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Feb
25

Der 1. FC Köln und die „Gefahr“ des frühen Aufstiegs

Zehn Punkte aus vier Spielen im Jahr 2013, zweitbeste Rückrundenmannschaft, seit elf Ligaspielen ungeschlagen – die Statistik des 1. FC Köln liest sich wie die einer Spitzenmannschaft. Und wenn man einen Blick auf die Tabelle der 2. Bundesliga wirft, ist der 1. FC Köln auch ein Top-Team. Trotzdem: Käme ein potenzieller Wiederaufstieg nicht vielleicht zu früh?

Eigentlich hatte ich mich auf ein entspanntes Zweitligajahr „gefreut“. Für mich war klar: Der FC ist diese Saison einfach zu schwach, um ernsthaft ins Rennen um die Aufstiegsplätze einzugreifen. Man spielt eine solide Saison und belegt am Ende irgendwas zwischen Platz sechs und neun, dachte ich mir. Der Trend nach schwachem Start ist positiv, ebenso wie die Stimmung für die Saison 2013/14. Und dann, ja dann, greift man mit einer Mannschaft, die zusammengewachsen ist und sich entwickeln konnte, wieder ernsthaft die Aufstiegsränge an.

Die Realität sieht freundlicher aus als erwartet: Zwar sind 36 Punkte aus 23 Spielen (1,57 Punkte pro Spiel) nicht der Knaller, doch weil sich in der 2. Liga hinter den Spitzenteams Eintracht Braunschweig und Hertha BSC eine gewaltige Lücke auftut, können sich noch neun Mannschaften mehr oder weniger berechtigte Hoffnungen auf den Relegationsplatz machen. Der 1. FC Köln als Tabellenvierter ist mittendrin. Doch um es auf den Punkt zu bringen: Es ist nicht das Verdienst des FC, dass man noch auf Platz drei schielen kann, sondern das Resultat der Schwäche des 1. FC Kaiserslautern oder von 1860 München, die den Aufstieg sehr viel mehr zur Pflicht erklärt haben und über entsprechend besetzte Kader verfügen.

Laut Statistik die Mannschaft der Stunde

Aufgrund dessen ergibt sich gerade eine Situation, in der das Momentum für den 1. FC Köln spricht. Der Fußball des FC ist nach wie vor zwar nur in Ansätzen gut, doch insbesondere im Kalenderjahr 2013 stimmen die Ergebnisse.

Hinzu kommt, dass Kaiserslautern binnen der nächsten drei Spieltage in Berlin und Braunschweig antreten muss. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass Pfälzer weitere Punkte liegen lassen und der FC (gegen FSV Frankfurt, Paderborn, Dresden) sich noch näher ran schieben kann.

Die Euphorie-Maschinerie in der Domstadt läuft jedenfalls in gewohnter Manier schon wieder auf Hochtouren. Ich sag nur: Stefan Maierhofer war auch schon vor seinem ersten FC-Tor kurz davor, vom „Express“ in den Stand der Fußballgötter aufgenommen zu werden…

Das große Aber

Von den nackten Zahlen einmal abgesehen, agiert der 1. FC Köln nicht wie ein Aufsteiger. Die Mannschaft kommt zwar zu Chancen, lässt diese aber reihenweise liegen. Wenn das schon in der 2. Liga passiert, was soll dann erst im Oberhaus sein? Hinzu kommt, dass der Sieg gegen Aue am 20. Spieltag sehr schmeichelhaft war und man gegen St. Pauli am 22. Spieltag durchaus auch hätte verlieren können.

Peter Neururer (so wenig ich für ihn übrig habe) sagte einmal den Satz „Zwischen der 1. und der 2. Liga liegt eine komplette Sportart“. Lange hielt ich diesen Ausspruch für übertrieben, weil Zweitliga-Aufsteiger oft ein ähnliches Niveau haben wie Kellerkinder aus der 1. Liga. Doch wer beispielsweise das Spiel St. Pauli-Spiel gesehen hat, muss Neururer Recht geben: Kombinationen über mehr als drei Stationen waren Mangelware, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen hatten vor allem in der Defensivbewegung die Größe Australiens, und vorne vertändelte man seine Konterchancen mit der Sorglosigkeit einer Schülermannschaft – ich will mir gar nicht ausmalen, wie man diesen FC in der 1. Liga auseinander nehmen würde. Vergleiche mit Greuther Fürth wären da fast schmeichelhaft…

Bei Aufstieg erneuter Umbruch – doch von welchem Geld?

Malen wir uns ein Szenario: Der FC steht nach 34 Spieltagen auf Platz drei und bezwingt in der Relegation den Bundesliga-Sechzehnten im direkten Duell. Wie soll dann die Mannschaft 2013/14 aussehen: Anthony Ujah muss ziemlich sicher zurück nach Mainz, Daniel Royer nach Hannover. Andere, deren Verträge auslaufen, wie Maierhofer oder Miso Brecko, würden in der 1. Liga gewiss nicht weniger verdienen wollen als im Unterhaus – ohne, dass beide jemals nachgewiesen hätten, über eine ganze Saison die Qualität für die Beletage zu besitzen.

Timo Horn spielt eine gute erste Profi-Saison, doch auch er wird gewiss Fehler machen, wenn die Gegner stärker werden. Die Innenverteidiger Dominic Maroh und Kevin McKenna sind gute Lösungen für die zweite Liga, nicht mehr. Jonas Hector schlägt sich hinten links, dürfte es aber eine Ebene höher schwer haben. Das Mittelfeld ist permanenten Personal- und Systemwechseln unterworfen – ein klares Indiz dafür, dass sich hier nur ganz wenige Spieler unverzichtbar gemacht haben. Und die Angreifer Ujah und Maierhofer sind im Sommer womöglich beide weg.

Was bliebe da einem Verein, der trotz höherer Einnahmen in der 1. Liga nur einen ganz geringen finanziellen Handlungsspielraum hat? Die bundesligaerfahrenen Leihspieler Pedro Geromel, Sascha Riether und Slawomir Peszko zurückholen, anstatt sie zu verkaufen, und um sie eine Mannschaft aufbauen?!? Vor allem die beiden Erstgenannten haben in der Saison 2011/12 im Abstiegskampf ihrer zugedachten Rolle als Leistungsträger jedenfalls nicht entsprochen.

Ein zweites Aufbaujahr tut Not

Gegen Siege wehrt sich niemand, und auch ich gucke dem FC lieber samstags nachmittags als sonntags mittags zu; doch ich bin der Überzeugung, dass der 1. FC Köln langfristig mehr davon hat, die Mannschaft noch ein Jahr mit „kleinen Brötchen“ in der 2. Liga weiterentwickeln zu können. Im Sommer können bzw. müssen ohnehin kleinere Veränderungen im Kader vorgenommen werden. Hier kann man die Mannschaft durch punktuelle Verstärkungen auf ein Niveau bringen, das ihr die Qualität gibt, in der kommenden Saison einen Gegner auch mal über 90 Minuten zu dominieren und ein Spiel auch mal mit drei oder vier Toren Abstand zu gewinnen.

Ein sofortiger Aufstieg würde dagegen im zweiten Jahr in Folge einen kompletten Umbruch im Kader bedeuten. Das gab es in Köln schon oft genug. Die Ergebnisse sind bekannt… Meiner Meinung nach kann ein Aufsteiger in der 1. Liga aber nur bestehen, wer eine funktionierende Mannschaft mitbringt und diese nur auf zwei, drei Positionen verändert.

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