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Feb
14

Das große Zittern: Verschenkt der BVB eine Traumsaison?

Raus im DFB-Pokal, so gut wie raus in der Champions League, dazu der kapitale Einbruch in der Liga gegen Hoffenheim – Borussia Dortmund droht die Saison in Rekordzeit in den Sand zu setzen.

Nicht von ungefähr gibt es im Fußball die Weisheit, dass die Titel im Frühjahr vergeben werden. Das Beispiel Borussia Dortmund zeigt, wie schnell ein Verein eine lange Zeit grandiose Saison nachhaltig versenken kann. Dass irgendwann zwischen August und Mai eine Krise kommt und man nicht immer Champagnerfußball liefern kann, versteht sich auf höchster Ebene von selbst. Doch die vergangenen drei Spiele der Dortmunder geben Anlass zur großen Sorge.

Gegen Werder Bremen reichte im DFB-Pokalachtelfinale vor heimischer Kulisse eine Führung nicht zum Weiterkommen. Gegen Tottenham Hotspur vergeigte der BVB in der zweiten Halbzeit mit drei Gegentoren (Endstand: 0:3) die realistische Chance auf den Viertelfinaleinzug in der Champions League. Und in der Liga wird es hochspannend sein zu beobachten, wie der Herbstmeister und Tabellenführer damit umgeht, gegen die TSG Hoffenheim am vergangenen Spieltag ein 3:0 in weniger als einer Viertelstunde verspielt zu haben (Endstand: 3:3).

Geht es nun abwärts wie unter Bosz?

Unwillkürlich wurden Erinnerungen wach an das Revierderby Ende November 2017 zwischen dem BVB und Schalke 04. Damals führten die Schwarz-Gelben 4:0 gegen den Erzrivalen, der angezählte Trainer Peter Bosz schien mit einer Gala in diesem Prestigeduell jegliche Diskussion um seine Person zu beenden. Dann folgte eine zweite Hälfte für die Geschichtsbücher – und für Dortmund zum Vergessen. Am Ende stand es 4:4, Schalke war obenauf und Bosz praktisch nicht mehr zu halten.

Nun ist Bosz‘ Nach-Nachfolger Lucien Favre weit von seiner Demission entfernt. Der Schweizer ist ohne jeden Zweifel ein absoluter Taktikfuchs und feinfühliger Coach, der eine Ansammlung talentierter Spieler zu einer starken Mannschaft geformt hat. Allerdings ist er nun erstmals in seiner achtmonatigen Amtszeit als Krisenmanager gefragt.

Alle Schwächen treten nun zutage

Die Dortmunder Mängel treten nach gut zwei Dritteln der Saison offen zutage: Der personelle Verschleiß ist enorm, festzumachen ist er an der wieder zunehmenden Verletzungsanfälligkeit von Top-Star, Top-Scorer und Kapitän Marco Reus. Hinzu kommt, dass eben im Gegensatz zur Hinrunde nicht mehr alles perfekt läuft. Neuzugang „Doppel-Paco“ Alcacer, bis zur Winterpause 13-facher Torschütze in allen Wettbewerben, etwa hatte zuletzt eine Ladehemmung, gegen Tottenham fehlte er wegen einer Schulterverletzung.

Zugleich merkte man dem BVB insbesondere gegen Tottenham an, dass trotz des belgischen WM-Dritten Axel Witsel im Zentrum die große internationale Erfahrung und auch Härte fehlen. Gegen die ebenfalls dezimierten Spurs, deren Top-Stars Harry Kane und Dele Alli verletzt sind, waren sechs Dortmunder in der Anfangsformation zwischen 19 und 23 Jahre alt. Ungeachtet dessen lassen sich das mangelhafte Abwehrverhalten und vor allem der mitunter fehlende Wille zur entschlossenen Zweikampfführung nicht allein an einem Datum im Pass festmachen.

Richtungsweisende Spiele gegen Nürnberg und Bosz‘ Bayer

Die weiteren Spiele im Februar werden wohl weisen, ob Dortmund „wenigstens“ in dieser Saison die Meisterschaft gewinnen kann. Der Vorsprung auf Meister Bayern beträgt immerhin noch fünf Punkte.

Beim Tabellenletzten 1. FC Nürnberg MUSS im ersten Montagsspiel der Saison zwingend gewonnen werden, ansonsten lässt sich eine Krise rund um das Westfalenstadion wohl nur noch schwerlich leugnen. Im Spiel eins nach der Entlassung von Trainer Michael Köllner ist der Club aber, wie die ungeschriebenen Gesetze des Fußballs suggerieren, womöglich ein anderes Kaliber als noch vor Wochenfrist.

Danach empfängt Dortmund den West-Rivalen Bayer Leverkusen, der seit Januar von Bosz trainiert wird. Zuletzt fuhr die Werkself in der Liga drei Siege in Folge ein (11:3 Tore), darunter ein 3:1 gegen den FC Bayern. Der Leverkusener Fußball unter Bosz erinnert stark an die erfolgreiche erste halbe BVB-Halbserie mit dem Niederländer in der Vorsaison. Es wäre eines dieser weiteren „ausgerechnet“-Geschichten des Fußballs, wenn Bosz seiner Ex eine mitgeben könnte – und womöglich einer guten Dortmunder Saison ein Ende machen würde.

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