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Jan
09

Demba Ba: Ein waschechter Profi oder einfach nur undank-Ba?

Der senegalische Stürmer Demba Ba von 1899 Hoffenheim möchte seinen Wechsel nach England erzwingen. Damit ist er beileibe kein Einzelfall, und doch stellt Ba mit der Beharrlichkeit, mit der er nicht zum ersten Mal einen Vereinswechsel forciert, einen (traurigen) Sonderfall dar.

25 Tore und 11 Vorlagen in 67 Bundesligaspielen, das ist beileibe keine schlechte Bilanz für einen Stürmer. Angesichts solcher Zahlen verwundert es nicht, dass der Senegalese Demba Ba von 1899 Hoffenheim in den letzten zwei Jahren immer wieder ins Blickfeld größerer Vereine gerückt ist. Bei Manchester United, Arsenal oder Chelsea soll er schon auf dem Zettel gestanden haben. Im Sommer 2009 wurde es dann erstmals konkret: Champions-League-Teilnehmer VfB Stuttgart wollte die Gomez-Millionen in Ba investieren. Der war auch durchaus wechselwillig, verkündete gar schon seinen Wechsel bevor etwas unterschrieben war, und bekam letztlich sogar grünes Licht aus Hoffenheim.

Am 1. Juli 2009 wurde der Transfer von Demba Ba für 12 Millionen Euro Ablöse verkündet – vorbehaltlich der Tatsache, dass der Senegalese die sportärztliche Untersuchung besteht. Und genau hier scheiterte Bas Meuterei, der Senegalese war verletzt und würde auf unbestimmte Zeit ausfallen. Prompt war das Interesse des VfB gänzlich abgekühlt, und der Stürmer musste wohl oder übel bei dem Verein bleiben, mit dem er nach eigener Aussage schon abgeschlossen hatte.

2009 gescheiterter Wechsel zum VfB, Ba macht das Beste draus

Was machte Ba? Der dachte sich: Wenn ich schon hier bleiben muss, dann wenigstens zu besseren Konditionen. Ende 2009 verlängerte der Senegalese seinen Vertrag bei – wie an dieser Stelle einfach mal vorausgesetzt wird – vollem Bewusstsein bis zum Sommer 2013 zu deutlich verbesserten Konditionen. Ob man in Hoffenheim damals glaubte, den Stürmer damit ruhig gestellt zu haben, oder ob man einfach nur die Ablösesumme bei einem vorzeitigen Wechsel in die Höhe treiben wollte, wissen wohl nur die Verantwortlichen.

Wenn das Schwergewicht West Ham anklopft…

Was für Demba Ba aber von wesentlich größerer Bedeutung war: Angeblich hat man ihm bei der Verlängerung zugesichert, für die Summe X wechseln zu dürfen. Nun klopfte im Dezember 2010 wieder ein Interessent an die Pforte des Stürmers, den dieser sogleich als „Traumverein“ bezeichnete. Wer jetzt erwartet, dass der Senegalese das Interesse von Real Madrid oder Manchester United geweckt hat, der sieht sich getäuscht. Kein Geringerer als das internationale Schwergewicht West Ham United (derzeit Letzter in der englischen Premier League) wollte sich die Dienste Demba Bas sichern. Wer würde nicht den Kampf um die Europacup-Plätze in der Bundesliga gegen den Abstiegskampf in England eintauschen?

Natürlich ist West Ham ein Traditionsverein (3mal FA-Cup Sieger, Europacupsieger der Pokalsieger 1965), aber aus rein sportlichen Gründen kann sich eigentlich kein ambitionierter Spieler für einen solchen Wechsel entscheiden, noch dazu während einer Saison. Ba‘s Beweggründe sind allerdings nur zu offensichtlich: Er möchte unbedingt in einer Mannschaft mit Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger (ja, der ist mittlerweile in West Ham) spielen! Was denn sonst?!

