesliga-Aufstieg und zwei Siegen zum Start hatte sich Stefan Effenberg im Herbst beim SC Paderborn spektakulär eingeführt. Nach zuletzt zehn sieglosen Pflichtspielen haben sich die Wellen um „The New One“ beim Tabellen-16. der 2. Bundesliga aber meterhoch aufgetürmt. Statt nach oben zu schauen, geht es für den Klub und den Trainer-Novizen nur noch ums Überleben.

„Ich gehe in das Derby gegen Bielefeld. So war das Ergebnis des Gesprächs“, sagte Effenberg am Samstag zu Sky Sport News HD nach einem Telefonat mit dem allmächtigen Vereinspräsidenten Wilfried Finke. Es war wohl die beste Nachricht für den „Tiger“ seit langem: Nach dem leblosen Auftritt seiner Mannschaft beim 0:4 gegen den 1. FC Kaiserslautern und der versuchten Stürmung der Geschäftsstellte durch aufgebrachte SCP-Fans hatte der Ex-Nationalspieler eigentlich keine Argumente mehr für eine Weiterbeschäftigung.

Effenberg erhält maximal noch zwei Chancen

Zumal es eine Vorgeschichte gibt. Mit den fragwürdigen Suspendierungen von Mahir Saglik, Daniel Brückner und Srdjan Lakic im Dezember sowie der Entlassung von Nick Proschwitz nach der „Penis-Affäre“ im Trainingslager in Belek Ende Januar hatte der frühere Bayern-Star Effenberg im beschaulichen Ostwestfalen zuletzt auch neben dem Platz viel um die Ohren – für weniger prominente Trainer eigentlich genug, um sich die Papiere holen zu müssen.

Fakt ist, dass der 47 Jahre alte Motivator Effenberg und sein als Taktiker bekannter Co-Trainer Sören Osterland (30) maximal noch zwei Chancen erhalten. Und das wohl auch nur, weil sich Sonnenkönig Finke ungern die Blöße geben möchte, das Experiment mit einem als Trainer unerfahrenen Star öffentlich als „gescheitert“ bezeichnen zu müssen.

Effenberg ist spürbar angezählt

Tatsächlich steht Effenberg trotz des jüngsten „Treuebekenntnisses“ des Präsidenten „bis Ende Februar“ so wackelig auf den Beinen wie ein Boxer, der bis neun angezählt wurde. Im Umfeld des Klubs gilt es als sicher, dass die Suspendierungen der Großverdiener Saglik, Brückner und Lakic von ganz oben – also von Finke – befohlen wurden. Effenberg soll lediglich der Überbringer gewesen sein. Dazu passt, dass Angreifer Süleyman Koc bei dieser Maßnahme Willkür unterstellte, als er kurz vor Weihnachten bei Sky sagte: „Es hätte jeden treffen können“.

In der Proschwitz-Affäre mussten Effenberg und Manager Michael Born bei Finke vorstellig werden. Die Mannschaft hatte es schließlich nicht nur zum Abschluss des Trainingslagers, sondern auch an einem weiteren Abend feucht-fröhlich krachen lassen. Effenberg und Born sollen da jeweils im Bett gewesen sein, wie sie Finke glaubhaft versichern konnten. Autorität im Abstiegskampf sieht dennoch anders aus. Hinzu kommt: Für die Zusammenstellung eines schlagkräftigen, charakterstarken Kaders ist in erster Linie der Manager verantwortlich, der Trainer neben der taktischen Einstellung nicht zuletzt auch für die Führung des Personals.

Für Effenberg gilt das Prinzip Hoffnung

Effenberg, der laut seinem Lehrmeister Ottmar Hitzfeld alle Anlagen für einen erstklassigen Trainer mitbringt, gehen langsam die Spielkarten aus. Personelle Konsequenzen? Gab es schon. Transfers? Im Winter kamen vier Neue. Die Ansprache? Effenberg wurde zuletzt zwar von Moritz Stoppelkamp („Er stellt uns super ein“) und Koc („Er ist der Beste“) öffentlich gestützt, doch in der Kabine soll es längst zwei Fronten geben.

Dafür spricht, dass gerade kämpferisch nicht jeder in dieser schwierigen Lage alles gibt. Zwar kam die Mannschaft gegen den FCK zu einigen – freilich ungenutzten – Torchancen, doch gegen den Ball vermisste nicht nur Effenberg „den notwendigen Kampfgeist, ohne den man im Profifußball keinen Punkt holt.“

Eindruck der Ratlosigkeit entsteht

Effenbergs Strategie für das Ostwestfalen-Derby bei der zehn Punkte besseren Bielefelder Arminia wirkt daher wie eine Ultima Ratio: „Die Startelf wird definitiv verändert. So wird es die Mannschaft nicht mehr geben. Der eine oder andere Spieler kann mit der Situation des Abstiegskampfs nicht umgehen.“

Dies mag eine Maßnahme sein, die Finke noch einmal „überzeugt hat“ (O-Ton). Doch letztlich muss ein Trainer seine Mannschaft auf den Existenzkampf einschwören – oder wenigstens die Spieler ausfindig machen und außen vor lassen, die dazu nicht in der Lage sind.

Sechs Punkte auf das rettende Ufer sind jedenfalls schon eine Menge, und eine Woche nach dem Derby kommt Tabellenführer RB Leipzig. Sechs Zähler sollte Effenberg aus den nächsten beiden Spielen nicht einplanen. Mindestens drei wird er aber brauchen, um auch im März noch auf der Trainerbank zu sitzen.

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  1. #Link11: Montag | Fokus Fussball sagt:

    […] Meister im Geben aggressiv-respektloser Interviews ist, als Trainer des SC Paderborn vor dem Aus. Aktives Abseits fasst die Lage des müden Tigers […]

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