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Feb
26

David Moyes: Mensch, ist der gescheitert

Dass David Moyes bei Manchester United keinen einfachen Einstieg haben würde, war abzusehen. Der Nachfolger von Sir Alex Ferguson zu sein, der mit den Red Devils 38 Titel in 27 Jahren gewann, ist reizvoll und undankbar zugleich. Markus Lanz sollte den Schotten zum Erfahrungsaustausch mal in seine Show einladen.

Das 0:2 von Manchester United im gestrigen Achtelfinalspiel der Champions League bei Olympiakos Piräus war vermutlich die schwächste von vielen glanzlosen Vorstellungen des Teams in der laufenden Saison. Gerade einmal eine einzige Torchance „erspielte“ sich United in 90 Minuten gegen den international als mittelklassig eingestuften Gegner.

Alle Ziele werden wohl verfehlt

Es war wettbewerbsübergreifend die elfte Saison-Niederlage für die Mannschaft, die im Vorjahr noch souverän die englische Meisterschaft gewann. Stand 26.2.2014 steht Manchester United in der Champions League gegen einen Underdog vor dem Aus. Im FA-Cup (gegen Swansea City) und im League Cup (gegen Abstiegskandidat AFC Sunderland) musste das Team bereits die Segel streichen.

Und in der englischen Meisterschaft, welche das Team in den letzten 21 Spielzeiten sagenhafte 13-mal gewonnen hat, beträgt der Rückstand auf Tabellenführer FC Chelsea elf Spieltage vor dem Saisonende satte 15 Punkte. Selbst Platz vier, der zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigen würde, ist kaum aufholbare elf Punkte entfernt. Und es ist beileibe nicht so, als würde United Druck auf die Konkurrenz ausüben.

Waffenloser Kampf gegen den Vorgänger

Immer mehr Menschen in England (ob sie nun ein rotes Trikot im Schrank haben oder nicht) stellen sich mittlerweile die Frage, ob es mit Moyes noch etwas werden kann. Was heißt mittlerweile? Im Grunde steht der neue Trainer seit September voll im Wind. Nicht von ungefähr hat ihm der Klub demonstrativ einen Sechs-Jahres-Vertrag gegeben, um im Übergangsjahr eins nach Ferguson Ruhe vor Diskussionen zu haben. Doch dass der Übergang so holprig verlaufen würde, hat wohl niemand erwartet. Dass Ferguson als Klub-Direktor zudem bei jedem Spiel von der Tribüne aus über seinen Nachfolger wacht, macht die Aufgabe nicht leichter.

Doch Moyes hat sich den Schaden auch selbst eingebrockt: Manchester spielt konzeptlosen Angsthasenfußball – mit einem Personal, das zwar ein Jahr älter ist als das mächtige United der Vorsaison, aber bis auf die teuren Zukäufe Marouane Fellaini und Juan Mata nahezu identisch ist. Dass die Mannschaft eine Blutauffrischung benötigt, steht dennoch außer Frage. Viele Leistungsträger sind nahe an den 30 (Rooney, van Persie) oder bereits darüber (Carrick, Evra, Vidic, Ferdinand). Nur ist Moyes sowohl im Sommer als auch im Winter bei vielen seiner Wunschspieler gnadenlos abgeblitzt (Ronaldo, Fabregas, Özil, Khedira, Coentrao, di Maria, und, und, und). Es ist zwar rein hypothetisch, aber es ist schwer vorstellbar, dass diese Herren allesamt auch zu Ferguson nein gesagt hätten.

Ist Moyes schlichtweg überschätzt?

Klar ist, dass der 50-jährige Schotte nicht das Standing eines Sir Alex Ferguson besitzt. Das kann er auch gar nicht. Ferguson hat ihn trotzdem selbst ausgewählt und nicht José Mourinho, der lange auf den Job im Old Trafford spekuliert haben soll und sich erst spät für eine Rückkehr zum FC Chelsea entschied.

Beim FC Everton hat sich Moyes in elf Trainerjahren das Image eines Fachmanns erarbeitet, dem immer wieder Achtungserfolge gelangen – der aber gerade in den Spielen gegen die Großen eine duckmäuserische Taktik wählte. Nur ein Beispiel: In Moyes‘ letzter Saison bei den Toffees 2012/13 erlitt die Mannschaft mit sieben Niederlagen die drittwenigsten Pleiten der Liga. 15 Unentschieden (Liga-Rekord) brachten aber unter dem Strich nur Platz sechs.

Dass Moyes jahrelang überschätzt wurde, legt nun nicht allein dessen miese Bilanz bei United nahe, sondern auch die Tatsache, dass sein Everton-Nachfolger Roberto Martinez trotz des Abgangs von Schlüsselspieler Fellaini nach Manchester gerade in Spielen gegen die Großen einen mutigeren Weg wählt. Der Lohn folgte am 4. Dezember, als die Toffees mit 1:0 ausgerechnet bei Manchester United gewannen. Moyes selbst hat seinen heutigen Klub nie bezwingen können.