Hoffenheim stellt sich quer, Ba verhält sich „erwachsen“

Doch allein mit Bas Bereitschaft ist es nicht getan. Sein Arbeitgeber ist nämlich nicht geneigt, den Stürmer abzugeben, zumal man bislang kein Angebot erhalten habe, das akzeptabel sei. Das sieht der Senegalese ganz anders und pocht auf die (angebliche) mündliche Vereinbarung. Seit Beginn der Winterpause ward Ba nun nicht mehr in der Metropolregion Rhein-Neckar gesehen, die Ba-AG ist offiziell in den Streik getreten.

Sein Verein scheint derweil die Faxen dicke zu haben und geht auf Konfrontationskurs. Hat man dem wechselwilligen Luiz Gustavo (für ca. 15 Mio. Euro zu Bayern) noch nachgegeben, weil dieser sich „anständig und professionell“ (Dietmar Hopp) verhalten habe, will man an Ba offenbar ein Exempel statuieren. Hoffenheims Manager Ernst Tanner ließ nämlich heute via Bild am Sonntag verlauten: „Wenn kein Verein kommt, der unsere Vorstellungen erfüllen kann, dann schmort Demba halt auf der Tribüne. Wenn wir nicht wollen, kann er nicht weg und auch nicht Fußball spielen.”

Wieder mal nur Verlierer?

Es sieht also so aus, als würde es auch in dieser Personalie am Ende nur Verlierer geben. Hoffenheim kann zwar versuchen, den Spieler durch Härte zum Bleiben zu zwingen, oder sogar zum letzten Mittel greifen: Angeblich kann ein streikender Spieler auch für sechs Monate gesperrt werden, wenn man als Verein im Recht ist und sich an die zuständige Behörde wendet. Hört sich hart an, wird Demba Ba aber wohl kaum schlaflose Nächte bereiten: Bei der Behörde handelt es sich nämlich um die FIFA. Und wie seriös der Weltverband agiert, haben die auch dem Letzten die jüngsten Entscheidungen gezeigt (Stichwort: Winter-WM in Katar).

Bleibt also letztlich nur, dass Ba noch vor dem 31. Januar seinen Willen getan bekommt und wechseln darf. Hoffenheim hat dann wieder rund 8-10 Millionen Euro mehr in der Kasse und einen leistungsunwilligen Spieler weniger im Kader.

Der Spieler ist dann bei seinem „Traumverein“ – zumindest, bis ein besseres Angebot kommt (Man erzählt sich, dass man im arabischen Raum als Fußballer gutes Geld verdienen kann…).

Und der „Traumverein“ hat seinen „Wunschspieler“ – wobei man in einem solchen Fall eigentlich nur jedem Verein kondolieren kann, der Spieler vom Charakter eines Demba Ba verpflichtet. Aber keine Sorge: Die Strafe folgt bestimmt auf dem Fuß. Denn was gibt es Schlimmeres, als einen Spieler mit solch einem Charakter im Kader zu haben?

Die beste aller Lösungen wäre in einem solchen Fall schlicht und einfach, dass Vereine wie Hoffenheim mit aller Härte gegen den Spieler vorgehen, die FIFA mit aller Härte gegen den Spieler vorgeht, und alle so genannten „Wunschvereine“ von der Verpflichtung solcher Spieler absehen.

Denn letztlich kann man an Hoffenheimer Stelle zwar nachgeben und kurzfristig die beste Lösung wählen (Motto: Nach mir die Sintflut), doch wenn Spieler wie Demba Ba mit ihren Wünschen durchkommen, sollte man künftig am besten nur noch Ein-Monats-Verträge abschließen oder eine eigene Liga für Spieler mit einer solch „professionellen“ Arbeitsauffassung gründen. Das alte Dietmar-Hopp-Stadion in Hoffenheim mit seinen rund 6.350 Plätzen sollte locker ausreichen, um alle interessierten Zuschauer unterzubringen.

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