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Mrz
28

Der Aktives Abseits-Kinotipp: Thorsten Fink in „Wie man kein Zeichen setzt“

Ich weiß gar nicht, wie oft ich mich in dieser Saison schon dem von Aussterben bedrohten Dinosaurier HSV gewidmet habe. Sei’s drum, der Nordverein bietet immer neuen Gesprächsstoff. Nun versucht Trainer Thorsten Fink erstmals, die Mannschaft mit außergewöhnlichen Maßnahmen wachzurütteln – wobei sich seine Methoden auf den zweiten Blick als ziemlich gewöhnlich erweisen.

In der Winterpause hatte man in Hamburg eher Europa im Blick als den Abstiegskampf. Nach schwachem Saisonstart (7 Punkte nach 9 Spielen, Platz 18) führte Neu-Trainer Thorsten Fink die Mannschaft ab Oktober nach oben: nach 12 Punkten aus 8 Partien (2 Siege, 6 Remis) überwinterte der HSV scheinbar im gesicherten Mittelfeld. Der Trend zeigte nach oben, alles schien möglich.

Doch 2012 ging es nicht wie geplant weiter: Das 1:5 am 18. Spieltag gegen Borussia Dortmund – es war Finks erste Niederlage im neunten Bundesliga-Spiel als Chef-Trainer – wurde noch als Ausrutscher gegen einen bärenstarken Gegner abgetan. Doch auch danach kam der HSV nicht mehr in die „Pötte“: 6 Niederlagen in der Rückrunde stehen gerade einmal 2 Siege gegenüber. Tiefpunkt war das 0:4 gegen den VfB Stuttgart am 23. Spieltag, bei dem sich Paulo Guerrero eine denkwürdige Rote Karte und eine Sperre von acht Spielen abholte. Damals hätte eigentlich dem letzten Optimisten klar werden, dass der HSV Gefahr läuft, unten ernsthaft reinzurutschen.

Abstiegskampf eingeräumt – aber auch angenommen?

Doch erst 3 Spiele (und 3 Niederlagen) später scheint man sich in Mannschaft und Trainerstab mit dem Thema Abstiegskampf auseinanderzusetzen. Zumindest hat man beim HSV nun aufgehört, in Interviews die Situation abzuwiegeln – angesichts des 16. Tabellenplatzes wäre alles andere auch ein Witz.

Hinzu kommen ein paar „Hebel“, an denen Trainer Fink und Sportdirektor Arnesen ansetzen: Neben der sicher nicht ganz ernst gemeinten Ankündigung, dass es den Spielern nach Standard-Gegentoren künftig ans Geld gehen soll, hat Trainer Thorsten Fink nun „durchgegriffen“ und die beiden Akteure Romeo Castelen (28) und Muhamed Besic (19) vom Mannschaftstraining ausgeschlossen. Der HSV ließ verlauten, dass man dadurch enger zusammenrücken wolle…

Fink sucht und findet Bauernopfer

Dass Trainer ihren Kader in Krisenzeiten aufräumen, um das berühmte Zeichen zu setzen, ist nichts Neues. Aber Castelen und Besic?!? Ersterer wird seit Jahren von Verletzungen geplagt und hat in der laufenden Saison ganze 26 Minuten auf dem Platz gestanden, Besic nicht einmal eine Sekunde. Das wäre in etwa so, wie wenn Bayern München in der „Ergebniskrise“ vom Februar Diego Contento und Takashi Usami suspendiert hätte.

Ob Fink sich mit dieser Maßnahme einen Gefallen getan hat, ist äußerst fraglich. Um ein echtes Exempel zu statuieren, hätte es jedenfalls an Kandidaten beim HSV nicht gemangelt: Kapitän Heiko Westermann spielt seine schwächste Bundesligasaison überhaupt und ist bei den von Fink so oft zitieren Standards zuletzt oft nur zweiter Sieger gegen einköpfende Angreifer gewesen. Auch Nationalspieler (und EM-Kandidat!) Dennis Aogo produziert einen Fehler nach dem anderen. Von den Lustlos-Auftritten der Offensivabteilung um Mladen Petric möchte ich gar nicht reden…

Eine weitere Maßnahme Finks ist ebenfalls typisch für die aktuelle Situation: Der Coach hat angekündigt, im Training die Zügel anzuziehen. So etwas kommt zumindest bei erzürnten Fans und den nicht minder leicht erregbaren Hamburger Medien gut an. Doch ein härteres Training alleine wird kaum reichen. Die Mannschaft muss zeigen, dass der Abstiegskampf auch in den Köpfen angekommen ist und die Spieler den Schalter umlegen können (drei Euro ins Phrasenschwein – mindestens!).

Geschichte wiederholt sich?

Andernfalls könnte es kommen wie so oft: Ein Großer rutscht in der heißen Phase der Saison ganz unten rein und weiß nicht so recht, wie er damit umgehen soll. Manchmal konnte sich der Etablierte noch retten, doch allzu oft ist auch schon das Undenkbare eingetreten.

Das einzige „Glück“ des HSV scheint zu sein, dass sich mit dem 1.FC Kaiserslautern, Hertha BSC Berlin und dem 1.FC Köln drei weitere Traditionsvereine aktuell äußerst engagiert darum bemühen, künftig des Öfteren montags spielen zu dürfen. Zumindest Sport1 würde sich darüber freuen…

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