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Mrz
02

Der 1.FC Köln an Karneval – Selten ein Grund zum Feiern

Zur Wiesn-Zeit gilt der FC Bayern München gemeinhin als unschlagbar. Analog könnte man daher auf die Idee kommen, dass der 1.FC Köln an Karneval eine Macht ist – weit gefehlt.

Die fünfte Jahreszeit geht in ihre heiße Phase. Zwischen Weiberfastnacht und Veilchendienstag wird Köln wieder einmal im Ausnahmezustand sein. Mit einem weiteren Sieg am Wochenende könnte der 1.FC Köln die Stimmung noch einmal zusätzlich anheizen. Doch ungeachtet der Tatsache, dass der FC mit dem souveränen Tabellenführer Borussia Dortmund nicht gerade auf Laufkundschaft trifft, spricht auch die Vergangenheit nicht gerade für ein Kölner Fußballfest. Die Bilanz der Geißböcke an Karneval ist nämlich noch katastrophaler als im Rest des Jahres. Als Beispiel seien die Karnevalsspiele der letzten zehn Jahre angeführt:

2010: So, 14.2. 0:2 auf Schalke
Eigentlich eine anständige Leistung des FC. S04 machte die Tore durch Joel Matip und Jefferson Farfan jeweils gegen Ende der ersten und zweiten Halbzeit. Narrenkappenfaktor: 40 Prozent.

2009: Sa, 21.2. 2:1 bei Bayern München
Legendärer Sieg in der Allianz-Arena und vermutlich der Anfang vom Ende der Ära Klinsmann beim FC Bayern. FC-Tore durch Fabrice Ehret (!) und Daniel Brosinski (!!!). Letzterer lehrt heute in der 3.Liga im Trikot von Wehen-Wiesbaden die Keeper von Heidenheim, Sandhausen oder Babelsberg das Fürchten. Narrenkappenfaktor: 0 Promille.

2008: Fr, 1.2. 1:1 gegen St. Pauli (2. Liga)
Der FC beginnt die Rückrunde, an deren Ende der Wiederaufstieg in die 1.Bundesliga stehen wird, mit Schlafwagenfußball. Kurz vor der Pause geht St. Pauli in Führung. Daraufhin beordert Trainer-Fuchs Christoph Daum Innenverteidiger Kevin McKenna ins Sturmzentrum. Das taktische Konzept sieht in der zweiten Halbzeit dementsprechend so aus: Mondragon -> McKenna. Der FC schafft kurz vor Schluss zumindest noch den Ausgleich durch Adil Chihi. Narrenkappenfaktor: 60 Prozent.

2007: So, 18.2. 0:5 (!!!!) bei Rot-Weiß Essen (2.Liga)
Slapstick vom Allerfeinsten in der Partie gegen den späteren Absteiger aus Essen. Alpay, Lagerblom, Haas & Co. überbieten sich gegenseitig an Unzulänglichkeiten. Für Essen treffen Größen wie Kiskanc, Boskovic und Calik. Der mitgereiste Kölner Anhang stimmt nach dem 0:3 „Deutscher Meister, FC“-Sprechchöre an. Narrenkappenfaktor: 100 Prozent.

2006: Sa, 25.2. 0:3 gegen Leverkusen
Ausgerechnet im Derby gegen die „Werkself“ liefert der FC eine grausame Leistung ab. Das Ergebnis ist lange das Beste am Spiel, Bayer spart sich die Tore für die Schlussphase auf. Berbatov, Voronin (ausgerechnet) und Krzynowek treffen für Leverkusen. Die Innen-„Verteidiger“ Boris Zivkovic und Alpay laufen an diesem Tag zum letzten Mal gemeinsam im FC-Dress auf. Narrenkappenfaktor: 90 Prozent.

2005: Fr, 4.2. 0:1 in Frankfurt (2.Liga)
Eine Niederlage, die vor allem Lukas Podolski weh tat. Der „Prinz“ musste in der zweiten Halbzeit verletzt raus und wurde dafür vom Frankfurter Anhang mit Schmährufen bedacht. Die Niederlage konnte der FC verkraften, die Mannschaft war bereits klar auf Aufstiegskurs. Narrenkappenfaktor: 30 Prozent.

2004: So, 22.2. 0:1 in Dortmund
Am Karnevalssonntag 2004 ist der FC die bessere Mannschaft im Westfalenstadion – und verliert das Spiel, weil die Chancenverwertung zu wünschen übrig lässt. So vergibt Florian Kringe in der Nachspielzeit einen 100-Prozenter aus zwei Metern. Der FC steigt am Saisonende als Schlusslicht ab. Narrenkappenfaktor: 80 Prozent

2003: So, 2.3. 1:1 in Lübeck (2.Liga)
Verschlafene Partie beim heutigen Viertligisten. Erst die Lübecker Führung durch Ferydoon Zandi kurz vor Schluss weckt den FC auf. Francis Kioyo rettet schließlich das Unentschieden. Der FC kann sich den Punktverlust leisten, liegt zu diesem Zeitpunkt klar auf Platz 1 in der Zweiten Liga. Narrenkappenfaktor: 40 Prozent.

2002: So, 10.2. 0:4 in Hamburg (Vorprogramm: Di, 5.2. 0:4 in Mönchengladbach)
Das Double-Feature. In der „legendären“ Saison 2001/02, in welcher Köln unter anderem die unglaubliche Serie von 1.033 Minuten ohne eigenen Torerfolg hinlegt, bekommt es der FC gleich doppelt um die Ohren. Das 0:4 in Gladbach durch drei van Lent-Tore vermiest schon vor Weiberfastnacht die Stimmung. Es folgt das 0:4 in Hamburg, bei dem FC-Stareinkauf Lilian Laslandes(-Liga) seinen einzigen „Treffer“ landet, als er nach einer Tätlichkeit vom Platz fliegt. Narrenkappenfaktor: 2 x 100 Prozent.

2001: Sa, 24.2. 1:1 bei Bayern München
Karnevals-Langeweiler in München. Der FC spielt als Aufsteiger eine sorgenfreie Saison, die Bayern sind gedanklich eher bei der Champions League. Markus Kreuz erzielt den Kölner Treffer. Beste Szene des Spiels: Stefan Effenberg legt sich mit FC-Coach „Zettel“-Ewald Lienen an. Der soll Carsten Cullmann dazu aufgefordert haben, den „Tiger“ umzusensen. Lienen klärte später auf: Mit „Hau ihn weg“ habe er nicht Effenberg, sondern den Ball gemeint… Narrenkappenfaktor: 30 Prozent.

Das ergibt ligaübergreifend eine Bilanz von 1 Sieg, 3 Unentschieden, 6 Niederlagen und 5:21 Toren in den letzten zehn Jahren. Und das, obwohl die meisten FC-Trainer ihren Spielern für den Fall eines Karnevalssieges einen freien Rosenmontag und – noch viel wichtiger – einen freien Veilchendientag in Aussicht gestellt hatten. Die meisten spielten dann aber am Spieltag so, als hätten sie an Weiberfastnacht auf’s Heftigste gefeiert. Das wäre insbesondere in diesem Jahr tödlich. Das Dortmund-Spiel steigt nämlich bereits am Freitag.

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