Trotz als Ultima Ratio

Es scheint so, als wäre der Respekt vor den Red Devils mit dem Abgang von Sir Alex Ferguson verschwunden. Dabei hatte sich Moyes im Juli 2013 in einem Interview mit der „Daily Mail“ selbst noch das Ziel gesetzt, die Festung Old Trafford halten zu wollen: „United ist der größte Klub in England, vielleicht sogar der Welt. Jeder Gegner sagt sich: ‚Oh no, wir müssen zu Manchester United‘. Das wollen wir aufrechterhalten.“

Mittlerweile haben bereits vier Teams in der Premier League und zwei Vereine in den Pokalwettbewerben das Theatre of Dreams gestürmt. Überspitzt gesagt, hatte in dieser Saison nur ein Verein noch die Hosen voll, als es gegen die Red Devils ging: Bayer Leverkusen, das in Manchester eine 2:4-Pleite erlitt und sich in der BayArena mit 0:5 vorführen ließ.

Moyes bleibt mittlerweile nichts mehr, als sich in Trotz zu flüchten. So sagte er vor der gestrigen Piräus-Pleite forsch: „Wir sollten Richtung Finale gucken. Es ist nicht immer die beste Mannschaft, die das Finale erreicht. Liverpool im Jahr 2005 gibt uns Hoffnung. Andere Mannschaften wollen nicht auf ManUnited treffen, denn sie wissen, wofür wir stehen.“ Zeiten ändern sich – manchmal sogar schneller, als man gucken kann…

Call for Alex

Die Frage wird sein, wie lange man in Manchester Geduld mit Moyes hat. Ein Trainer, der ein Unentschieden auf Pressekonferenzen als gutes Ergebnis verkauft, passt nicht so recht zu United, das vergleichbar mit dem FC Bayern nur die allerhöchsten Ansprüche gelten lässt.

Irgendwie kann man dem betrunkenen Manchester-Fan, der Ende Januar nach dem Aus im League Cup gegen Sunderland die englische Notrufnummer 999 wählte und nach Sir Alex Ferguson verlangte, nicht böse sein. Uniteds Besitzer-Familie Glazer ist, wie jeder Investor, unter dem Strich auf Wachstum aus. Das Einzige was bei Manchester United aber derzeit wächst, sind die Sorgen.

1 Kommentar

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  1. Dominic sagt:

    Zwar angesprochen, aber nur oberflächlich behandelt wie ich finde. Natürlich nicht schlimm, aber ich wollte mich dann doch beteiligen und ein paar weitergehende Infos liefern :)

    Manchester United hat trotz des Meistertitels 2012/2013 bereits im letzten jahr viel von seinem Image eingebüßt. Das lag vor allem daran, dass das Team international letzte Saison bereits aus der Spitzengruppe rausgefallen ist und mehrheitlich spielerische Armut gezeigt hat.

    Gehen wir mal davon aus, dass jetzt gegen Piräus Schluss ist, dann bleibt festzuhalten dass ManUtd seit der Finalteilnahme 10/11 nicht mehr über das Achtelfinale hinausgekommen ist.

    11/12 Gruppenphasenaus (Basel, Lissabon, Galati) El aus in der Runde danach)
    12/13 Achtelfinalaus gegen Madrid obwohl lange ebenbürtig
    13/14 Piräus wie bekannt.

    Im FA CUP hat man in der gleichen Zeit folgendes erreicht:

    11/12 4. Runde gegen damals noch mittelklassige Liverpooler
    12/13 Viertelfinale knapp gegen Chelsea
    13/14 3. Runde gegen Swansea

    League Cup

    11/12 Viertelfinale Crystal Palace
    12/13 Achtelfinale Chealsea London
    13/14 Halbfinale Sunderland

    Was bleibt festzustellen? In allen Pokalen national wie international war man bereits seit Längerem nicht mehr im Finale zu sehen. Tatsächlich war das League-Cup Ergebnis (welcher zugegebenermaßen nicht so unwichtig ist wie unser alter Liugapokal, aber eben weit unter allen anderen ist) besser als in den Vorjahren.

    Die Ligaausbeute ist die mit Abstand schwächste seit Bestehen der PL. Nun ist aber die Frage, warum Ferguson mit demselben Kader zumindest in der Liga soviel mehr rausholen konnte. Was auffällig ist, ist der extreme Mangel an Kreativität im Mittfelfeld und dies ist nicht neu. Schon die letzten beiden Jahre konnte Manchester Offensiv nur bedingt mithalten, viel lief über starke Einzelkationen Ronneys und VanPersies. Nun kommt aber dazu, dass der Kader nochmals älter geworden ist und Leistungsträger wie Vdidc und Ferdinand das ganze Jahr über nicht in Tritt kommen, verletzungs- und wohl auch altersbedingt. Ferdinand ist 35, Vidic 33, Evra 32, da verwundert es kaum dass die Abwehr nur selten hinterherkommt. Im Grunde genommen hat sich manchester selbst in den letzten 4 Jahren kaputtgespart, nur das die lange durch Fergusons herausragende Arbeit kaschiert werden konnte. Jetzt gibt man wieder mehr aus (Fallaini, Mata) aber bis die Jahre wieder eigeholt werden dürfte etwas Zeit vergehen, insbesondere da die getätigten Transfers der Vorjahre (Kagawa, Zaha u.a) bis auf einige wenige alle gescheitert sind (Ausnahme: vanPersie, deGea)

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